Archive for the ‘Gedichte’ Category

Weihnachtssperlinge

Mittwoch, Dezember 23rd, 2020

Zum 23. Kalendertürchen

Weihnachtssperlinge
Gustav Falke (1853-1916)

Vor meinem Fenster die kahlen Buchen
sind über und über mit Schnee behangen.
Die Vögel, die da im Sommer sangen,
wo die wohl jetzt ihr Futter suchen?
Im fernen Süden sitzen sie warm
und wissen nichts von Hunger und Harm.

Ihre ärmlichen Vettern, die Spatzen und Krähen,
müssen sich durch den Winter schlagen,
müssen oft mit leerem Magen
vergebens nach einem Frühstück spähen.
Da kommen sie an mein Fensterbrett:
Gesegnete Mahlzeit, wie sitzt du im Fett!

Eine unverschämte Bemerkung!
Aber was will man von Spatzen verlangen,
sind nie in die Anstandsstunde gegangen,
und Not gibt ihrer Frechheit Stärkung.
Und schließlich, hungern ist nicht gesund
und für manches einen Milderungsgrund.

Da laß ich’s dann gelten und kann mich gar freuen,
wenn meine beiden Mädels leise
– leise ist nicht ihre Weise –
den kleinen Bettlern Brotbröcklein streuen.
Ich belausche sie da gern, es ist ihnen mehr
als ein Spaß, es kommt vom Herzen her.

Ja, sie geben beide gerne,
gütige Hände sind ihnen eigen,
doch will ich mich nicht im Lob versteigen,
und daß ich mich nicht von der Wahrheit entferne:
untereinander gönnt oft keins
dem andern ein größeres Stück als sein.

Oft sind die auch selbst wie die Spatzen und Raben,
das Brüderchen ist dann im Bund der Dritte,
da zwitschern sie auch ihr bitte! Bitte!
Reißen den Hals auf und wollen was haben.
Sommer und Winters, Winters zumeist
und gar um Advent herum werden sie dreist.

Dann fangen sie an zu bitten und betteln:
Papa, zu Weihnacht, du hast mir’s versprochen,
ich möchte einen Herd, so richtig zum Kochen.
Und ich ein Zweirad. Auf Weihnachtswunschzetteln
wachsen die stolzesten Träume sich aus.
Knecht Ruprecht schleppt das schon alles ins Haus.

Und morgens, da steht von den zierlichsten Schuhen
je einer, ganz heimlich hingestellt,
an dem allersichtbarsten Platz der Welt.
Die Schelme können des Nachts kaum ruhen:
Ob wohl der Weihnachtsmann sie entdeckt?
Ob er wohl was in den Schuh uns steckt?

Der Weihnachtsmann! Er muß ja bald kommen.
Schon stapft er durch die beschneiten Felder,
hat vom Rande der weißen Wälder
ein grünes Tännlein mitgenommen.
Von unseren Buchen die Spatzen und Kräh’n
können ihn sicher schon erspähn.

Gewiß, sie haben den guten Alten
schon gesehn. Sie lärmen und kreischen,
als wollten sie doppelte Brocken erheischen.
Und hätten sie Schühlein vom Herrgott erhalten,
ich fände sie morgens alle, ich wett’
ein zierliches Reih’ auf dem Fensterbrett.

Das wär eine Wonne für meine Kleinen!
Die gütigen Hände würden sich regen
und jedem was in sein Schühlein legen,
ein Bröckchen, ein Krümchen, vergäßen nicht einen.
Und ihr rosiges Kindergesicht
strahlte dabei wie Weihnachtslicht.

Ich aber will doch morgen sehen,
– wir haben ja schon Advent geschrieben –
ob es beim alten Brauch geblieben
und wohl irgendwo Schühlein stehen.
Rechte Spatzenpantoffel mögen es sein,
und geht gewiß nicht viel hinein.
xmasbirds

Was Weihnachten ist

Montag, Dezember 21st, 2020

Zum 21. Kalendertürchen

Was Weihnachten ist

Was Weihnachten ist haben wir fast vergessen.
Weihnachten ist mehr als ein festliches Essen.
Weihnachten ist mehr als Lärmen und Kaufen,
durch neonbeleuchtete Strassen laufen.

Weihnachten ist: Frieden, vergessene Stille,
ein zum Guten sich öffnender Wille.
Ist Atemholen im Alltagshasten,
in dunklen Tagen ein kurzes Rasten.

Weihnachten ist: Zeit für Kinder haben,
und auch für Fremde mal kleine Gaben.
Weihnachten ist mehr, als Geschenke schenken,
Weihnachten ist: mit dem Herzen denken.

Und alte Lieder beim Kerzenschein,
SO SOLLTE WEIHNACHTEN SEIN.

