Archive for the ‘Gedichte’ Category

Eisblumen zu Weihnachten

Dienstag, Dezember 11th, 2018

Zum 11. Kalendertürchen

Eisblumen zu Weihnachten
Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Das unfruchtbare Eis, kalt, panzerglatt,
Verhärtet Leben, das dem Tode dient,
Der sich, der Farblose, mit ihm umschient –
Das Eis, das keine Seele hat,
Das unbewegte, allen Lebens Bann:

Das starre Eis selbst ist nicht tot.
In ihm auch wirkt gestaltendes Gebot,
Der Schönheit Triebkraft ward auch ihm:
Es setzt geheimnisvolle Blüten an,
Und Schwingenrispen, wie dem Seraphim
Gefiederüppig sie aus Schulternrund,
Gekraust, geschwungen, tausendförmig und
In tausend Formen eine Form, entsprießen,
Siehst du im Eis nach innerstem Gesetz,
Ein wunderbares Bild, zusammenschießen.
Die ärmste Scherbe trägt ein Wundernetz,
Und alles gleißt von Wundersilberfliesen.

Sieh, Mensch, mit Andacht diesem Wunder zu
Und glaub ans Leben! Überall sind Triebe.
Es ist kein Wahn: Im Tode selbst ist Liebe,
Und neues Werden und bewegte Ruh.

eisblumen

Foto: Len Burgess / Flickr

In Holland ist es Brauch,

Donnerstag, Dezember 6th, 2018

Zum 06. Kalendertürchen

dass Sinterklaas (der holländische Nikolaus) bereits Ende November mit dem Schiff anreist. Er trägt dort eine rote Bischofsmütze, eine Bischofsmantel, weiße Handschuhe, einen Bischofsring, einen Bischofsstab und einen langen, weißen Bart. Auf einem weißen Schimmel reitet er an Land und wird von finsteren Gesellen, den »Zwarte Piets« begleitet. Viele Menschen sind im Hafen, um ihn zu empfangen und die scharzen Peter werfen Lebkuchen in die Menge. In der Folgezeit beschenkt er jede Nacht die Kinder mit kleinen Dingen – nicht ohne auch Geschenke zu bekommen: Die Kinder stellen jede Nacht, bevor sie schlafen gehen, einen Eimer Wasser für das Pferd von Sinterklaas hin, dazu eine Mohrrübe und etwas Heu. Schließlich reitet Sinterklaas Nacht für Nacht über die Dächer… und da muß so ein Pferd auch fressen. Die Bescherung ist in Holland auch schon am Nikolausabend, allerdings beschenken sich die Leute untereinander. Es ist u.a. Brauch, etwa handgroße Schokoladenbuchstaben zu verschenken, es müssen die Anfangsbuchstaben der Vornamen der Beschenkten sein. Dann singt man gemeinsam Nikolauslieder und erzählt Geschichten und Legenden.

sinterklaas1.jpg

Das schiff, woher kommt es?
Holländisches Nikolauslied

Das Schiff, woher kommt es? Von Spanien her!
An Bord ist Sankt Nik´laus. Wir warten schon sehr.
Er sitzt hoch zu Pferde, der heilige Mann.
Es wehen die Fahnen. Das Schiff, es legt an.

Er reitet an Land, würdig winkt er uns zu,
es scharen sich um ihn die Kinder im Nu.
Knallrot ist sein Mantel, sein Bart, der ist weiß,
und wie er uns ansieht, wird mir kalt und heiß.

Doch Pieter, sein Begleiter, der lacht.
Er hat einen riesigen Sack mitgebracht.
Was mag da wohl drin sein? Geschenke? Na klar!
Für den eine Rute, der unartig war?

Das Wintermärchen

Donnerstag, Dezember 6th, 2018

Zum 06. Kalendertürchen

Seit Tagen hat es nun geschneit,
bitter kalt ist’s weit und breit.
Vom Dach hängen aus Eis Zapfen,
im Schnee die Kinder fröhlich stapfen.

Der kleine See ist endlich zugefroren,
ein Schlittschuhläufer hat ihn für sich auserkoren.
Am kleinen Hang, sieh gleich dort drüben
ist ein Skiläufer am Üben.

Von den Bäumen leise fällt der Schnee,
nach Futter sucht ein scheues Reh.
Wie im Märchen uns dieser Tag erscheinen mag,
dieser eiskalte, wunderschöne Wintertag.

Elise Hennek

Einsames Schneeschieberlein.

2009 – Einsames Schneeschieberlein in Taucha auf dem Schöppenteich
Er widerlegt die boshaften Behauptungen, dass ein Winterdienst in LE nicht vorhanden sei.
Ups (ich vergaß fast…) er putzt doch nur seine Eislaufbahn NICHT in Leipzig.

Zwiespältig

Dienstag, Dezember 4th, 2018

Zum 04. Kalendertürchen

Vom Christkindmarkt erklingen Weihnachtslieder,
und Kinderaugen staunen Schätze an.
Vom Winterhimmel fällt ein Sternchen nieder,
und durch das Kaufhaus geht der Weihnachtsmann.

Horch, aus der Kirche tönt nun Orgelklang,
von dem Altar steigt auf der Weihrauchduft.
Es mischt sich mit der Engel Lobgesang
das Glockenläuten in der kalten Luft.

Doch als ich angefragt bei vielen Leuten,
was Weihnachtstage wohl für sie bedeuten,
da zeigten wortlos sie aufs Portmonee:

Familienfeier, Stress und Kauferei,
Geschenke, Urlaub, ein paar Tage frei –
Der Sinn? – Erholung. „Schön wär jetzt noch Schnee.“

von Gisela Schäfer

Der erste Schnee des Winters 2014

Der erste Schnee des Winters 2014 – Vielen Dank an Strohhut Pictures