24. Dezember 2018

Zum 24. Kalendertürchen

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Johann Wolfgang von Goethe

Schloß Hohenpriessnitz

Schloß Hohenpriessnitz, Dezember 2018

Auch in diesem Jahr ist heute das letzte Kalendertürchen erreicht.
Das Weihnachtsesen ist vorbereitet, der Baum steht, Geschenke sind verpackt. Ansonsten habe ich in diesem Jahr nicht mehr viel zu sagen, aus Gründen… Aufgrund der Umstände ist mir irgendwie gar nicht weihnachtlich, aber das ist in diesem Jahr nicht zu ändern.

Feiert Euer Weihnachtsfest so, wie Ihr Euch das wünscht. Stellt nicht zu hohe Ansprüche und verbringt die Zeit mit den Menschen, die Euch am Herzen liegen.

Ich wünsche ein friedliches Weihnachtsfest

Bescherung

Zum 24. Kalendertürchen

Heute ist in vielen Familien Bescherung und Weihnachten ohne Bescherung ist kaum mehr denkbar, aber auch dieser Brauch ist auch schon sehr alt. Oft war in früheren Zeiten die Bescherung mit dem Nikolaustag verbunden, so daß es zu Weihnachten keine Geschenke mehr gab.
An die Stelle des Heiligen Nikolauses trat der »Heilige Christ«. Luthers Kinder beschenkte noch im Jahre 1535 der Nikolaus, ein Jahrzehnt später ist daraus der Heilige Christ geworden. Little SantaSeit dem wandert die Bescherung immer mehr zum Weihnachtsfest ab.
Offenbar hat die Verbreitung des Brauches, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, dazu beigetragen, dass der Nikolaus seine Hauptrolle als Geschenkebringer verloren hat. Zunächst hingen kleine Geschenke für alle am Weihnachtsbaum, später lagen die Geschenke unter seinen Zweigen… heute würde wohl kaum ein Baum mehr die Geschenkeflut tragen können 😉

Was man aber über all dem Trubel nicht vergessen sollte:
Weihnachten ist das Familienfest der Familienfeste und traditionell die Zeit, in der die Familie zusammen-kommt. Ich hoffe, Ihr alle verbringt die kommenden Tage so, wie Ihr Euch das vorstellt und feiert mit oder bei Menschen, die Ihr mögt oder bei denen Ihr willkommen seid. Zu dieser Zeit kann Enttäuschung erschütternd und Einsamkeit überwältigend sein, aber es gibt kaum jemanden, der Weihnachten nicht auf irgendeine Art feiern würde.

Bescherung – Hanns von Gumppenberg

Zum 24. Kalendertürchen

Hei, wie das trippelt und tastet und späht,
Aufgreift und mustert in fiebernder Eile,
Bis dann ein jedes Menschlein steht
Stolz überschauend vor seinem Teile!

Und von der Beute, der bunten, entzückt
Jauchzen die kleinen Herren und Damen:
Aber am meisten sind sie beglückt,
Weil sie auch alle gleich viel bekamen!

Freut euch nur wacker im zaubrischen Bann
Silberumwobenen, strahlenden Baumes –
Lustig und hell, solange sie kann,
Leuchte die Liebe des Gleichheitstraumes!

Noch beschenkt euch das Christkind ja,
Jedem dasselbe Plaisier zu bereiten –
Später beschert euch der Himmelpapa,
Und der hat seine Eigenheiten.

