Around the World – 12 Trauben in 12 Sekunden

Zum 26. Dezember

Zur alten spanischen Tradition gehört das Traubenessen in der Silvesternacht.

Die Zeit verrinnt, die Spinne spinnt in heimlichen Geweben. Wenn heute Nacht das Jahr beginnt, beginnt ein neues Leben.
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Kurz vor Mitternacht schalten in noche vieja (der alten Nacht) 99 Prozent der Spanier ihre Fernseher ein. In den letzten Sekunden des Jahres nimmt das Ritual seinen Lauf: Auf dem Fernseher läuft die Live Übertragung zur Puerta del Sol in Madrid, wo sich tausende von Menschen vor einem Glockenturm mit einer riesigen Uhr getroffen haben. Die Vorfreude steigt und dann geht´s los:

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Zeit macht nur vor dem Teufel halt

Exakt zu den letzten 12 Sekunden des Jahres erklingt je ein Glockenschlag, zu dem sekun-dengenau die Trauben verzehrt werden. Bei jedem Glockenschlag schiebt man eine Weinbeere in den Mund und wünscht sich etwas. Das ist einfacher gesagt als getan: Man muss schnell kauen und schlucken und denken und darf nicht lange nach Luft schnappen und quatschen und lachen. Wer es schafft, alle sprichtwörtlich zu ‚fressen‘, wird dem Glaube nach das ganze nächste Jahr Glück haben. Schafft man es nicht, dann führt das dem Aberglauben zufolge zu einem ganzen Jahr Unglück.

Ein Jahresausgang ohne die uvas de la suerte (Trauben des Glücks) ist in Spanien undenkbar. Dieses zudem auch gesunde Ritual wird so enorm gefeiert, das rund 600 Millionen Trauben in der Silvesternacht verspeist werden. Den Geschichten zufolge entstand diese Tradition im Jahre 1909. Die Traubenernte soll in diesem Jahr so gut gewesen sein, dass die Weinbauern sich entschlossen hatten, diese an das ganze Volk kostenlos zu verteilen und erzählten dazu, dass dies Glück für das nächste Jahr bringen sollte. Infolgedessen Glück hat sich dieses Ritual, die Tradition und der Glaube bis heute gehalten.

Weihnachtsabend bei Fontane

Zum 25. Dezember

Weihnachten rückte heran und schon die ganze Woche vorher hieß es: »Aber diesmal wird es eine Freude sein,… so was Schönes«, und wenn ich dann mehr wissen wollte, setzte die gute Schröder hinzu: »Gerade was du dir gewünscht hast… Die Mama ist viel zu gut; denn eigentlich seid ihr doch bloß Rangen.«

»Aber was is es denn?«
»Abwarten.«

Und so fieberhaft gespannt sahen wir dem Heiligabend entgegen. Endlich war er da. Wie herkömmlich verbrachten wir die Stunde vor der eigentlichen Bescherung in dem kleinen, nach dem Garten hinaus gelegenen Wohnzimmer meines Vaters, das absichtlich ohne Licht blieb, um dann den brennenden Weihnachtsbaum, den meine Mama mittlerweile zurechtmachte, desto glänzender erscheinen zu lassen. tree28
Mein Vater unterhielt uns während dieser Dunkelstunde, so gut er konnte, was ihm jedesmal blutsauer wurde. Denn wiewohl er unter Umständen, wie vielleicht nur allzuoft hervorgehoben, in reizendster Weise mit uns plaudern und uns durch freie Einfälle, die wir verstanden oder auch nicht verstanden, zu vergnügen wußte, so war er doch ganz unfähig, etwas einer bestimmten Situation Anzupassendes, also etwas für ihn mehr oder weniger Zwangsmäßiges, leicht und unbefangen zum besten zu geben. Sonst ein so glücklicher Humorist, konnte er den richtigen Ton bei solchen Gelegenheiten nie treffen. Am Weihnachtsabend trat dies immer sehr stark hervor. Er sagte dann wohl zu sich selbst, fast als ob er sich auf eine richtige Stimmung hin präparierte: »Ja, das ist nun also Weihnachten… An diesem Tage wurde der Heiland geboren… ein sehr schönes Fest…« und hinterher wiederholte er all diese Worte auch wohl zu uns und sah uns dabei mit zurechtgemachter Feierlichkeit an. Aber eigentlich schwankte er bloß zwischen Verlegenheit und Gelangweiltsein, und wenn dann zuletzt die Klingel der Mama das Zeichen gab und wir nach dreimaligem Ummarsch um einen kleinen runden Tisch und unter Absingung eines an Plattheit nicht leicht zu übertreffenden Verses:

