Archive for the ‘Winterbilder’ Category

Ein winterliches Gedicht

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Zum 19. Kalendertürchen

Erst gesten war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.

Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.

Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.

Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.

Alexander Puschkin (1799-1837)

Brücken im Johannapark

Brücken im Leipziger Johannapark
Auch in diesem Jahr wieder ein Winterbild von Andreas. Danke!

Weihnachtsbäume

Montag, Dezember 16th, 2019

Zum 16. Kalendertürchen

Aus des Waldes Wurzelgrund geschlagen,
waren sie auf Wagen hochgehäuft,
kamen in die nebelfeuchten Straßen,
kalter Bergluft einen Hauch zu tragen
in die Stadt, die grau von Näße träuft.

Von dem Sommer, den sie fast vergaßen,
von der Wiese bunten Blütenfarben
weht in ihrem Harzruch eine Spur.
Grün sind noch im Froste ihre Nadeln
saftgeschwellt, da von der Axt sie starben
in dem großen Wintersterben der Natur.

Trauernd mögen wohl vom Wald sie träumen,
von der reinen schneedurchhellten Weite,
wo der Rehbock fegte im Geäst.
Frierend unterm dünnen Nadelkleide,
plötzlich wächst ein Ahnen in den Tannenbäumen,
daß der Tod sie krönt im Lichterfest.

Wie im Schneeglanz schimmernd steht die Ferne,
schöner hält ein Leuchten sie umfangen,
wenn sie glitzerbunt mit Kugeln prangen,
in den Ästen funkeln Silbersterne.

Wenn zum Sinnbild ewigen Lichtes sie gemacht,
tragen stolz der Liebe und der Sehnsucht Fracht
und ein strahlend Glück von Kinderherzen
spiegeln in dem Flackerbund der Kerzen
unter Glockenruf der heiligen Nacht.

Heinrich Leis (1893-1951)

Leipziger Haupbahnhof 2009

Osthalle des Leipziger Haupbahnhofs 2009. Vielen Dank an Chris:)

Eisblumen zu Weihnachten

Mittwoch, Dezember 11th, 2019

Zum 11. Kalendertürchen

Eisblumen zu Weihnachten
Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Das unfruchtbare Eis, kalt, panzerglatt,
Verhärtet Leben, das dem Tode dient,
Der sich, der Farblose, mit ihm umschient –
Das Eis, das keine Seele hat,
Das unbewegte, allen Lebens Bann:

Das starre Eis selbst ist nicht tot.
In ihm auch wirkt gestaltendes Gebot,
Der Schönheit Triebkraft ward auch ihm:
Es setzt geheimnisvolle Blüten an,
Und Schwingenrispen, wie dem Seraphim
Gefiederüppig sie aus Schulternrund,
Gekraust, geschwungen, tausendförmig und
In tausend Formen eine Form, entsprießen,
Siehst du im Eis nach innerstem Gesetz,
Ein wunderbares Bild, zusammenschießen.
Die ärmste Scherbe trägt ein Wundernetz,
Und alles gleißt von Wundersilberfliesen.

Sieh, Mensch, mit Andacht diesem Wunder zu
Und glaub ans Leben! Überall sind Triebe.
Es ist kein Wahn: Im Tode selbst ist Liebe,
Und neues Werden und bewegte Ruh.

eisblumen

Foto: Len Burgess / Flickr

Das Gewicht der Schneeflocke

Montag, Dezember 9th, 2019

Zum 09. Kalendertürchen

„Es schneit“, sagte der Wolf.
„Was du nicht sagst, Gevatter“, brummte der Bär. „Mehr als tausend Schneeflocken“, sagte der Fuchs, „aber auf meinem Pelz spüre ich sie überhaupt nicht!“
„Sie schmelzen auf meiner Hasennase“, sagte der Hase, und dann fügte er nachdenklich hinzu: „Man spürt sie nicht. Doch sie haben ein Gewicht!“
„Eine Schneeflocke wiegt weniger als nichts“, knurrte der Wolf. „Und sie hat keine Kraft“, brummte der Bär. „Aber sie wiegt doch etwas und sie hat auch Kraft“, sagte der Hase. Die Tiere gerieten in Streit, ob die Schneeflocke etwas wiegt oder nicht.

„Wir wollen die Schneeflocken zählen, die da auf den alten, dicken Ast fallen“, sagte der Hase. „Da wird man sehen, ob die Schneeflocke Gewicht hat.“ Der Bär und der Wolf lachten so laut, dass es durch den ganzen Wald schallte. Aber weil sie gerade nichts Besseres zu tun hatten, zählten sie mit:
„Eins … zwei … drei … vier … fünf … sechs … sieben …“

Schneeflocken zählen

Als sie bei zweitausendachthundertsiebenundsechzig angekommen waren, machte es plötzlich „krach“, und der dicke mächtige Ast brach ab.
„Der Hase hat Recht“, knurrte der Wolf, und sogar der Bär wunderte sich über die Kraft der Schneeflocken.

Fredrik Vahle

Im Schnee, Keller

Samstag, Dezember 7th, 2019

Zum 07. Kalendertürchen

Wie naht das finster türmende
Gewölk so schwarz und schwer!
Wie jagt der Wind, der stürmende,
Das Schneegestöber her!

Verschwunden ist die blühende
Und grüne Weltgestalt;
Es eilt der Fuß, der fliehende,
Im Schneefeld naß und kalt.

Wohl dem, der nun zufrieden ist
Und innerlich sich kennt!
Dem warm ein Herz beschieden ist,
Das heimlich loht und brennt!

Wo, traulich sich dran schmiegend, es
Die wache Seele schürt,
Ein perlend, nie versiegendes

Gottfried Keller (1819-1890)

Allein in der Kälte_1024

Allein in der Kälte im Januar 2009 bei -8 Grad