Hanns von Gumppenberg

Erinnerungen an ein ganz besonderes Fest

Zum 24. Kalendertürchen

Meine Großmutter war eine exzentrische Frau. Besuch empfing sie stets, verwegen an einer Zigarettenspitze ziehend, auf ihrem Diwan liegend wie Greta Garbo, und auf Familienfeiern erzählte sie gerne Witze, die so anzüglich waren, dass selbst mein Vater errötete. Ich liebte diese Frau. Ich liebte sie über alles. Und jedes Jahr freute ich mich auf das Weihnachtsfest, denn wir feierten bei ihr. Sie schmückte dann das ganze Haus – und immer mit den buntesten Engeln, Kugeln und Schneemännern. Überall blinkte und glitzerte es – so sehr, dass einem die Augen wehtaten. Es waren Weihnachtsfeste, von denen jedes Mädchen träumt. Und erst die Geschenke! Meine Großmutter kaufte mir stets das, was meine Eltern sich nicht leisten konnten: Schaukelpferde, Puppen, Dreiräder. Riesige, wunderschöne Dinge, die kaum alle ins Auto passten.

In jenem Winter aber, in dem ich zehn Jahre alt wurde, änderte sich alles: „Deiner Großmutter geht es nicht gut“, erklärte mein Vater, bevor wir nachmittags zu ihr aufbrachen. Ich verstand nicht was er meinte. Das Haus war üppig dekoriert wie immer. Eines aber war tatsächlich anders: Unter dem Tannenbaum lagen an diesem Abend keine buntverpackten  Geschenke. Nur ein kleiner Pappkarton, der ein Schild mit meinem Namen trug: Teresa.
Als ich ihn öffnete, war ich enttäuscht: Der Karton war leer. Ich drehte ihn in meinen Händen und bekam furchtbare Angst, ich hätte vielleicht etwas so Schlimmes getan, dass ich kein Geschenk verdiente. Da trat meine Großmutter zu mir und sagte: „Das, was dieser Karton enthält, kannst du weder sehen noch berühren oder schmecken. Aber es wird dich schützen und dich stark machen und dir Geborgenheit geben, wann immer du sie brauchst. Es wird alle Zeiten überdauern, und von all den Geschenken, die ich dir je gemacht habe, hoffe ich, dass du dich eines Tages einzig an dieses erinnerst“. Ich blickte auf und fragte: „Was ist es denn?“ Und sie sagte: „Liebe. All die Liebe, die ich für dich empfinde.“

Acht Tage später starb meine Großmutter. Und sie behielt Recht: Von den vielen Geschenken, die sie mir in all den Jahren machte, ist nur eines geblieben. Ein vergilbter Karton mit ausgefransten Kanten, der nichts enthält und zugleich doch alles. Liebe. Das schönste Geschenk der Welt.

Autor unbekannt

Vor 50 Jahren gabs eine Liveschaltung vom Mond

Zum 24. Kalendertürchen

Apollo 8 startete am 21. Dezember 1968 vom Kennedy Space Center in Florida und war der zweite bemannte Raumflug des amerikanischen Apollo-Programms und der erste bemannte Flug zum Mond und damit zu einem anderen Himmelskörper. Auf 40.000 Kilometer pro Stunde beschleunigt, sollte eine Rakete die Raumfähre „Apollo 8“ mit den Astronauten Frank Borman, Jim Lovell und William Anders zum Mond bringen.

Apollo-8-Crew

Von links: Borman, Anders und Lovell

31 Stunden und elf Minuten nach dem Abheben, am 22. Dezember 1968, absolvierte die Besatzung von Apollo 8 aus einer Entfernung von 221.940 Kilometern zur Erde ihre erste von sechs geplanten Live-Fernsehübertragungen. Versuche, die Erde zu zeigen, scheiterten an der Telelinse der Fernsehkamera, die sich nicht montieren ließ. Mit der Weitwinkellinse aufgenommen, erschien die Erde nur als heller Lichtfleck auf den Bildschirmen. Die Liveschaltung dauerte 15 Minuten.
Drei Tage nach dem Start, am 24. Dezember 1968, wurde die Mondumlaubahn ereicht. Landen konnte die Kapsel zwar nicht, doch erstmals würden Menschen um den Mond kreisen – und das gleich zehn Mal. Am 24. Dezember 1968 um 4:49:02 Uhr (EST) (Bordzeit: 68 Stunden, 58 Minuten, zwei Sekunden) verschwand Apollo 8 hinter dem Mond und der Funkkontakt brach ab.

