Archive for the ‘Wissenswertes’ Category

Bescherung

Freitag, Dezember 24th, 2021

Zum 24. Kalendertürchen

Heute ist in vielen Familien Bescherung und Weihnachten ohne Bescherung ist kaum mehr denkbar, aber auch dieser Brauch ist auch schon sehr alt. Oft war in früheren Zeiten die Bescherung mit dem Nikolaustag verbunden, so daß es zu Weihnachten keine Geschenke mehr gab.
An die Stelle des Heiligen Nikolauses trat der »Heilige Christ«. Luthers Kinder beschenkte noch im Jahre 1535 der Nikolaus, ein Jahrzehnt später ist daraus der Heilige Christ geworden. Little SantaSeit dem wandert die Bescherung immer mehr zum Weihnachtsfest ab.
Offenbar hat die Verbreitung des Brauches, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, dazu beigetragen, dass der Nikolaus seine Hauptrolle als Geschenkebringer verloren hat. Zunächst hingen kleine Geschenke für alle am Weihnachtsbaum, später lagen die Geschenke unter seinen Zweigen… heute würde wohl kaum ein Baum mehr die Geschenkeflut tragen können 😉

Was man aber über all dem Trubel nicht vergessen sollte:
Weihnachten ist das Familienfest der Familienfeste und traditionell die Zeit, in der die Familie zusammen-kommt. Ich hoffe, Ihr alle verbringt die kommenden Tage so, wie Ihr Euch das vorstellt und feiert mit oder bei Menschen, die Ihr mögt oder bei denen Ihr willkommen seid. Zu dieser Zeit kann Enttäuschung erschütternd und Einsamkeit überwältigend sein, aber es gibt kaum jemanden, der Weihnachten nicht auf irgendeine Art feiern würde.

Under the Mistletoe

Samstag, Dezember 18th, 2021

Zum 18. Kalendertürchen

Die Mistel ist definitiv kein typischer Strauch – es ist ein Parasit, der lebende Bäume angreift. Technisch gesehen sind Misteln (es gibt weltweit über 1.000 Arten) tatsächlich Hemiparasiten.mistletoe Das heißt, sie gewinnen einen Teil ihrer Energie durch Photosynthese und der Rest wird aus anderen Pflanzen gewonnen.
Die Pflanze schickt ihre winzigen Wurzeln in die Rinde ihres Wirts, wo sie Wasser und Nährstoffe absaugt und den Baum langsam schwächt. Ein ausgewachsener Baum kann eine kleine Menge Mistel problemlos aushalten, aber wenn die Misteln sich stark ausbreiten, stirbt der Baum schließlich Stück für Stück.

Oftmals werden in der Weihnachtszeit Mistelzweige über Türen aufgehängt. Traf ein Junggeselle seine Angebetete unter diesem Mistelzweig, so durfte er sie ohne zu fragen küssen… und hoffen.
Das Küssen unter Misteln zur Weihnachtszeit soll im 18. Jahrhundert eine ziemlich verbreitete Tradition gewesen sein, obwohl der erste eindeutige historische Hinweis aus dem Jahr 1820 stammt. Washington Irving, Autor von ‚Sleepy Hollow‘ und ‚The Headless Horseman‘, schrieb über die Pflanze:

Der Mistelzweig mit seinen weißen Beeren hing an der unmittelbaren Gefahr aller hübschen Hausmädchen.

Die Engländer nannten die weißen Früchte „Kusskugeln“; in manchen Gegenden wurde der Mistelzweig 12 Nächte nach Weihnachten verbrannt, damit sich der Heiratswunsch der geküssten Jungen und Mädchen auch erfüllen konnte. Dieser wie auch der Brauch, die Mistel überhaupt als Weihnachtsdekoration zu benutzen, ist auch heute noch verbreitet.
Wer mit einem hübschen Mädchen oder einem netten jungen Mann unter dem Zweig mit den weißen Beeren steht, muss freilich die Spielregeln streng beachten: Nach dem Küssen einer Dame „under the mistletoe“ muss eine Beere gepflückt werden; ist die letzte Beere geerntet, wird auch nicht mehr geküsst.
In der englischen Grafschaft Staffordshire würde man keinen Bisssen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennenden Flammen nicht von Mistelzweigen genährt wären.

