Winterlied

Zum 19. Kalendertürchen

Mir träumt`, ich ruhte wieder
Vor meines Vaters Haus
Und schaute fröhlich nieder
Ins alte Tal hinaus,
Die Luft mit lindem Spielen
Ging durch das Frühlingslaub,
Und Blütenflocken fielen
Mir über Brust und Haupt.

Als ich erwacht, da schimmert
Der Mond vom Waldesrand,
Im falben Scheine flimmert
Um mich ein fremdes Land,
Und wie ich ringsher sehe:
Die Flocken waren Eis,
Die Gegend war vom Schnee,
Mein Haar vom Alter weiß.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Um mich ein fremdes Land…

Weihnachten ohne Mutter

Zum 19. Kalendertürchen

Weihnachten ohne Mutter
Netzfundstück – Autor nicht bekannt

familieLiebe Kinder,

dieses Weihnachten werdet ihr ohne mich verbringen müssen; denn ich werde über die Feiertage verreisen.
Ich weiß noch nicht genau wohin, aber ich möchte dieses Christfest einmal auf eine andere Weise feiern. Vater konnte ich nicht überzeugen, mich zu begleiten, ihr könnt also ruhig nach Hause kommen. Da die Feiertage schon seit so vielen Jahren nach festen Ritualen ablaufen, werdet ihr es auch ohne mich schaffen.

Zwar habe ich sonst ein paar kleine Vorbereitungen getroffen, aber unter euch sind ja drei perfekte Hausfrauen, die mir so oft gut gemeinte Ratschläge geben konnten.
Die Gästebetten könnt ihr bei Schmidts nebenan und bei Hansens ein Stück die Straße runter leihen. Ich wollte euch das Festmahl nicht vorschreiben, deshalb habe ich nichts eingekauft. Die Menge für 12 Personen errechnet ihr einfach, indem ihr den Viertagesbedarf eurer drei Familien zusammenrechnet. Mit meinem kleinen Wagen musste ich ein paarmal fahren, aber ihr habt alle so schöne große Limousinen. Wenn ihr zusammen fahrt, ist es auch mit den schweren Getränkekästen bequemer.
Vielleicht solltet ihr auch auswärts essen, das Spülen der Geschirrberge hält immer so auf. Ansonsten benutzt ruhig mein gutes Geschirr. Ich habe jetzt eines mit Nachkaufgarantie, es macht also nichts, wenn die Kinder etwas zerschlagen. Die Preisliste liegt in der Schrankschublade; legt einfach das Geld dazu, ich vervollständige dann später das Service.

Eines macht mir allerdings Sorgen: Wer wird den Schlichter bei euren Diskussionen machen, wenn ich nicht da bin? Ihr wisst ja, dass Vater sich lieber raushält, weil seine Nerven zu empfindlich sind. Am besten, ihr bleibt alle ein bisschen gelassener, auch bei Erziehungsfragen. Jeder macht schließlich bei der Aufzucht des Nachwuchses Fehler. Ich habe mir da auch einiges vorzuwerfen. Aber glaubt mir, es ist nie zu spät, mit dem Umerziehen anzufangen.

Übrigens finanziere ich mit dem Geld, das ich sonst für eure Geschenke verwandt habe, dieses Jahr meine Reise. Löst doch die Gutscheine, die ihr für mich gekauft habt, ein und kauft euch selbst eine Kleinigkeit.

Fröhliche Weihnachten wünscht euch
Eure Mutter

Rezept

Zum 19. Kalendertürchen

Ukrainische Soljanka

Zutaten:

  • 200g Zwiebeln
  • 100g Speck
  • 2 Knoblauchzehen
  • 100g Tomatenmark
  • 1 Essl. Edelsüß-Paprika
  • 500g gemischtes Fleisch (Bratenreste, Schinken, Salami)
  • 2 saure Gurken
  • 1,5l Fleischbrühe
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Essl. Kapern
  • ½ Zitrone
  • Dill, Petersilie
  • 3 bis 4 Essl. saure Sahne
Zubereitung:

  • Die fein gehackten Zwiebeln in den Speckwürfeln glasig braten.
  • Den geriebenen Knoblauch, Tomatenmark und Paprika sowie die in dünne Streifen geschnittenen Fleischstücke und die ebenso geschnittenen Gurken hinzugeben und wenige Minuten dünsten.
  • Die Fleischbrühe zugießen und die Suppe 5 min. kochen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  • In eine Schüssel füllen, mit Kapern bestreuen, 2 bis 3 Zitronenscheiben einlegen.
  • Gehacktes Dill u. Petersilie darüber und kurz vorm Servieren saure Sahne dazu.