Historischer Weihnachtsmarkt in Leipzig

Historischer Weihnachtsmarkt in Leipzig - als Kalender und Karte käuflich von Brück & Sohn

Ein winterliches Gedicht

Samstag, Dezember 19th, 2020

Zum 19. Kalendertürchen

Erst gesten war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.

Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.

Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.

Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.

Alexander Puschkin (1799-1837)

Brücken im Johannapark

Brücken im Leipziger Johannapark
Auch in diesem Jahr wieder ein Winterbild von Andreas. Danke!

Das Tannenbäumchen

Mittwoch, Dezember 16th, 2020

Zum 16. Kalendertürchen

Das Tannenbäumchen
Jakob Loewenberg (1856-1929)

Im Wald, unter hohen Buchen versteckt,
hat sich ein Tannenbäumchen gereckt.
“Ich steh so ganz im Dunkel hier,
keine Sonne, kein Sternlein kommt zu mir,
hört nur die anderen davon sagen,
ich darf mich nicht vom Platze wagen.
Ach, ist das eine traurige Geschicht’,
und ständ so gern auch mal im Licht!”

Hoch durch den weiten Weltenraum
verloren flog ein goldner Traum,
flog hin und her im Lichtgefieder
und dacht: Wo lass ich heut mich nieder?
Ist wo ein Hüttchen dunkel und arm?
Hat wo ein Seelchen Kummer und Harm,
dem ich auf meinen leuchtenden Schwingen
könnt heute eine Freude bringen? –

Das Bäumchen steht in Licht und Schein.
Wie mag das wohl gekommen sein?

Bäumchen

Herbei zur Weihnachtsbäckerei

Dienstag, Dezember 15th, 2020

Zum 15. Kalendertürchen

Herbei zur Weihnachtsbäckerei

Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!
Frische Plätzchen, süß und lecker,
backt ein jeder Weihnachtsbäcker.
Für die Schlingel, für die Schätzchen
Gibt`s die besten Weihnachtsplätzchen!
Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!

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Geschenke ;)

Montag, Dezember 14th, 2020

Zum 14. Kalendertürchen

Zu einem Schlafrock
Ottilie Wildermuth (1817 – 1877)

Das scheint ein schläfrig Angedenken:
Zu Weihnacht einen Schlafrock schenken!
Doch führet dieser gute Kittel
Ja ganz im Unrecht seinen Titel.
Du sollst ihn nicht zum Schlafen tragen,
nein, nur zu häuslichem Behagen,
dass er im Kämmerlein, im stillen,
bequem und warm dich soll umhüllen.
Darum verschmäh’ nicht das Gewand,
(das alte ist im bösen Stand!)
Und möge er dir lieber sein
Als Tand und bunte Stickerei’n.
Geschenke

decem = Zehn

Donnerstag, Dezember 10th, 2020

Zum 10. Kalendertürchen

10Das Wort Dezember stammt vom lateinischen Wort decem für die Zahl 10 ab. Im alten Rom war der Dezember auch der 10. Monat im Monatskreis.
Christ- und Julmond, aber auch Christmonat sind Benennungen für den letzten Monat des Jahres. Karl der Große schlug den Namen Heilmond vor, der sich aber nicht durchsetzen konnte.
Somit ist der Dezember der zwölfte und letzte Monat des Jahres des gregorianischen Kalenders und hat 31 Tage.

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Das Kalendertürchen 'Zehn'
von Heinz Bornemann

Adventskalender sind sehr beliebt, bei Gross, bei Klein und Alt,
weil es da schöne Sachen gibt, man freut sich täglich halt.

Die Türchen harren ganz versonnen, die Zeit will einfach nicht vergehn,
nun muss doch bald ein Mensch mal kommen und hinter unser Türchen sehn.

Ganz stolz sagt Türchen Nummer eins, ich fang als erste heute an,
da meint die zehn, die eins wär meins, hätt ich die Null nicht hintendran.

Wenn ich die erste Tür nur wär und würd die Kinder überraschen,
dann käm es nicht von ungefähr, dass sie die eins vernaschen.

Zum Trost, sie kann ja nichts dafür und tut es noch so weh,
hätt sie zwei Nullen an der Tür, dann stünd sie vorm WC…

Alter Leipziger Adventskalender
Weihnachtszeit – Frohe Zeit Blatt 10

Der Schnupfen (Gedicht)

Mittwoch, Dezember 9th, 2020

Zum 09. Kalendertürchen

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Schnupfenzeit

Bild von silviarita auf Pixabay


Wie passend zur aktuellen Situation, wo es doch gar keine normale Erkältung mehr gibt und man mit jedem Nieser bereits einen Fuß in die Zwangsquarantäne setzt 😉