Wie iech mich of Weihnachten fraa – Weihnachten im Vogtland

Freitag, Dezember 17th, 2021

Zum 17. Kalendertürchen

Moosmann

Ein Symbol der vogtländischen Weihnacht ist unter anderem der Moosmann. Obwohl er für das gesamte Vogtland typisch ist, stellt er nur noch in einigen Gegenden lebendigen Brauch dar. In manchen Waldgebieten des Vogtlandes wird der Moosmann als Träger des Weihnachtslichtes noch heute gebastelt.

Kernstück der Figur ist der sogenannte „Bankert“, ein einfaches Holzskelett aus ungefügem Rumpf mit angenagelten Armen und eingefügten Beinen. Hände und Füße, meist von Schnitzern bezogen, die ihr Handwerk verstehen. Auch die Köpfe lieferten die Schnitzer selbst, sofern die Bastler keinen Kopf aus Porzellan oder aus Zelluloid mochten Der Moosmann erhielt von der Frau des Schnitzers einen Anzug aus Pappe, der mit Moos beklebt war. Im Laufe von Jahren sind Moosmänner in der Gestalt von Ritter, Soldaten, Jägern, Förstern und Waldgängern entstanden. Die anstelle eines Weihnachtslichtes einen kleinen Drehturm, einen Schwibbogen oder ein Tannenbäumchen trugen. Was aber alle gemeinsam hatten, war das Kleid aus grünem Moos aus dem Heimatwald.

Der Moosmann als Weihnachtsfigur geht auf den Moosmann der Sage zurück, der – selbst in tiefster Not lebend – guten Menschen in ihrer Armut jederzeit helfend zur Seite stand. Moosmann und Moosweibel, nur drei Fuß hoch, lebten im tiefen Wald unter Baumstöcken und in Höhlen, nährten sich kümmerlich von Wurzeln und Früchten des Waldes und kleideten sich notdürftig mit Moos und Tannenzweigen. Sie hatten nur einen Feind, den „Wilden Jäger“. Vor ihm und seinem Gefolge waren sie sicher unter den Baumstämmen und -stöcken, in die die Holzhauer drei Kreuze geschlagen hatten.
Den Menschen waren die Moosleute freundlich gesinnt. Sie halfen besonders den Armen, und das Laub (drei Handvoll mussten es sein), mit dem sie gute Taten belohnten, verwandelte sich in reines Gold, sodass die Not der armen Waldbewohner ein Ende nahm.
In der Weihnachtszeit fliehen die Moosmännchen aus dem unwirtlichen, verschneiten Wald zu den Menschen in die weihnachtlichen Stuben und bleiben dort die zwölf Unternächte lang, um dann wieder in ihren geliebten und so nützlichen Wald zurückzukehren.

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Moosmaa_1

Moosmaa in Grünbach

Im östlichen Vogtland, wo sich nach 1945 die Volkskunst des Schnitzens unter staatlicher Förderung stark entwickelt hat, sind vor allem die im Deutschen Kulturbund vereinten Falkensteiner Schnitzer und auch die Grünbacher Schnitzer mit Erfolg darangegangen, den fast in Vergessenheit geratenen Moosmann zu neuem Leben zu erwecken, ihn ganz aus Lindenholz zu schnitzen und ihm ein der Sage gemäßes Aussehen zu geben. Dabei entstanden sicher ungezählte Figuren für das Zimmer.
Eine überlebensgroße Holzfigur des Moosmannes haben die Grünbacher Schnitzer geschaffen. Sie ist immer zur Weihnachtszeit etwa in Dorfmitte aufgestellt.

