Archive for the ‘Gedichte’ Category

Bescherung – Hanns von Gumppenberg

Montag, Dezember 24th, 2018

Zum 24. Kalendertürchen

Hei, wie das trippelt und tastet und späht,
Aufgreift und mustert in fiebernder Eile,
Bis dann ein jedes Menschlein steht
Stolz überschauend vor seinem Teile!

Und von der Beute, der bunten, entzückt
Jauchzen die kleinen Herren und Damen:
Aber am meisten sind sie beglückt,
Weil sie auch alle gleich viel bekamen!

Freut euch nur wacker im zaubrischen Bann
Silberumwobenen, strahlenden Baumes –
Lustig und hell, solange sie kann,
Leuchte die Liebe des Gleichheitstraumes!

Noch beschenkt euch das Christkind ja,
Jedem dasselbe Plaisier zu bereiten –
Später beschert euch der Himmelpapa,
Und der hat seine Eigenheiten.

Hanns von Gumppenberg

Weihnachtssperlinge

Sonntag, Dezember 23rd, 2018

Zum 23. Kalendertürchen

Weihnachtssperlinge
Gustav Falke (1853-1916)

Vor meinem Fenster die kahlen Buchen
sind über und über mit Schnee behangen.
Die Vögel, die da im Sommer sangen,
wo die wohl jetzt ihr Futter suchen?
Im fernen Süden sitzen sie warm
und wissen nichts von Hunger und Harm.

Ihre ärmlichen Vettern, die Spatzen und Krähen,
müssen sich durch den Winter schlagen,
müssen oft mit leerem Magen
vergebens nach einem Frühstück spähen.
Da kommen sie an mein Fensterbrett:
Gesegnete Mahlzeit, wie sitzt du im Fett!

Eine unverschämte Bemerkung!
Aber was will man von Spatzen verlangen,
sind nie in die Anstandsstunde gegangen,
und Not gibt ihrer Frechheit Stärkung.
Und schließlich, hungern ist nicht gesund
und für manches einen Milderungsgrund.

Da laß ich’s dann gelten und kann mich gar freuen,
wenn meine beiden Mädels leise
– leise ist nicht ihre Weise –
den kleinen Bettlern Brotbröcklein streuen.
Ich belausche sie da gern, es ist ihnen mehr
als ein Spaß, es kommt vom Herzen her.

Ja, sie geben beide gerne,
gütige Hände sind ihnen eigen,
doch will ich mich nicht im Lob versteigen,
und daß ich mich nicht von der Wahrheit entferne:
untereinander gönnt oft keins
dem andern ein größeres Stück als sein.

Oft sind die auch selbst wie die Spatzen und Raben,
das Brüderchen ist dann im Bund der Dritte,
da zwitschern sie auch ihr bitte! Bitte!
Reißen den Hals auf und wollen was haben.
Sommer und Winters, Winters zumeist
und gar um Advent herum werden sie dreist.

Dann fangen sie an zu bitten und betteln:
Papa, zu Weihnacht, du hast mir’s versprochen,
ich möchte einen Herd, so richtig zum Kochen.
Und ich ein Zweirad. Auf Weihnachtswunschzetteln
wachsen die stolzesten Träume sich aus.
Knecht Ruprecht schleppt das schon alles ins Haus.

Und morgens, da steht von den zierlichsten Schuhen
je einer, ganz heimlich hingestellt,
an dem allersichtbarsten Platz der Welt.
Die Schelme können des Nachts kaum ruhen:
Ob wohl der Weihnachtsmann sie entdeckt?
Ob er wohl was in den Schuh uns steckt?

Der Weihnachtsmann! Er muß ja bald kommen.
Schon stapft er durch die beschneiten Felder,
hat vom Rande der weißen Wälder
ein grünes Tännlein mitgenommen.
Von unseren Buchen die Spatzen und Kräh’n
können ihn sicher schon erspähn.

Gewiß, sie haben den guten Alten
schon gesehn. Sie lärmen und kreischen,
als wollten sie doppelte Brocken erheischen.
Und hätten sie Schühlein vom Herrgott erhalten,
ich fände sie morgens alle, ich wett’
ein zierliches Reih’ auf dem Fensterbrett.

Das wär eine Wonne für meine Kleinen!
Die gütigen Hände würden sich regen
und jedem was in sein Schühlein legen,
ein Bröckchen, ein Krümchen, vergäßen nicht einen.
Und ihr rosiges Kindergesicht
strahlte dabei wie Weihnachtslicht.

Ich aber will doch morgen sehen,
– wir haben ja schon Advent geschrieben –
ob es beim alten Brauch geblieben
und wohl irgendwo Schühlein stehen.
Rechte Spatzenpantoffel mögen es sein,
und geht gewiß nicht viel hinein.
xmasbirds

Flockendichte Winternacht

Donnerstag, Dezember 20th, 2018

Zum 20. Kalendertürchen

Winternacht
von Christian Morgenstern (1871-1914)

Flockendichte Winternacht…
Heimkehr von der Schenke…
Stilles Einsamwandern macht,
daß ich deiner denke.