Während sich das Raumschiff zum dritten Mal auf der Rückseite des Mondes befand, manövrierte Kommandant Borman das Raumschiff und blickte aus den Fenstern. Dort erkannte er über dem Horizont des Mondes einen blauen und weißen Bogen, der schnell größer wurde. An Heiligabend des Jahres 1968 entstehen Bilder, die Geschichte schreiben: Aufnahmen des ersten „Erdaufgangs“, den Menschen je gesehen haben.

Das erste Foto des Erdaufgangs über dem
Mondhorizont, aufgenommen von Frank Borman

erdaufgang2

Das berühmte Farbbild, aufgenommen von
Bill Anders kurze Zeit nach dem ersten Foto

Später dann hörte man am Heiligabend aus dem All die folgenden Worte:

Hier ist Apollo 8 mit einer Live-Übertragung vom Mond. Wir haben die Kamera umgeschaltet. Zuerst haben wir ihnen ein Bild der Erde gezeigt, wie wir es die letzten 16 Stunden gesehen haben. Jetzt schalten wir um, so dass wir ihnen den Mond zeigen können, über den wir in einer Höhe von 60 Meilen seit 16 Stunden fliegen. Bill Anders, Jim Lovell und ich haben den heiligen Abend hier oben damit verbracht, Experimente durchzuführen, Fotos zu machen und das Raumschiff mit den Triebwerken in Position zu halten. Wir werden jetzt weiter unseren Kurs fortsetzen wie schon den ganzen Tag und Sie mitnehmen zu einem Sonnenuntergang auf dem Mond.

Bibelstunde mit Blick auf den Mond

zur besten Sendezeit in den USA – hören die Menschen die Botschaft über diesen wunderschönen Planeten: Astronaut Bill Anders die ersten Zeilen der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel vor:

“Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr. Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das LIcht von der Finsternis”

Astronaut Jim Lovell fuhrt fort:

“Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.”

Als Dritter zitierte dann US-Astronaut Frank Borman aus der Schöpfungsgeschichte:

“Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es. Das Trockene nannte Gott Land und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.”

Letztlich verabschiedete sich Apollo 8 noch artig mit folgenden Worten:

„Wir, die Crew der ‚Apollo 8‘ beenden diese Botschaft mit einem ‚Gute Nacht‘, viel Glück und frohe Weihnachten. Gott segne euch alle – euch alle auf der guten, alten Erde.“

Man geht davon aus, daß rund 1 Milliarde Menschen diese historische Übertragung mit den Zitaten aus dem Buch Genesis über die Erschaffung der Welt vom Mond zur Erde im Fernsehen und an Radiogeräten verfolgten.
Nach der Eskalation des Vietnamkriegs, der Ermordung Martin Luther Kings und Robert F. Kennedys, den Studenten- und Rassenunruhen war der erfolgreiche Flug von Apollo 8 ein positiver Abschluss des Jahres 1968 für Amerika. Dies wird deutlich in einem Glückwunschtelegramm, das Kommandant Borman nach Abschluss des Fluges erhielt: “Thank you Apollo 8. You saved 1968.

Vierter Advent

4.Advent

Die vierte Kerze brennt für Liebe,
für das Wichtigste auf dieser Welt,
es gäbe nichts, das uns noch bliebe,
wär nicht sie an Nummer Eins gestellt.

~

Vier Kerzen

vierkerzen.gif
von Elli Michler

Eine Kerze für den Frieden,
die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffnung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtsein unsren Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe,
voller Demut aufgestellt,

daß ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.