Der erste dokumentarische Nachweis des Moosmannes als Weihnachtsfigur stammt aus dem Jahre 1840.
In einem 22 Strophen langen Gedicht, das der Falkensteiner Bürger Friedrich Eimert schrieb, führt der Moosmann selbst heftige Klage darüber, daß er zwei Jahre lang unbeachtet im Dachboden in der Gesellschaft allerlei Ungeziefers habe leben müssen und daß ihm Fremde wie Einheimische nicht mehr die nötige Achtung entgegenbrächten:

Zwei Jahre hab ich nun gestanden auf dem Boden unterin Dach.
Keiner hätt es ausgestanden, ach das war die größte Plag.
Die Schönecker auf der Straße tun mich oft gar sehr verhöhn,
zupft euch nur an eurer Nase, mich nur spotten ist nicht schön!

In einem Bericht über Weihnachten in Falkenstein aus dem Jahre 1868 wird mit Stolz ein Moosmann geschildert, dessen Rock und Hose mit Moos beklebt waren, der eine Kerze in der Hand hielt und i Meter hoch war. Für das Jahr 1867 ist belegt, daß in Reichenbach arme Kinder Moosmänner bastelten, die sie auf dem Christmarkt feilboten, um sich einige Groschen zu verdienen. Überhaupt scheint zu dieser Zeit in Reichenbach der Brauch allgemein üblich gewesen zu sein, zu Weihnachten kleine Moosmänner auf den Tisch zu stellen. In den folgenden Jahren gewann der Moosmann an Ansehen, so daß er häufiger hergestellt wurde.

Dies und das zu Kakao – und Italienische Heiße Schokolade (Rezept)

Mittwoch, Dezember 15th, 2021

Zum 15. Kalendertürchen

Schon um 1150 vor Christus haben die Bewohner Mittelamerikas Kakao genascht – mindestens 500 Jahre eher als bislang angenommen. Das haben Analysen antiker Tongefäße aus dem heutigen Honduras ergeben. Die Schoko-Getränke seien damals vermutlich nicht aus den Kakao-Bohnen, sondern aus dem Fruchtfleisch hergestellt worden und enthielten wahrscheinlich Alkohol, berichten US-Forscher in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften. Der Kakao wurde demnach auf wichtigen Festen wie Hochzeiten oder Geburten serviert.

Der Begriff Kakao ist aztekischen Ursprungs und von einem Nahuatl-Wort cacahuetl oder cacauatl abgeleitet. Eines der bei den Mayas üblichen Kakaogetränke hieß xocoatel oder chocolatl und wurde zum Namensgeber der Schokolade. Die Begriffe Kakao, Trinkschokolade und Heiße Schokolade werden regional unterschiedlich und heute zum Teil missverständlich verwendet. Ursprünglich stehen Trinkschokolade und Heiße Schokolade für ein Getränk auf Basis von Schokolade und Kakao (oder Kakaogetränk) für ein Getränk auf Basis von Kakaopulver.

Im 17. Jahrhundert gelangte die Trinkschokolade auch nach Deutschland. Hier wurde sie überwiegend als Medizin und Stärkungsmittel verwendet. Daher konnte man Schokolade bzw. den Kakao in Apotheken kaufen. Dies war übrigens auch in anderen Ländern der Fall. In der Geschichte der Schokolade waren zahlreiche Apotheker und Arzte aktiv. So war Rudolphe Lindt Sohn eines Apothekers und Frey, der ebenfalls bedeutend zur Entwicklung der Schokolade beigetragen hat, Arzt.

Italienische Heiße Schokolade (Rezept)

Zutaten:

  • 120g hochqualitative dunkle Schokolade
  • 2 TL Puderzucker
  • 100ml Vollmilch

Zubereitung:

  1. Einen kleinen Topf 2/3 voll mit Wasser füllen und zum Köcheln bringen, dann die Schokolade, den Puderzucker und 2 Esslöffel Milch in eine kochfeste Schüssel geben, auf den Topf mit heißem Wasser stellen und rühren, bis alles geschmolzen ist und der Puderzucker sich aufgelöst hat.
  2. Langsam unter ständigem Rühren die restliche Milch dazugeben bis alles gut vermischt ist und keine Klümpchen mehr vorhanden sind.
  3. Über niedriger Hitze köcheln, bis der Kakao dick und samtig ist und beim Rausziehen die Rückseite eines Löffels bedeckt.
  4. Genießen Sie Ihre Heiße Schokolade, während Sie Ihre Reise nach Italien planen!
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Bild von Sabrina Ripke auf Pixabay