»Heil, Heil, Heil,
Heil, dreifacher Segen,
Strahl‘, o heller Lichterglanz,
Unsrem Fest entgegen«

über den Flur fort in das Vorderzimmer einmarschierten, war er, mein Vater, womöglich noch froher und erlöster als wir, die wir bis dahin doch bloß vor Ungeduld gelitten hatten.

aus „Meine Kinderjahre

24. Dezember 2019

Fröhliche Weihnachten

Weihnachtsbaum 2019

Weihnachtsbaum 2019

Ein Dialog aus den letzten Wochen:

Ich: Eigentlich möchte ich mir neue Kugeln für den Weihnachtsbaum kaufen, mal was anderes…

Mann: Na dann mach das doch – such dir was aus und bestelle oder kauf es!

Ich: Hja, mal gucken, wann mir so ist.

Und zack – da isser:
Der Weihnachtsbaum 2019.
Mit den gleichen alten roten Kugeln, Strohsternen, Lebkuchenanhängern, Holzfiguren und der Weihnachtsgurke irgendwo mittendrin.
Der Klassiker wieder… wie schon seit 1867 (oder so) hier bei mir 😀

Aber immerhin: Ich habe es geschafft, die rote Baumspitze kaputt zu machen. Wollte die nur ein wenig abwischen und nun hat sich auf der Oberseite die rote Farbe gelöst. Möglichweise gibt es nach 30 Jahren im nächsten Jahr dann doch Ersatz…

Möglicherweise wollte ich aber gar nicht wirklich noch mehr Veränderung als wir so schon haben. In den letzten Jahren hat sich alles auf den Kopf gestellt und nichts, aber auch gar nichts mehr ist so, wie es am Heiligen Abend über Jahrzehnte gewesen ist.

Die Kinder hat es in alle Winde verstreut. Meine Mutter ist kaum ansprechbar und schon gar nicht transportfähig. Vor 2 Jahren hatte ich sie im Dezember noch für ein paar Stunden herholen können, Weihnachten 2018 war ich nicht sicher, ob sie es bis zum Jahreswechsel noch schafft. Aber sie kämpft, warum auch immer, und 2019… An guten Tagen guckt sie mich kurz an, dass sie aber in dem Moment weiß wer ich bin ist ziemlich unwahrscheinlich. Egal, ich bin da und esse üblicherweise abends mit ihr. Das geht zum Glück noch.

Und der Rest der Familie, also Geschwister und Vater… nun ja. Familie kann man sich nicht aussuchen, aber wenns gar nicht mehr geht, dann muss man sich distanzieren. Demenz im Endstadium und niemand interessiert sich mehr für die Frau, die sich immer für alle aufgeopfert hat, als sie noch gesund war. Bitter, das…

Also – verbringt Zeit mit den Menschen, die Euch wichtig sind, solange es möglich ist!
Ich wünsche Euch allen wunderschöne Weihnachtstage.

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Leuchte, goldner Stern(Ernst Moritz Arndt)

Blüh denn, leuchte, goldner Baum,
Erdentraum und Himmelstraum;
blüh und leuchte in Ewigkeit
durch die arme Zeitlichkeit!

Sei uns Bild und sei uns Schein,
dass wir sollen fröhlich sein,
fröhlich durch den süßen Christ,
der des Lebens Leuchte ist.

Sei uns Bild und sei uns Schein,
dass wir sollen tapfer sein
auf des Lebens Pilgerbahn,
kämpfend gegen Lug und Wahn.

Sei uns Bild und sei uns Schein,
dass wir sollen heilig sein,
rein wie Licht und himmelsklar,
wie das Kindlein Jesus war!

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Zum 24. Kalendertürchen

Die Weihnachtsgeschichte
nach Martin Luther

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen liesse, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heisst Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war, damit er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.Bibel Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.

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