Aus: Ich wünsche dir Zeit © Don Bosco Verlag, München, 3. Auflage 2006

Rezept – Marzpankartoffeln

Zum 23. Kalendertürchen

Zutaten
für etwa 60 Stück:

  • 250 g ungehäutete Mandeln
  • 10 g ungehäutete bittere Mandeln
  • 250 g Puderzucker
  • 1 Eiweiß
  • 1 TL Rosenwasser (Apotheke)
  • 1 TL Rum
  • 2 EL Kakaopulver
  • 60 Pralinen-Manschetten

Marzipan

Und so geht es:

  • Etwa 1 l Wasser zum Kochen bringen. Mandeln mit den bitteren Mandeln hineinschütten und etwa 1 Minute ziehen lassen. Dann in einem Sieb kalt abschrecken, abtropfen lassen, aus den braunen Häutchen drücken und einem Tuch etwa 12 Stunden trocknen lassen.
  • Puderzucker sieben. Mandeln fein mahlen oder im Mixer zerkleinern. Mandeln mit Puderzucker vermischen. Eiweiß leicht verquirlen. Rosenwasser, Rum und nach und nach so viel vom Eiweiß unter die Mandel-Puderzucker-Mischung mengen, daß die Masse formbar, aber feucht ist.
  • Aus der Marzipanmasse kirschgroße Kugeln formen. Kakaopulver sieben und Marzipankugeln darin wälzen.

Die Marzipankartoffeln in die Pralinen-Manschetten setzen und möglichst lagenweise zwischen Pergamentpapier in einer Dose kühl aufbewahren.

Die Geschichte der Marzipankartoffeln

Zum 23. Kalendertürchen

Im Folgenden findet ihr Angaben darüber, wer die Marzipankartofffeln verbrochen hat. Und wie das so ist mit Netzfundstücken – ich kann nicht sagen, ob die Geschichte so richtig ist oder obs eben nur eine Geschichte ist. Trotzdem will ich sie Euch hier nicht vorenthalten 😉

In der Vorweihnachtszeit des Kriegsjahres 1917 arbeitete der Düsseldorfer Konditor K.N. Üselig an der Lösung eines Problems: Beim Ausstechen von Marzipanfiguren bleib immer ein Rest übrig, er konnte noch so oft den übrig gebliebenen Teig neu ausrollen. Es half alles nichts. Es blieb immer ein Rest.
Doch er hatte alsbald die Lösung gefunden. Er rollte die beim Ausstechen verbleibenden Ränder zu amorphen Brocken zusammen und wollte Sie zu den deutschen Soldaten an die Front schicken. Doch beim Rollen verfärbten sich diese Brocken unschön, denn Herr Üselig, oder „KnÜsel“ wie ihn seine Freunde nannten, hatte es nicht so mit der Sauberkeit und vergaß des öfteren das Hände waschen nach dem Klo. Das sah man den Brocken jetzt an, die sich unschön dunkel verfärbt hatten. Immerhin: die Hände waren jetzt sauber.

Marzipankartoffeln sind lecker ;)

Marzipankartoffeln sind lecker 😉

Aber auch hierfür hatte der Konditor bald eine Lösung parat: Im Keller stand noch ein Sack Zimt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum seit ein paar Jährchen abgelaufen war. Mit den Worten „Die Soldaten wird’s freuen“ mehlte er die Brocken mit dem Zimt ein und machte so den Dreck seiner Pfoten unsichtbar.

Der Name für diese „Spezialität“ war auch rasch gefunden. Da die Äcker rund um Düsseldorf eine rot-braune Erde haben, nannte er seine Kreation „Matzipaan-Kartöffelkes“, beziehungsweise hochdeutsch eben Marzipan-Kartoffeln.