Übrigens: Die Farbe der Tasse scheint das Geschmackserlebnis von Kakaogetränken nachweislich zu beeinflussen. Eine Untersuchung zeigte, dass heiße Schokolade am besten schmeckt, wenn sie aus einer orangefarbenen Tasse getrunken wird, gefolgt von der cremefarbenen Tasse. Die identische Schokolade wurde dagegen als weniger wohlschmeckend empfunden, wenn sie in einer weißen oder roten Tasse serviert wurde. Mehr dazu auf wissenschaft.de

Dritter Advent – 2021

Sonntag, Dezember 12th, 2021

3.Advent

Die dritte Kerze brennt für Anstand,
für Respekt und auch für Güte,
für Gerechtigkeit und für Verstand
und fürs eigene Gemüte.

~

Der Sinn der Weihnachtskrippe

Als figürliche Darstellung veranschaulicht die Weihnachtskrippe die Geburt Jesu. Ursprung des Brauches sind vermutlich die in Rom verwahrten Krippenreliquien, vor denen die Päpste früher den nächtlichen Weihnachtsgottesdienst feierten.

»Stern und Engel, Hirten und die Weisen künden uns das Große, was geschah.
Und wir loben, danken und wir preisen, Gott ist nah!«
 Dietrich Bonhoeffer

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gab es Krippenspiele, die dann aber in Vergessenheit gerieten. Franz von Assisi war es, der am 24. Dezember 1223 in der Nähe von Rom eine Weihnachtsmesse las, bei der er als Symbol für die Geburt Christi wohl erstmals wieder ein Stall mit Holzfiguren aufbaute.
Blütezeit der Krippen war das Barock. Die Jesuiten wollten nach der Reformation den Glauben wieder veranschaulichen und so bauten sie gewaltige und wertvolle Krippen. KrippeDer Funken sprang bald auf die Städte über, und schließlich wollte jede Gemeinde eine eigene Krippe.

Um 1800 kam es mancherorts zu einem Verbot der Krippen, was aber nur dazu führte, daß die Krippen verstärkt Einzug in die Häuser fanden.
Die Vielfalt der Weihnachtskrippen ist beinahe grenzenlos:
Die Hirten in bayerischen Krippen tragen die üblichen Trachten. In Japan bringen statt Königen Samurais die Geschenke. Bei den Eskimos liegt das Jesuskind auf einem Schlitten, und in Afrika ist das Christkind schwarz. Die Kolumbianer lieben es bunt. Die Holzfiguren leuchten in wunderbaren Farben. Doch auch in Europa findet sich eine wahre Krippenvielfalt. Die Andalusier flechten eine Graskrippe aus Palmwedeln. Für die Figuren wird Hanf verknotet. Bei den Krippen aus Neapel sind Stall und umgebende Gehöfte Ruinen. Die Krippenschnitzer der französischen Provence verwenden Baumrinde und Torfballen. Auf Korsika liegen in der Krippe getrocknete Meeresalgen. Aus Thüringen stammt eine Glasbläser-Krippe.

Schneekugeln – 1

Samstag, Dezember 11th, 2021

Zum 11. Kalendertürchen

Verschneite Welten unter Glas

“Rosebud” murmelt Orson Welles in der berühmten Schlüsselszene seines Filmklassikers “Citizen Kane”, als ihm eine Schneekugel aus der Hand fällt. Die an eine Kindheitsidylle erinnernde Glaskugel stammte aus Wien, aus der Produktion der Firma Perzy.

citizen kane

Eine der ältesten historisch bekannten Schneekugeln war 1878 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen.
Die ‚Erfindung‘ der heute bekannten Schneekugel ist allerdings einem Zufall zu verdanken. Erwin Perzy, Chirurgieinstrumentenmechaniker und Erfinder, war gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach einer besseren Lichtquelle für Operationssäle, als er zuerst Glasflitter, dann Gries in eine wie eine Lupe wirkende Schusterkugel füllte. Zwar hielt sich der erhoffte Reflexionseffekt in Grenzen, stattdessen erinnerte der langsam im Wasser zu Boden sinkende Gries aber an fallenden Schnee.

