Archive for the ‘Gedichte’ Category

decem = Zehn

Freitag, Dezember 10th, 2021

Zum 10. Kalendertürchen

10Das Wort Dezember stammt vom lateinischen Wort decem für die Zahl 10 ab. Im alten Rom war der Dezember auch der 10. Monat im Monatskreis.
Christ- und Julmond, aber auch Christmonat sind Benennungen für den letzten Monat des Jahres. Karl der Große schlug den Namen Heilmond vor, der sich aber nicht durchsetzen konnte.
Somit ist der Dezember der zwölfte und letzte Monat des Jahres des gregorianischen Kalenders und hat 31 Tage.

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Das Kalendertürchen 'Zehn'
von Heinz Bornemann

Adventskalender sind sehr beliebt, bei Gross, bei Klein und Alt,
weil es da schöne Sachen gibt, man freut sich täglich halt.

Die Türchen harren ganz versonnen, die Zeit will einfach nicht vergehn,
nun muss doch bald ein Mensch mal kommen und hinter unser Türchen sehn.

Ganz stolz sagt Türchen Nummer eins, ich fang als erste heute an,
da meint die zehn, die eins wär meins, hätt ich die Null nicht hintendran.

Wenn ich die erste Tür nur wär und würd die Kinder überraschen,
dann käm es nicht von ungefähr, dass sie die eins vernaschen.

Zum Trost, sie kann ja nichts dafür und tut es noch so weh,
hätt sie zwei Nullen an der Tür, dann stünd sie vorm WC…

Alter Leipziger Adventskalender
Weihnachtszeit – Frohe Zeit Blatt 10

Der Schnupfen (Gedicht)

Donnerstag, Dezember 9th, 2021

Zum 09. Kalendertürchen

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Schnupfenzeit

Bild von silviarita auf Pixabay


Wie passend zur aktuellen Situation, wo es doch gar keine normale Erkältung mehr gibt und man mit jedem Nieser bereits einen Fuß in die Zwangsquarantäne setzt 😉

Advent

Mittwoch, Dezember 8th, 2021

Zum 08. Kalendertürchen

Advent – das ist die stille Zeit,
die Tage schnell verrinnen.
Das Fest der Liebe ist nicht weit,
fangt an euch zu besinnen!

Es gab wohl manchmal Zank und Streit
ihr habt euch nicht vertragen,
vergesst das Jetzt und seid bereit,
euch wieder zu vertragen.

Denn denk nicht nur an’s eigene Glück,
du solltest danach streben,
und anderen Menschen auch ein Stück
von deiner Liebe geben.

Der eine wünscht sich Ruhm und Geld,
die Wünsche sind verschieden.
Ich wünsche für die ganze Welt
nur Einigkeit und Frieden

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Barbara-Gedicht

Samstag, Dezember 4th, 2021

Zum 04. Kalendertürchen

Lieber Gott, ich fleh zu dir,
beschütz den guten Vater mir!
Dort unten in dem tiefen Schacht,
gib auf seine Schritte acht!
Der treue Engel sei ihm gut!
Und segne alles was er tut!
Und lass‘ ihn bald zu hause sein,
den lieben guten Vater mein! Amen!

Sankt Barbara, bei Tag und Nacht,
fahr‘ mit dem Vater in den Schacht!
Steh Du ihm bei in jeder Not,
bewahr‘ ihn vor dem jähen Tod!

salzbergwerk

Salzbergwerk Wieliczka (Polen), Holzstich von 1869

So beteten und sangen die Kinder, während die Väter unter Tage Kohle und andere Bodenschätze aus der Tiefe holten oder einen Tunnel durch das Gestein wühlten.

Herbstbild (Gedicht)

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Zum 02. Kalendertürchen

Der Seufzer
von Friedrich Hebbel (1813-1863)

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

whortleberry

Bild von phamphuonglinh auf Pixabay

Novembermorgen

Dienstag, November 30th, 2021

Von den Bergen fallen wieder
kühle Nebel – still und sacht –
auf die alte Stadt hernieder,
abzulösen nun die Nacht.

In den dunklen Gassen drängen
sich die Häuser – dicht an dicht –
lassen stumm die Giebel hängen,
so, als scheuten sie das Licht.

Fast schon ist die alte Linde
– wie schon mehr als hundertmal –
bestürmt vom Hauch der kalten Winde
ausgezogen, nackt und kahl.

Die Uhr, die volle Stunde zeigend,
löst den dumpfen Glockenschlag.
Und Menschen gehen – gebeugt und schweigend –
durch den Nebel in den Tag.

Hans Schletz

Herbst

Herbst

Die zwei Wurzeln

Montag, November 29th, 2021

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.
Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.
Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
Die eine sagt knig,
die andere sagt knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Eichhörnchen

Eichhörnchen – NadiaTighe

Vereinsamt

Sonntag, November 28th, 2021

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.

Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach, wie lange schon,
was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt – ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt;
wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton.
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn.

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Weh dem, der keine Heimat hat.

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Raben

Raben