Ich erinnere mich übrigens noch, dass man das besonders gut nach langen Nächten essen konnte – als Katerfrühstück gegen 12 Uhr mittags mit Kopfschmerzen 😉

Ebenezer Scrooge war kein Einzelfall

Zum 18. Kalendertürchen

»Fröhliche Weihnachten, Onkel! Gott segne Sie!«, rief da eine vergnügte Stimme. Sie gehörte Scrooges Neffen, der so plötzlich auf ihn zukam, dass er ihn in diesem Augenblick erst bemerkte.
»Pah!«, rief Scrooge. »Humbug!«
Vom schnellen Gehen in Nebel und Frost war diesem Neffen von Scrooge so warm geworden,dass er geradezu glühte; sein hübsches Gesicht war gerötet, seine Augen glänzten und sein Atem dampfte noch. »Weihnachten ein Humbug? Aber Onkel!«, erwiderte Scrooges Neffe. »Das meinen Sie doch gewiss nicht ernst?«
»Und ob«, sagte Scrooge. »Fröhliche Weihnachten! Welches Recht hast denn du, fröhlich zu sein? Und welchen Grund? Du bist doch wahrlich arm genug.«
»Na, hören Sie«, entgegnete der Neffe munter. »Welches Recht haben denn Sie, übel gelaunt zu sein? Und welchen Grund,missmutig? Sie sind doch wahrlich reich genug.«
Scrooge, der im Augenblick keine bessere Antwort parat hatte, sagte wieder »Pah!« und ließ noch ein »Humbug« folgen.

Es gibt sie überall, die Weihnachtshasser… und es gab sie immer schon. Die Geschichte kennt Zeiten, in denen Weihnachten unerwünscht war und zu denen man am liebsten verbieten wollte, dass die Menschen Weihnachten feiern.

Charles Dickens, A Christmas Carol, 1843

Scrooge, der Weihnachtshasser

  • Die reformierten Christen glaubten, das Weihnachtsfest entspringe heidnischem Brauch und sei mit der römischen Kirche verbunden und lehnten es daher grundsätzlich ab. Am 16. November 1550 beschloß der Genfer Stadtrat, die auf einen Wochentag fallenden Feiertage abzuschaffen. Das kommende Weihnachtsfest sollte am Sonntag nach Weihnachten gefeiert werden (also am 28. Dezember), worüber es zu schweren Konflikten kam.
  • John Knox, schottischer Reformator und Mitbegründer der Presbyterianischen Kirchen, verbot 1560 alle kirchlichen Feste, so auch das Weihnachtsfest in Schottland. Daran hielten man sich bis in das 20. Jahrhundert hinein.
  • Die Quäker des 17. Jahrhunderts lehnten Weihnachten als Feiertag ab und gingen wie auch sonst ihren Geschäften nach. Allerdings fehlen in deren Kalender auch alle anderen kirchlichen Feiertage wie Ostern oder das Erntedankfest.
  • Die Puritaner, eine dem Calvinismus nahestehende Reformationsbewegung, war gegen das Weihnachtsfest, denn es umfasste in jener Zeit neben dem Gottesdienst auch Gelage, Besäufnis, Tanz und Glückspiel. Geschenke kannte man damals übrigens noch nicht. Erst 1856 wurde Weihnachten in Massachusetts ein staatlicher Feiertag.
  • 1647 erließ das Parlament ein Verbot derartiger Feste und schloß die Kirchen an den Weihnachtstagen. Bisherige Festtage wurden zu gewöhnlichen Arbeitstagen erklärtDas führte zu Straßenkrawallen zwischen Befürwortern und Gegnern des Weihnachtsfestes. In Canterburry wurden gar Geschäfte geplündert und verwüstet. Privat feierten die Menschen das Weihnachtsfest auch auch weiterhin.
    Ab 1660, nach Bendigung der Herrschaft der Cromwells, wurde unter der Monarchie von Karl II das Festverbot nicht mehr angewendet.
  • Die Vereinigten Staaten blieben auch dann noch gespalten. In Regionen, wo reformierte Christen die Mehrheit bildeten (u.a. Neuengland und Pennsylvania) wurde bis ins 19 Jahrhundert das Weihnachtsfest nicht gefeiert. In anderen Regionen aber feierte man auf die altenglische Art.