schusterlampe

Das erste Schneekugel-Motiv war die Mariazeller Kirche. Perzy hatte ein kleines Modell des Gotteshauses bereits für einen Freund angefertigt, bevor er sie versuchshalber in die mit Wasser und Gries gefüllte Kugel steckte – die “Glaskugel mit Schneeeffekt” war geboren.
Das war der Moment, in dem der Siegeszug der “Original Wiener Schneekugeln” weltweit begann. Perzy hatte sie vielleicht nicht wirklich erfunden, aber er ließ sich die Schneekugel als “Glaskugel mit Schnee-Effekt” patentieren.

Quelle: Der Standart

Es gibt allerdings noch jemanden, der die Erfindung der kleinen Zauberwelten für sich beansprucht, dazu allerdings komme ich an einem anderen Tag 😉

decem = Zehn

Freitag, Dezember 10th, 2021

Zum 10. Kalendertürchen

10Das Wort Dezember stammt vom lateinischen Wort decem für die Zahl 10 ab. Im alten Rom war der Dezember auch der 10. Monat im Monatskreis.
Christ- und Julmond, aber auch Christmonat sind Benennungen für den letzten Monat des Jahres. Karl der Große schlug den Namen Heilmond vor, der sich aber nicht durchsetzen konnte.
Somit ist der Dezember der zwölfte und letzte Monat des Jahres des gregorianischen Kalenders und hat 31 Tage.

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Das Kalendertürchen 'Zehn'
von Heinz Bornemann

Adventskalender sind sehr beliebt, bei Gross, bei Klein und Alt,
weil es da schöne Sachen gibt, man freut sich täglich halt.

Die Türchen harren ganz versonnen, die Zeit will einfach nicht vergehn,
nun muss doch bald ein Mensch mal kommen und hinter unser Türchen sehn.

Ganz stolz sagt Türchen Nummer eins, ich fang als erste heute an,
da meint die zehn, die eins wär meins, hätt ich die Null nicht hintendran.

Wenn ich die erste Tür nur wär und würd die Kinder überraschen,
dann käm es nicht von ungefähr, dass sie die eins vernaschen.

Zum Trost, sie kann ja nichts dafür und tut es noch so weh,
hätt sie zwei Nullen an der Tür, dann stünd sie vorm WC…

Alter Leipziger Adventskalender
Weihnachtszeit – Frohe Zeit Blatt 10

Christmas Lights

Freitag, Dezember 10th, 2021

Zum 10. Kalendertürchen

Weihnachtsbeleuchtung - wer hat sie erfunden?

Im Jahre 1882, nur drei Jahre nach der Erfindung der ersten Glühbirne durch Thomas Edison (1879) kam Edward Johnson, ein Geschäftspartner Edisons, auf den Gedanken, den Weihnachtsbaum in seinem Wohnzimmer elektrisch zu beleuchten. Er lud die staunende Presse in sein Haus nach New York City ein, der Baum erregte einiges Aufsehen. Ein Reporter namens Croffut veröffentlichte in der „Detroit Post“ und in der „Tribune“ einen Artikel über den Baum:

Letzten Abend ging ich hinüber in die 5th Avenue, denn ich war in die Residenz von Edward H. Johnson, dem Vizepräsident von Edison Electric Company, eingeladen.
Dort am anderen Ende des wunderschönen Salons präsentierte sich ein wunderschöner großer Weihnachtsbaum und bot eine malerischen, aber auch unheimlichen Anblick.
Er war mit vielen bunten Kugeln hell erleuchtet, die etwa so groß waren wie englische Walnüsse und er drehte sich etwa 6 mal in der Minute auf einer kleinen Kiste aus Kiefer. An ihm brannten 80 Lichter, alle je in eine zierliche Glaskugeln gehüllt, die gleichmäßig in die Farben Weiß, Rot und Blau aufgeteilt waren. Die Farben wechselten ständig während der Baum sich drehte und bei jeder Umdrehung gingen die Lämpchen einmal aus und wieder an. Das Ergebnis war ein kontinuierliches Blinken von tanzenden Farben über den ganzen Abend.

