Archive for the ‘Weihnachtsheilige’ Category

Brauchtum, Weihnachtsheilige

Dienstag, Dezember 4th, 2018

Zum 04. Kalendertürchen

Frühlingsblühen mit Barbarazweigen

Viele Bräuche haben sich aus der Heiligenverehrung entwickelt, am bekanntesten und der wohl am meisten gepflegte Brauch ist das Schneiden von Blütenzweigen am 4. Dezember. Im warmem Zimmer öffnen sich schon sehr bald die zum Blühen verführten Knospen.
Verwendet wird klassischerweise ein Kirschzweig, es gehen aber auch Zweige von Apfel, Birke, Forsythien, Haselnuss, Holunder, Kastanien, Mandel, Pflaumen, Rotdorn, Schlehen, Hartriegel, Weiden, Seidelbast, Zierkirschen, Scheinquitte, Echtem Jasmin, Zieräpfel, Zaubernusszweige oder sonstige frühblühenden Gehölze. Man sollte man allerdings nur Zweige mit vielen Knospen abschneiden. Als Blühimpuls werden sie über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt, am nächsten Tag in eine Vase gestellt und sollten am 24. Dezember blühen.
Ob die Barbarazweige wirklich aufblühen, hängt vom Wetter ab. Sie blühen nur, wenn es vor dem Schneiden Temperaturen um den Gefrierpunkt gegeben hat. Hat es noch nicht gefroren, kann man die Zweige für einige Stunden in die Gefriertruhe legen. Danach einen Tag lang in handwarmes Wasser legen, erst dann in die Vase stellen.

Dieser Brauch wurde offensichtlich aus dem Brauchtum der “germanischen Lebensrute” übernommen und ist somit haben die blühenden Zweige vielfach die Funktion eines Orakels: Sie sind ein Indiz für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr, für eine gute Ernte, oder für Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch.
Junge Mädchen stellten die Zweige mit dem Namen ihrer “Favoriten” ans Fenster. Bei wem der Zweig vertrocknete, war nichts mehr zu hoffen; bei den anderen dagegen sah es gut aus.
Hochzeitorakel: Für jeden “Kandidaten” (männlich und weiblich) einen Zweig in eine Vase stellen. Die Namen auf ein Kärtchen schreiben und an den Zweig hängen. Und dann beobachten, an wessen Zweige die Knospen zuerst aufblühen – ob die beiden zusammen passen?
Zu Weihnacht schloß man aus der Anzahl der Blüten auf die Fruchtbarkeit bzw. das Wetter des darauffolgenden Jahres.

Den Brauch gibt es auch in abgewandelter Form in Niederösterreich. – Dort erhält jedes Mitglied der Familie einen eigenen Barbarazweig, um daran sein ganz persönliches Glück ablesen zu können. Vor allem junge Mädchen achten bereits beim Schneiden der Barbarazweige darauf, einen Zweig mit vielen Blütenknospen auszuwählen. – Denn der Volksglaube besagt, je reicher ihr Barbarazweig blüht, desto früher werden sie heiraten.

Die christliche Interpretation ist dagegen weit weniger bekannt: ‘Die Zweige erinnern an das Martyrium der heiligen Barbara. Daran, dass sie ihren Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod auch unter dem Druck der sie umgebenden Gefängnismauern nicht aufgegeben hat und vor allem auch nicht an die bevorstehende Geburt Jesu.’

30. November – St. Andreas

Montag, November 30th, 2015

 

Der Heilige Andreas

andreas.jpgDer 30. November ist der Feiertag des Heiligen Andreas. Der Sankt Andreas ist ein katholischer Nationalheiliger der Schotten.

Nach der Bibel wurde Andreas, der Bruder des Simon Petrus, zuerst Jünger von Johannes, dem Täufer, später von Jesus als erster Apostel berufen. Er soll als Apostel Kleinasiens, des südlichen Rußlands, Ungarns und Polens in Patras (Peloponnes) an einem Kreuz in Form eines römischen X, dem sogenannten Andreaskreuz (man findet es noch heute – an Bahnübergängen) hingerichtet worden sein.

Auf dem 2. Konzil von Nicäa im Jahr 787 wurde der 30. November zu seinem Gedenktag erklärt. Seit dem späten Mittelalter ist Andreas (griech. für „der Mannhafte“) Bergwerkspatron und Standespatron der Fischer, Seiler, Wasserträger, Metzger und unverheirateter Frauen. Er gilt aber auch als Schutzheiliger der Liebenden und des Ehestandes.
In volkstümlicher Überlieferung ist der Andreastag an der Schwelle des Kirchenjahres mit einer Reihe von Jahresanfangsbräuchen verknüpft und gilt als besonders günstig für den Rückblick auf das vergangene Jahr sowie für Voraussagen (vor allem Liebes- und Heiratsorakel).