Under the Mistletoe

Zum 18. Kalendertürchen

Die Mistel ist definitiv kein typischer Strauch – es ist ein Parasit, der lebende Bäume angreift. Technisch gesehen sind Misteln (es gibt weltweit über 1.000 Arten) tatsächlich Hemiparasiten.mistletoe Das heißt, sie gewinnen einen Teil ihrer Energie durch Photosynthese und der Rest wird aus anderen Pflanzen gewonnen.
Die Pflanze schickt ihre winzigen Wurzeln in die Rinde ihres Wirts, wo sie Wasser und Nährstoffe absaugt und den Baum langsam schwächt. Ein ausgewachsener Baum kann eine kleine Menge Mistel problemlos aushalten, aber wenn die Misteln sich stark ausbreiten, stirbt der Baum schließlich Stück für Stück.

Oftmals werden in der Weihnachtszeit Mistelzweige über Türen aufgehängt. Traf ein Junggeselle seine Angebetete unter diesem Mistelzweig, so durfte er sie ohne zu fragen küssen… und hoffen.
Das Küssen unter Misteln zur Weihnachtszeit soll im 18. Jahrhundert eine ziemlich verbreitete Tradition gewesen sein, obwohl der erste eindeutige historische Hinweis aus dem Jahr 1820 stammt. Washington Irving, Autor von ‚Sleepy Hollow‘ und ‚The Headless Horseman‘, schrieb über die Pflanze:

Der Mistelzweig mit seinen weißen Beeren hing an der unmittelbaren Gefahr aller hübschen Hausmädchen.

Die Engländer nannten die weißen Früchte „Kusskugeln“; in manchen Gegenden wurde der Mistelzweig 12 Nächte nach Weihnachten verbrannt, damit sich der Heiratswunsch der geküssten Jungen und Mädchen auch erfüllen konnte. Dieser wie auch der Brauch, die Mistel überhaupt als Weihnachtsdekoration zu benutzen, ist auch heute noch verbreitet.
Wer mit einem hübschen Mädchen oder einem netten jungen Mann unter dem Zweig mit den weißen Beeren steht, muss freilich die Spielregeln streng beachten: Nach dem Küssen einer Dame „under the mistletoe“ muss eine Beere gepflückt werden; ist die letzte Beere geerntet, wird auch nicht mehr geküsst.
In der englischen Grafschaft Staffordshire würde man keinen Bisssen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennenden Flammen nicht von Mistelzweigen genährt wären.

Mince Pies

Zum 18. Kalendertürchen

Mince Pies

Mince Pies gelten als ein Leibgericht des Weihnachtsmannes. Ein oder zwei Mince Pies werden traditionell am Heiligen Abend vor den Kamin gestellt, gemeinsam mit einem Glas Sherry, Brandy oder Milch und einer Karotte für die Rentiere, um sich für die mit Geschenken gefüllten Strümpfe zu bedanken.

Mince Pies sind kleine Gebäckstücke gefüllt mit einer Fruchtmischung. Sie können sowohl aus Mürbeteig als auch aus Blätterteig bestehen. In der Regel sind sie mit Teig gedeckt. Die englischen Mince Pies haben einen Durchmesser von 5 bis 7 Zentimetern, in den USA sind sie meist deutlich größer (bis zu 25 Zentimeter). Der Name leitet sich von der Füllung ab, die als Mincemeat (wörtlich: gehacktes Fleisch) bezeichnet wird, obwohl sie kein Fleisch enthält.

Home made mincemeat.

Foto: Stuart Caie, flickr

Ein typischer Mince Pie ist mit getrockneten Früchten wie Rosinen, Korinthen, Aprikosen, Kirschen und kandierten Früchten gefüllt, außerdem mit gehackten Nüssen wie Walnüssen sowie Mandeln. Gewürzt wird die Mischung mit Zimt oder Muskatnuss. Oft enthält sie etwas Alkohol, üblicherweise Brandy oder Rum. Als Fett dient traditionell Rindernierentalg. Der fertige Mince Pie wird mit Zuckerguss oder Puderzucker garniert. Noch warm serviert man ihn mit Brandy Butter.

Mince Pies gehen auf ein mittelalterliches Gebäck namens Chewette zurück. Chewettes wurden entweder gebacken oder gebraten und waren gefüllt mit Leber oder Fleischstücken vermischt mit gekochten Eiern und Ingwer. Als Variante füllte man die Chewettes mit getrockneten Früchten und anderen süßen Zutaten. Im 16. Jahrhundert entwickelten sie sich zu einer Weihnachtspezialität. Während des 17. Jahrhunderts wurde die Leber und das Fleisch immer öfter durch Nierenfett ersetzt, seit dem 19. Jahrhundert hat sich die süße Form in Großbritannien und Nordamerika weitgehend als typischer Mince Pie durchgesetzt. Seit dem 19. Jahrhundert sind Mince Pies mit Fleisch nicht mehr üblich.

