Wofür wir dankbar sein sollten,

Zum 26. Dezember 2011

es aber oft nicht mal registrieren:

  • den Partner, der Dir jede Nacht die Decke wegzieht, weil es bedeutet, dass er mit keinem anderen unterwegs ist
  • das Kind, das nicht sein Zimmer aufräumt und lieber fern sieht, weil es bedeutet, dass es zu Hause ist und nicht auf der Straße
  • die Steuern, die ich zahlen muß, weil es bedeutet, dass ich eine Beschäftigung habe
  • die riesige Unordnung, die ich nach ner gefeierten Party aufräumen muß, weil es bedeutet, dass ich von Freunden umgeben war
  • die Kleidung, die mal wieder zu eng geworden ist, weil es bedeute, dass ich genug zu essen habe
  • den Schatten, der mich bei meiner Arbeit verfolgt, weil es bedeutet, dass ich mich im Sonnenschein befinde
  • den Teppich, den ich saugen muß und die Fenster, die geputzt werden müssen, weil es bedeutet, dass ich ein Zuhause habe
  • die vielen Beschwerden, die ich über die Regierung höre, weil es bedeutet, dass wir die Redefreiheit besitzen
  • die Straßenbeleuchtung, die so endlos weit von meinem Parkplatz weg ist, weil es bedeutet, dass ich laufen kann und ein Beförderungsmittel besitze
  • die hohe Heizkostenrechung, weil es bedeutet, dass ich’s warm habe
  • die Frau hinter mir in der Kirche, die so falsch singt, weil es bedeutet, dass ich hören kann
  • den Wäscheberg zum Waschen und Bügeln, weil es bedeutet, dass ich Kleider besitze
  • die schmerzenden Muskeln am Ende eines harten Arbeitstages, weil es bedeutet, dass es mir möglich ist hart zu arbeiten
  • den Wecker, der mich morgens unsanft aus meinen Träumen reißt, weil es bedeutet, dass ich am Leben bin
  • und schließlich: die vielen nervenden E-Mails, weil es bedeutet, dass ich Freunde habe und es genügend Menschen gibt, die an mich denken

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…und solltest du glauben, Dein Leben wäre beschissen, dann lies dies nochmal!

Die drei Spatzen

Zum 25. Dezember 2011

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mitten drin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

von Christian Morgenstern (1871-1914)
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24

Ich wünsche ein friedliches Weihnachtsfest

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Johann Wolfgang von Goethe

Hauptbahnhof Leipzig, Osthalle

Vielen Dank auch an all-inkl.com, dort liegen meine Seiten in diesem Jahr und es gab nicht einen einzigen Ausfall, dafür aber gerade eben eine Mail mit obigem Gedicht :)

Im letzten Jahr war für uns der 24. Dezember erstmals ganz anders. Früher sind wir immer zu meinen Eltern gefahren und haben uns da nahezu stressfrei durchgefressen. Altersbedingt funktionierte das so nicht mehr, zumal die Tochter selbstverständlich mit Freund anreist und wir nun auch als komplette Familie auftreten… also verlegten wir die Veranstaltung in meine Wohnung. Immerhin hatte meine Mutter 2010 noch für die Weihnachtsgans gesorgt, in diesem Jahr haben wir das lieber selbst übernommen.
Eins meiner Kinder wird fehlen… wie schon in den letzten Jahren. Sie werden groß, gehen ihre eigenen Wege und werden irgendwann vielleicht auch am Weihnachtsabend wieder da sein. Driving home for Christmas ;)

Einsam am Heiligen Abend

Zum 24. Kalendertürchen 2011

Jedesmal wenn Weihnachten kommt, muß ich an Herrn Sörensen denken. Er war der erste Mensch in meinem Leben, der ein einsames Weihnachtsfest feierte, und das habe ich nie vergessen können.

Herr Sörensen war mein Lehrer in der ersten Klasse. Er war gut. Im Winter bröselte er sein ganzes Frühstücksbrot für die hungrigen Spatzen vor dem Fenster zusammen. Und wenn im Sommer die Schwalben ihre Nester unter den Dachvorsprung klebten, zeigte er uns die Vögel, wie sie mit hellen Schreien hin und her flogen. Aber seine Augen blieben immer betrübt.

Im Städtchen sagten sie, Herr Sörensen sei ein wohlhabender Mann. “Nicht wahr, Herr Sörensen hat Geld?” fragte ich einmal meine Mutter. “Ja, man sagt’s.” – “Ja … ich hab’ ihn einmal weinen sehen, in der Pause, als ich mein Butterbrot holen wollte …”

“Herr Sörensen ist vielleicht so betrübt, weil er so allein ist”, sagte meine Mutter. “Hat er denn keine Geschwister?” fragte ich. “Nein – er ist ganz allein auf der Welt…”

Als dann Weihnachten da war, sandte mich meine Mutter mit Weihnachtsbäckereien zu Herrn Sörensen. Wie gut ich mich daran erinnere. Unser Stubenmädchen ging mit, und wir trugen ein großes Paket, mit rosa Band gebunden, wie die Mutter stets ihre Weihnachtspäckchen schmückte.