Der Rest der Geschichte ist rasch erzählt: Jene deutschen Batallione, die Üseligs „Kartöffelkes“ an die Front geschickt bekamen, entwickelten einen ungeahnten Kampfgeist, und wären mehr Konditoren auf diese geniale Idee gekommen, hätten wir den ersten Weltkrieg sicherlich nicht verloren, Deutschland wäre noch eine Monarchie, dieser neurotische Österreicher wäre uns erspart geblieben und „Knüsel“ hätte den Orden vom Kaiser bekommen, den dieser bereits befohlen hatte, aber nicht mehr verleihen konnte, weil er ja dringend abdanken musste.

Ja, so war das damals…

Weihnachtssperlinge

Zum 23. Kalendertürchen

Weihnachtssperlinge
Gustav Falke (1853-1916)

Vor meinem Fenster die kahlen Buchen
sind über und über mit Schnee behangen.
Die Vögel, die da im Sommer sangen,
wo die wohl jetzt ihr Futter suchen?
Im fernen Süden sitzen sie warm
und wissen nichts von Hunger und Harm.

Ihre ärmlichen Vettern, die Spatzen und Krähen,
müssen sich durch den Winter schlagen,
müssen oft mit leerem Magen
vergebens nach einem Frühstück spähen.
Da kommen sie an mein Fensterbrett:
Gesegnete Mahlzeit, wie sitzt du im Fett!

Eine unverschämte Bemerkung!
Aber was will man von Spatzen verlangen,
sind nie in die Anstandsstunde gegangen,
und Not gibt ihrer Frechheit Stärkung.
Und schließlich, hungern ist nicht gesund
und für manches einen Milderungsgrund.

Da laß ich’s dann gelten und kann mich gar freuen,
wenn meine beiden Mädels leise
– leise ist nicht ihre Weise –
den kleinen Bettlern Brotbröcklein streuen.
Ich belausche sie da gern, es ist ihnen mehr
als ein Spaß, es kommt vom Herzen her.

Ja, sie geben beide gerne,
gütige Hände sind ihnen eigen,
doch will ich mich nicht im Lob versteigen,
und daß ich mich nicht von der Wahrheit entferne:
untereinander gönnt oft keins
dem andern ein größeres Stück als sein.

Oft sind die auch selbst wie die Spatzen und Raben,
das Brüderchen ist dann im Bund der Dritte,
da zwitschern sie auch ihr bitte! Bitte!
Reißen den Hals auf und wollen was haben.
Sommer und Winters, Winters zumeist
und gar um Advent herum werden sie dreist.

Dann fangen sie an zu bitten und betteln:
Papa, zu Weihnacht, du hast mir’s versprochen,
ich möchte einen Herd, so richtig zum Kochen.
Und ich ein Zweirad. Auf Weihnachtswunschzetteln
wachsen die stolzesten Träume sich aus.
Knecht Ruprecht schleppt das schon alles ins Haus.

Und morgens, da steht von den zierlichsten Schuhen
je einer, ganz heimlich hingestellt,
an dem allersichtbarsten Platz der Welt.
Die Schelme können des Nachts kaum ruhen:
Ob wohl der Weihnachtsmann sie entdeckt?
Ob er wohl was in den Schuh uns steckt?

Der Weihnachtsmann! Er muß ja bald kommen.
Schon stapft er durch die beschneiten Felder,
hat vom Rande der weißen Wälder
ein grünes Tännlein mitgenommen.
Von unseren Buchen die Spatzen und Kräh’n
können ihn sicher schon erspähn.

Gewiß, sie haben den guten Alten
schon gesehn. Sie lärmen und kreischen,
als wollten sie doppelte Brocken erheischen.
Und hätten sie Schühlein vom Herrgott erhalten,
ich fände sie morgens alle, ich wett’
ein zierliches Reih’ auf dem Fensterbrett.

Das wär eine Wonne für meine Kleinen!
Die gütigen Hände würden sich regen
und jedem was in sein Schühlein legen,
ein Bröckchen, ein Krümchen, vergäßen nicht einen.
Und ihr rosiges Kindergesicht
strahlte dabei wie Weihnachtslicht.