rezept
Für die Füllung die folgenden Zutaten eine Woche lang einlegen und dabei ein Mal täglich umrühren:

  • je 70 g Rosinen und getrocknete, zerkleinerte Feige
  • je 30g brauner Zucker, Orangeat, Korinthen und gehackte Mandeln

  • 1 Schale einer unbehandelten Orange
  • je 1 TL Zimt, Muskat, Nelkenpulver
  • 100 ml Brandy

Für den Teig:

  • 160 g Mehl
  • 50 g Butter
  • 2 Eier (etwas verquirltes Ei beiseite stellen)
  • 4 TL Wasser
  • 2 MSP Salz

Verkneten und eine Stunde kühl stellen.
Dann wird der Teig auf wenig Mehl 2 mm dick ausgewalzt und 9 Kreise von 9 cm (als Boden) und 9 Kreise von 6 cm Durchmesser (als Deckel) ausgestochen. Die Füllung wird auf die Böden verteilt, der Deckel aufgelegt und mit dem überstehenden, mit etwas Ei bestrichenen Boden verklebt.
Bei ca. 200 °C 25 Min. backen, leicht abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.Mince Pies, Petr Kratochvil

Jetzt fehlt nur noch eine Brandy-Creme:

  • 125 g Frischkäse
  • 2 cl Brandy
  • 100 g Puderzucker
  • Vanillearoma nach Geschmack

Have a very british christmas time 🙂

Makronen (Rezept)

Zum 20. Kalendertürchen

Wir backen Makronen

Zutaten für 50 Stück

  • Gebäck 200 gr Walnußkerne
  • 150 gr weiße Schokolade
  • 200 gr Puderzucker
  • 3 Eiweiß
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 50 gr Halbbitter-Kuvertüre
  • etwas Salz
  • 3 Tropfen Rum-Aroma
  • etwa 50 Backoblaten (40 mm Durchmesser)
  • Und so geht es:

  • Die Walnußkerne nicht zu fein hacken, in einer Pfanne ohne Fett etwas anrösten und abkühlen lassen. Die Schokolade grob raspeln.
  • Eiweiße mit 1 Prise Salz steif schlagen, dann nach und nach Puder- und Vanillezucker einrieseln lassen, bis ein glänzender, schnittfester Eischnee entstanden ist.
  • Den Ofen auf 140° vorheizen. Walnüsse und Schokokladenraspeln mit dem Rum-Aroma unter den Eischnee heben. Mit zwei angefeuchteten Teelöffeln aus der Masse kleine Häufchen formen und auf die Oblaten setzen, diese auf ein Backblech setzen.
  • Die Makronen im heißen Ofen (Mitte, Umluft nicht empfehlenswert) 25-30 Min. trocknen lassen, so daß sie im Innern noch etwas feucht sind.
  • Die Makronen auf Backgitter setzen und noch 2 Tage lang an der Luft trocknen lassen. Dann die Kuvertüre schmelzen, abkühlen und wieder erwärmen, in ein Pergamenttütchen füllen und über die Makronen spritzen.
  • Makronen

    🙂

    Die Haselrute

    Zum 17. Kalendertürchen

    Eines Nachmittags hatte sich das Christkind in sein Wiegenbett gelegt und war eingeschlafen, da trat seine Mutter heran, sah es voll Freude an und sprach: „Hast du dich schlafen gelegt, mein Kind? Schlaf sanft, ich will derweil in den Wald gehen und eine Handvoll Erdbeeren für dich holen; ich weiß wohl, du freust dich darüber, wenn du aufgewacht bist.“ hasel
    Draußen im Wald fand sie einen Platz mit den schönsten Erdbeeren, als sie sich aber herabbückt, um eine zu brechen, so springt aus dem Gras eine Natter in die Höhe. Sie erschrickt, läßt die Beere stehen und eilt hinweg. Die Natter schießt ihr nach, aber die Muttergottes, das könnt ihr denken, weiß guten Rat, sie versteckt sich hinter einer Haselstaude und bleibt da stehen, bis die Natter sich wieder verkrochen hat.
    hasel_h
    Sie sammelt dann die Beeren, und als sie sich auf den Heimweg macht, spricht sie: „Wie die Haselstaude diesmal mein Schutz gewesen ist, so soll sie es auch Zukunft andern Menschen sein.“
    Darum ist seit den ältesten Zeiten ein grüner Haselzweig gegen Nattern, Schlangen, und was sonst auf der Erde kriecht, der sicherste Schutz.

    Gebrüder Grimm

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