Schau dich fern im dunklen Raum
ruhn in bleichen Linnen…
Leb ich wohl in deinem Traum
ganz geheim tiefinnen?…

Stilles Einsamwandern macht,
daß ich nach dir leide…
Eine weiße Flockennacht
flüstert um uns beide…

Schnee

Winter im Johannapark, Leipzig

Das richtige Pferd

Mittwoch, Dezember 19th, 2018

Zum 19. Kalendertürchen

»Mein Kind, es sind allhier die Dinge, gleichviel, ob große, ob geringe,
im Wesentlichen so verpackt, dass man sie nicht wie Nüsse knackt.«
 Wilhelm Busch

Das richtige Pferd

Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!
Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,
es hat so steife Beine,
es stampft nicht, frißt nicht, wiehert nicht,
und macht solch ledernes Gesicht,
und weiß nicht, was ich meine.

Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,
ein wirklich richtiges Pferd beschert,
dann reit ich über die Brücke,
und reite durch den Kiefernforst
nach Vehlefanz und Haselhorst
und noch fünf große Stücke.

Dann bin ich mitten in der Welt,
da such ich mir ein Haberfeld
und lasse mein Pferdchen grasen.
Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,
wo der Riese den Regenbogen hält,
und – schick euch ’ne Ansichtspostkarte.
Paula und Richard Dehmel
ein richtiges Pferd

Was Weihnachten ist

Montag, Dezember 17th, 2018

Zum 17. Kalendertürchen

Was Weihnachten ist

Was Weihnachten ist haben wir fast vergessen.
Weihnachten ist mehr als ein festliches Essen.
Weihnachten ist mehr als Lärmen und Kaufen,
durch neonbeleuchtete Strassen laufen.

Weihnachten ist: Frieden, vergessene Stille,
ein zum Guten sich öffnender Wille.
Ist Atemholen im Alltagshasten,
in dunklen Tagen ein kurzes Rasten.

Weihnachten ist: Zeit für Kinder haben,
und auch für Fremde mal kleine Gaben.
Weihnachten ist mehr, als Geschenke schenken,
Weihnachten ist: mit dem Herzen denken.

Und alte Lieder beim Kerzenschein,
SO SOLLTE WEIHNACHTEN SEIN.

Historischer Weihnachtsmarkt in Leipzig

Historischer Weihnachtsmarkt in Leipzig - als Kalender und Karte käuflich von Brück & Sohn

Weihnachtsgebäck

Sonntag, Dezember 16th, 2018

Zum 16. Kalendertürchen

Weinbeer, Mandeln, Sultaninen,
süße Feigen und Rosinen,
welche Nüsse – fein geschnitten,
Zitronat auch – muß ich bitten ! –

Birnenschnitze doch zumeist
und dazu den Kirschengeist;
wohl geknetet mit der Hand
alles tüchtig durcheinander
und darüber Teig gewoben –
wirklich, das muß ich mir loben!

Solch ein Brot kann’s nur im Leben
jedesmal zur Weihnacht geben!
Eier, Zucker und viel Butter
schaumig rührt die liebe Mutter;
kommt am Schluß das Mehl daran,
fangen wir zu helfen an.

In den Teig so glatt und fein
stechen unsre Formen ein:
Herzen, Vögel, Kleeblatt, Kreise –
braune Plätzchen, gelbe, weiße
sieht man bald – welch ein Vergnügen –
auf dem Blech im Ofen liegen.
Knusprig kommen sie heraus,
duften durch das ganze Haus.

Solchen Duft kann’s nur im Leben
jedesmal zur Weihnacht geben!

von Isabella Braun (1815-1886)

Weihnachtsgebäck

Weihnachtsgebäck

Herbei zur Weihnachtsbäckerei

Samstag, Dezember 15th, 2018

Zum 15. Kalendertürchen

Herbei zur Weihnachtsbäckerei

Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!
Frische Plätzchen, süß und lecker,
backt ein jeder Weihnachtsbäcker.
Für die Schlingel, für die Schätzchen
Gibt`s die besten Weihnachtsplätzchen!
Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!

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Auf die nunmehr angekommene kalte Winterszeit

Freitag, Dezember 14th, 2018

Zum 14. Kalendertürchen

Der Winter hat sich angefangen,
der Schnee bedeckt das ganze Land,
der Sommer ist hinweggegangen,
der Wald hat sich in Reif verwandt.

Die Wiesen sind vom Frost versehret,
die Felder glänzen wie Metall,
die Blumen sind in Eis verkehret,
die Flüße stehn wie harter Stahl.

Wohlan, wir wollen wieder von uns jagen
durchs Feuer das kalte Winterleid!
Kommt, laßt uns Holz zum Herde tragen
und Kohlen dran, jetzt ist es dran.

Johann Rist (1607-1667)
Sonnenuntergang hinter dem Schloss Machern
Sonnenuntergang hinter dem Schloss Machern – Foto von Andeas. Danke 😉

Freitag, Dezember 14th, 2018

Es ist Advent

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Der Seufzer, Morgenstern

Mittwoch, Dezember 12th, 2018

Zum 12. Kalendertürchen

Der Seufzer
von Christian Morgenstern (1871-1914)

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.

Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein –
und er sank – und ward nimmer gesehen.

Outdoor ice skating in Austria

Outdoor ice skating in Austria – Kafubra CC @ Presseggersee 28.12.2003