Ich aber will doch morgen sehen,
– wir haben ja schon Advent geschrieben –
ob es beim alten Brauch geblieben
und wohl irgendwo Schühlein stehen.
Rechte Spatzenpantoffel mögen es sein,
und geht gewiß nicht viel hinein.
xmasbirds

Von Schnee keine Spur

Zum 22. Kalendertürchen

von Winfried Wolf

Am Nachmittag vor Weihnachten saß Clemens am Fenster und starrte traurig hinaus.
»Was ist los mit dir?«, fragte ich.
»Ach«, klagte er, »morgen ist Weihnachten, und es regnet und regnet! Warum schneit es nicht?«
»Weil es zu warm ist«, antwortete ich. »Wenn es kälter wäre, würde es bestimmt schneien.«
»Es hängt also von der Kälte ab, ob es schneit oder nicht?«, fragte er.
Ich nickte.
Einen Augenblick überlegte er, dann rief er fröhlich: »Na, dann machen wir es halt kalt! Wir stellen einfach unseren Kühlschrank ins Freie und machen die Tür ganz weit auf.«
»Das ist zwar ein guter Vorschlag«, sagte ich lachend, »aber das würde nicht ausreichen, leider.«
»Die Erwachsenen«, sagte Clemens heftig, »können doch sonst alles machen. Sie fliegen zum Mond und schicken uns Kinder in die Schule. Warum können sie nicht einfach bestimmen, dass es Weihnachten schneit?«
»Auf das Wetter haben die Erwachsenen keinen Einfluss«, erklärte ich. »Und es ist auch gut so. Stell dir vor, was es dann für Streitereien gäbe! Der eine möchte es warm haben, der andere kalt, und wieder ein anderer möchte gern Regen haben, damit seine Radieschen schneller wachsen.«
»Na gut«, sagte Clemens, »aber Weihnachten ohne Schnee ist Mist!«
»Ich verstehe schon«, erwiderte ich, »aber das Christkind ist auch zur Welt gekommen ohne Schnee.«
»Ist das wirklich wahr?«, staunte Clemens.
»Ja, sicher«, antwortete ich, »es ist in Palästina zur Welt gekommen, und dort ist es so warm, dass es nie oder fast nie schneit. Und viele Kinder auf der Welt feiern Weihnachten, ohne dass sie jemals Schnee gesehen hätten. Und sie freuen sich trotzdem! Weihnachten ist ja auch das Fest der Kinder. Es wird der Geburtstag eines Kindes gefeiert, und das finde ich schön an diesem Fest. Deswegen, meine ich, sollten alle Kinder an diesem Tag fröhlich sein, egal, ob es regnet oder schneit.«
»Na ja«, knurrte Clemens und stampfte davon. »Wo gehst du hin?«, rief ich hinterher.
»Auf mein Zimmer, mit dem Christkind reden!«

Von Schnee keine Spur

Von Schhnee keine Spur

Am Weihnachtsmorgen zog ich gleich die Vorhänge auf. Aber alles war Grau in Grau, von Schnee keine Spur. Armer Clemens!
Doch da kam er schon ins Schlafzimmer und rief: »Du, es hat geschneit!«
»Wo?«, fragte ich verwundert. »Ich sehe nichts.«
»Komm mal mit!«, sagte er da. Er führte mich ins Kinderzimmer. Der ganze Boden war übersät mit Papierfitzelchen, und an den Fenstern klebten unzählige Papierfetzen.
»Siehst du«, sagte Clemens stolz, »es hat doch geschneit! Hat mir das Christkind vorgeschlagen.«
»So«, sagte ich verblüfft, »das Christkind!«
»Ja«, bekräftigte er, »das stammt direkt vom Christkind!«
In diesem Jahr feierten wir Weihnachten im Kinderzimmer. Es war ganz besonders schön in dem vielen Schnee, der überhaupt nicht kalt war, und nass war er auch nicht!

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