Foto: Michael Carsten, coolphotos

So ist die Andreasnacht (Nacht zum 30. November) eine Losnacht. Jungen Frauen kann in dieser Nacht der zukünftige Ehemann im Spiegel oder in einer Wasseroberfläche erscheinen, wenn sie darum gebetet haben (Andreasgebet).
Ein anderer Brauch dieser Nacht ist das Pantoffelwerfen: Weist die Spitze des Schuhs in Richtung Tür, heiratet das Mädchen innerhalb eines Jahres und verlässt die Eltern.
Eine beliebte Tradition der Andreasnacht ist auch der Losapfel: Man schält die Schale eines Apfels in einem Stück ab und wirft sie über die Schulter. Formt die Apfelschale einen Buchstaben, so soll der Namen des zukünftigen Bräutigams mit diesem Letter anfangen.

Andrzejki

Sonntag, November 29th, 2015

In Polen wird die Andreasnacht – genannt Andrzejki – vor allem von Jugendlichen sehr oft ausgiebig begangen, weil sie als letzte Feier vor dem Beginn der besinnlichen Adventszeit betrachtet wird.

Wachsgießen in Polen

Zahlreiche unverheiratete Mädchen und Frauen frönen in der Nacht vom 29. zum 30. November mystischen Bräuchen und Spielen und versuchen auf vielerlei Weise, die Zukunft zu deuten. Auf einer Andrzejki-Party wird meist Wachs erhitzt und durch das Loch eines Schlüssels in kaltes Wasser gegossen. Die sich daraus ergebende Wachsfigur wird anschließend von einer Wahrsagerin auf verschiedene Art und Weise interpretiert.
Für eine andere Form der Vorhersage werden zwei kleine Kerzen in die leeren Hälften einer Walnuss gestellt und, während an eine gemeinsame Zukunft mit dem Auserwählten gedacht wird, in eine Schüssel mit Wasser gestellt. Bewegen sich die Hälften aufeinander zu, wird das als gutes Zeichen gedeutet, bewegen sie sich voneinander weg, steht die Beziehung unter keinem guten Stern.
Oft wird auch aus den Schuhen aller anwesenden Mädchen eine Schlange bis zur Tür gebildet. Immer jeweils den letzte Schuh setzt man an die Spitze dieser Schlange. Das Mädchen, dessen Schuh die Tür berührt, wird bald heiraten.
Ob das folgende Jahr Liebe, Heirat oder Reichtum bringt, soll ein Spiel mit vier Tassen zeigen. Unter drei der Tassen werden eine Münze, ein Blatt und ein Bild gelegt, unter einer Tasse bleibt der Platz leer. Danach werden die Tassen gemischt und eine gewählt. Das Bild bedeutet Liebe, das Blatt Heirat und die Münze Reichtum. Ist nichts unter der Tasse, bleibt alles, wie es ist.

»Schau in der Andreasnacht
was für Gesicht das Wetter macht.«

Martinstag – Beginn der kirchlichen Weihnachtszeit

Mittwoch, November 11th, 2015

Der Heilige Martin - Martin von Tours

Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

An einem Februarmorgen kehrte der 22jährige Martin mit seinem Burschen von einem nächtlichen Ritt heim. Es war ein harter Winter mit klirrendem Frost, und ein heftiger Schneesturm blies den Reitern ins Gesicht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Gerade als die beiden zum Stadttor hineinwollten, schwankte aus einer Nische im Torbogen ein zerlumpter und vor Kälte zitternder Bettler hervor. Das zerfetzte Gewand bedeckte kaum seine Blöße, er schien halb erstarrt vor Frost. „Eine Gabe, guter Herr“, bettelte der Fremde. Martin hatte kein Geld bei sich, weil er gerade seinen ganzen Sold an arme Bauern verschenkt hatte, damit sie ihre Steuern zahlen konnten. So nahm er seinen weiten Mantel und halbierte ihn mit einem Schwertstreich. Die eine Hälfte warf er dem Bettler über die Schultern. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

Die Legende sagt, dass Martin wegen seiner Wohltätigkeit überall bekannt war. Als der Bischof von Tours starb, wollte man Martin zum Nachfolger wählen, aber Martins Bescheidenheit war so groß, dass er sich im Gänsestall versteckte. Die Menschen suchten überall und in der Nacht auch mit Laternen nach dem guten Mann. Und als die Gänse sich laut kreischend über den Eindringling beschwerten, fand man Martin dann auch. 371 nach Christus wurde Martin der Bischof von Tours.
Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Er wurde am 11. November in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Tomb of Saint Martin of Tours in the crypt of the basilica

Grab des heiligen Martin in der Krypta der neobyzantinischen Kirche Saint-Martin de Tours

Sein Andenken überdauerte die Jahrhunderte: Noch heute folgt man mit Liedern und Laternen dem Martinsmann und verspeist anschließend seine Verräter, die Gänse.

Aprpos Martinsgans: auf kochmix.de findet ihr etliche Rezepte, mit denen ihr die verrätisches Gans als Martinsgans in die Pfanne hauen könnt ;). Um mich nicht selbst in die Pfanne zu hauen (der Abmahnwahn treibt komische Blüten), verzichte ich an dieser Stelle auf Geschichten, Reime oder Martinslieder für Laternenumzüge – aber man findet einige auf martin-von-tours.de