Ich muss Ihnen nicht sagen, dass das schillernde Immergrün ein schöner Anblick war, man kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen. Unter der Decke waren zwei schräg gekreuzte Drähte aufgehängt, an denen weitere 28 kleine Lichter hingen. Diese Lichter und der fantastische Baum selbst mit seinen sternenhimmelartigen Früchten wurden mit Strom angetrieben, der über einen hauchdünnen Draht aus dem Hauptbüro kam. Der Baum wurde von einem in der Kieferkiste versteckten Motor gedreht. Es war eine großartige Vorführung!

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Johnsons Christmas Tree
Foto vm 25.12.1882

Johnsons Baum war für die damalige Zeit natürlich etwas ganz Neues. Interessanterweise berichtete keine der lokalen New Yorker Zeitungen davon.
1884 stellte Johnson seinen ursprünglichen Lichterbaum mit deutlichen Verbesserungen erneut vor. Davon wurde in der New York Times berichtet, allerdings wurde dabei hauptsächlich auf technische Details eingegangen.

Elisabeth Chester Fisk aus Montana schrieb 29.12.1891 einen Brief an ihre Eltern in Connecticut. Darin beschreibt sie: „… wir beleuchteten den Baum mit elektrischem Licht. Der Effekt war gut, wir mussten keine Kerzen überwachen und keine Wachsspuren vom Tepich oder von den Geschenken putzen.“

Quelle: Sam Travers – Christmas in the Old West, Seite 155

Im Jahr 1895 präsentierte Präsident Cleveland stolz den ersten elektrisch beleuchteten Weihnachtsbaum im Weißen Haus. Es war eine Sensation mit mehr als hundert bunten Lichtern und das Land nahm davon Notiz…
Allerdings war das öffentliche Stromnetz damals nur in den Großstädten ausgebaut, alle anderen erzeugten ihren Strom noch selbst mit Haushaltsgeneratoren. Obendrein brauchte man einen ‚wireman‘, also einen Elektriker, denn kaum jemand wollte oder konnte die Verkabelung all dieser Lichter am Baum selbst vornehmen.

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Werbeanzeige vom 28.11. 1900
im Scientific American Magazine

Steckdosen waren noch nicht erfunden, weshalb die Verdrahtung ein aufwendiges Unterfangen war. Insofern blieben die elektrisch beleuchteten Bäumen den Reichen vorbehalten – obwohl das Publikum fasziniert war, konnte die Funktionalität der Baumbeleuchtung noch nicht überzeugen.

Um 1900 bewirbt Edison Miniaturversion seiner elektrischen Glühbirne im bekannten Magazinen. In den Anzeigen werden die Mini-Glühbirnen zur Miete oder zum Kauf angeboten, aber die Baumbeleuchtung war vor der Entwicklung der ersten vorverdrahteten Lichterketten nicht wirklich praktisch.
Diese wurden 1903 von der General Electric Company bekannt gemacht. GE versuchte, sich diese Idee patentieren zu lassen, aber das Patent wurde abgelehnt mit Verweis darauf, dass die Idee einfach nur auf dem Wissen eines jeden guten ‚wireman‘ basiert – und das war nicht patentfähig. Das hatte zur Folge, dass der Markt nun allen offen stand, jedes Unternehmen konnte jetzt Weihnachtslichterketten herstellen und verkaufen. Viele Unternehmen taten natürlich genau das und die amerikanische Weihnachtslichterindustrie war geboren.

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Erste in Amerika zum Verkauf angebotene Weihnachtsbeleuchtung, ca. 1903/1904

Ab 1890 gab es auch bei uns die ersten elektrischen Weihnachtsbeleuchtungen, die aber zunächst nur in der Öffentlichkeit Verwendung fanden. Bereits ab 1900 wurden bei der Fa. Kremetzky in Wien Glühbirnchenen in Form von Früchten, Vögeln, anderen Tieren und menschlichen Figuren erzeugt.