Die Treppe von Herrn Sörensen war schneeweiß gefegt. Ich getraute mich kaum einzutreten, so rein war der weiße Boden. Das Stubenmädchen überbrachte die Grüße meiner Mutter. Ich sah mich um. Ein schmaler hoher Spiegel war da, und rings um ihn, in schmalen Rahmen, lauter schwarzgeschnittene Profile, wie ich sie nie vorher gesehen hatte.

Herr Sörensen zog mich ins Zimmer hinein und fragte mich, ob ich mich auf Weihnachten freue. Ich nickte. “Und wo wird Ihr Weihnachtsbaum stehen, Herr Sörensen?” – “Ich? Ich habe keinen, ich bleibe zu Hause.”

Und da schlug mir etwas aufs Herz beim Gedanken an Weihnachten in diesem “Zuhause”. – In dieser Stube mit den schwarzen kleinen Bildern, den schweigenden Büchern und dem alten Sofa, auf dem nie ein Mensch saß – ich fühlte das Trostlose, das Verlassene in dieser einsamen Stube, und ich schlug den Arm vors Gesicht und weinte.

Herr Sörensen zog mich auf seine Knie und drückte sein Gesicht an meines. er sagte leise: “Du bist ein guter, kleiner Bub.” Und ich drückte mich noch fester an ihn und weinte herzzerbrechend.

Als wir heimkamen, erzählte das Stubenmädchen meiner Mutter, ich hätte gebrüllt.

Aber ich schüttelte den Kopf und sagte: “Nein, ich habe nicht gebrüllt. Ich habe geweint. Und weißt du, ich habe deshalb geweint, weil nie jemand zu Herrn Sörensen kommt. Nicht einmal am Heiligen Abend…”

Später, als wir in eine andere Stadt zogen, verschwand Herr Sörensen aus meinem Leben. Ich hörte nie mehr etwas von ihm. Aber an jenem Tag, als ich an seiner Schulter weinte, fühlte ich, ohne es zu verstehen, zum ersten Male, daß es Menschen gibt, die einsam sind. Und daß es besonders schwer ist, allein und einsam zu sein an Weihnachten.

Hermann Bang (1857-1912)

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Erinnerungen an ein ganz besonderes Fest

Zum 24. Kalendertürchen 2011

Meine Großmutter war eine exzentrische Frau. Besuch empfing sie stets, verwegen an einer Zigarettenspitze ziehend, auf ihrem Diwan liegend wie Greta Garbo, und auf Familienfeiern erzählte sie gerne Witze, die so anzüglich waren, dass selbst mein Vater errötete. Ich liebte diese Frau. Ich liebte sie über alles. Und jedes Jahr freute ich mich auf das Weihnachtsfest, denn wir feierten bei ihr. Sie schmückte dann das ganze Haus – und immer mit den buntesten Engeln, Kugeln und Schneemännern. Überall blinkte und glitzerte es – so sehr, dass einem die Augen wehtaten. Es waren Weihnachtsfeste, von denen jedes Mädchen träumt. Und erst die Geschenke! Meine Großmutter kaufte mir stets das, was meine Eltern sich nicht leisten konnten: Schaukelpferde, Puppen, Dreiräder. Riesige, wunderschöne Dinge, die kaum alle ins Auto passten.

In jenem Winter aber, in dem ich zehn Jahre alt wurde, änderte sich alles: „Deiner Großmutter geht es nicht gut“, erklärte mein Vater, bevor wir nachmittags zu ihr aufbrachen. Ich verstand nicht was er meinte. Das Haus war üppig dekoriert wie immer. Eines aber war tatsächlich anders: Unter dem Tannenbaum lagen an diesem Abend keine buntverpackten  Geschenke. Nur ein kleiner Pappkarton, der ein Schild mit meinem Namen trug: Teresa.
Als ich ihn öffnete, war ich enttäuscht: Der Karton war leer. Ich drehte ihn in meinen Händen und bekam furchtbare Angst, ich hätte vielleicht etwas so Schlimmes getan, dass ich kein Geschenk verdiente. Da trat meine Großmutter zu mir und sagte: „Das, was dieser Karton enthält, kannst du weder sehen noch berühren oder schmecken. Aber es wird dich schützen und dich stark machen und dir Geborgenheit geben, wann immer du sie brauchst. Es wird alle Zeiten überdauern, und von all den Geschenken, die ich dir je gemacht habe, hoffe ich, dass du dich eines Tages einzig an dieses erinnerst“. Ich blickte auf und fragte: „Was ist es denn?“ Und sie sagte: „Liebe. All die Liebe, die ich für dich empfinde.“

Acht Tage später starb meine Großmutter. Und sie behielt Recht: Von den vielen Geschenken, die sie mir in all den Jahren machte, ist nur eines geblieben. Ein vergilbter Karton mit ausgefransten Kanten, der nichts enthält und zugleich doch alles. Liebe. Das schönste Geschenk der Welt.

Autor unbekannt

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