Archive for the ‘Wissenswertes’ Category

Pastor Wichern, arme Kinder in Hamburg und ein Wagenrad

Dienstag, Dezember 7th, 2021

Zum 07. Kalendertürchen

In einem Vorort von Hamburg, dem Stadtteil St. Georg herrschen im 19. Jahrhundert katastrophale Bedingungen. St. Georg ist das Armenviertel Hamburgs. Die Säuglingssterblichkeit ist groß. Hygiene kennt man nicht. Armut herrscht überall. Wer Arbeit hat, hat auch viele Mäuler zu stopfen. Und nie reicht es. Kinder laufen halb angezogen auf den Straßen, in deren Mitte die Kloake läuft. Mit ausgemergelten Gesichtern suchen sie in den Abfällen nach Essen.

Mit 25 Jahren lernt Johann Hinrich Wichern als Sonntagsschullehrer die Not der Ärmsten kennen. Wo die Not am Größten ist, ist oftmals auch der Glaube dahin. So handelte er nach dem Vorsatz, zuerst muss dem Körper geholfen werden, damit der Geist lernen kann. Für den jungen Mann stand fest, diesen Kindern muss geholfen werden. Der Pastor machte es sich zur Aufgabe, sich um elternlose Kinder, insbesondere die Jungen zu kümmern.
Er gründete in dem Dorf Horn, außerhalb Hamburgs, das “Rauhe Haus”. Bei der Stiftungsgründung erhält er nicht nur Geld, sondern von einem Spender, Sieveking, ein Haus mit Grundstück. Er baute das Haus um, gab den Jungen Obdach und sorgte für deren Ausbildung.

raueshausstahlstich

Das Rauhe Haus in Horn bei Hamburg.
Stahlstich von Kurz, 1848

Wichern gründet das Familienprinzip: Mit einem Betreuer leben bis zu 12 Kinder zusammen. Der Betreuer hat hier nicht die Funktion eines Lehrers sondern soll den Kindern ein großer Bruder sein.

In dieser Anstalt der Inneren Mission brannten Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Adventsleuchter. Im Jahr 1839 hängt Wichern vor Weihnachten für die Kinder einen ersten Adventskranz auf.

Da nämlich suchte der Leiter des Rauhen Hauses nach einer optisch überzeugenden Antwort auf die alle Jahre wiederkehrende Frage seiner Zöglinge:

 

Wie lange ist es noch bis Weihnachten?

Wichernscher Adventskranz

© Roman Eisele 2017 / Wikimedia Commons

Es kam ihm die Idee, im Andachtsraum auf einem hölzernen Wagenrad 19 kleine rote Kerzen für die Werktage und vier große weiße Kerzen für die Sonntage aufzubauen. An der täglich größer werdenden Zahl brennender Kerzen wurde das Näherrücken des Weihnachtstages für die Kinder sichtbar. Der hölzerne Kerzenhalter ist der erste Beleg für einen Lichterkranz zur Adventszeit.

Wichern hielt in seinem Tagebuch fest:

„Um den Lobesspruch an der Orgel waren 23 bunte Wachslichter aufgestellt. Mit jeder Verheißung wurde eines der Lichter angezündet, so dass zuletzt alle 23 wie ein Strahlenkranz das Lob des Herrn umleuchteten. Das Ganze diente wie zur Erbauung als Stärke und Freude im Herrn.“
„Je mehr Lichter brennen, desto froher werden die Knaben und Mädchen“, notierte Wichern in seinen Aufzeichnungen. „Und brennt der volle Kranz mit allen Lichtern, dann ist er da, der heilige Christ in all seiner Herrlichkeit.“

The German Christmas Pickle Tradition

Dienstag, Dezember 7th, 2021

Zum 07. Kalendertürchen

Die eigenen Bräuche zu Festtagen kennt man oder man hat zumindest schon einmal davon gehört. Das gilt ganz besonders für Weihnachten. Kurios kann es allerdings werden, wenn in anderen Ländern vermeintliche Bräuche verbreitet werden. Einer dieser Fälle ist die deutsche Weihnachtsgurke – the German Christmas Pickle.
Ich beschäftige mich schon etliche Jahre intensiver als andere mit dem Thema Weihnachten, aber trotzdem gab es eine ‚Tradition‘, von der ich früher anie gehört habe, die sich aber in den letzten Jahren immer mehr verbreitet. Oder kennt Ihr Weihnachtsgurken und hattet so ein Ding in den Weihnachtsbäumen Eurer Kindertage hängen?

Vielleicht lag es an der damaligen Mangelwirtschaft; vielleicht kommen die Christmas Pickles aus der Gurkenhochburg des Ostens (dem Spreewald) und gingen allesamt in den Export oder… Vielleicht waren meine Eltern einfach nur Traditionsbanausen und haben dieses bedeutsame Kulturgut vor mir geheimgehalten…
Fakt ist: Weihnachtsgurken kannte ich nicht. Und Wikipedia hilft da ja immer weiter:

Eine Weihnachtsgurke ist ein aus Glas hergestellter Weihnachtsbaumschmuck in Form einer Gewürzgurke. In den USA ist es ein Weihnachtsbrauch, den Weihnachtsbaum mit einer solchen „Christmas Pickle“ etwas versteckt zwischen den Zweigen zu behängen. Durch ihre grüne Farbe ist die Gurke relativ schwer zu entdecken. Derjenige, der als erster die Weihnachtsgurke entdeckt, erhält ein zusätzliches Geschenk. Glasbläsereien bieten drei unterschiedliche Größen an, um den Schwierigkeitsgrad an das Alter der Kinder anzupassen.
Die Wurzeln des Brauches sind unklar. In den USA wird dieser Brauch als alte deutsche Tradition beschrieben. In den meisten deutschsprachigen Regionen ist die Weihnachtsgurke jedoch unbekannt.Ob die vereinzelt im deutschsprachigen Raum auftretenden Weihnachtsgurken auf eine lokale Tradition oder eine Übernahme aus den USA zurückgehen, ist unklar.

Weihnachtsgurke

To start a tradition that surely will last.
Here’s a short story about the pickle of glass.

The night before Christmas it’s hung on the tree.
While everyone’s sleeping it’s done secretly.

And on Christmas morning when you arise.
The first one to find it will get a surprise.

Gibt es noch weitere “urtypische” Weihnachtstraditionen, von denen ich noch nichts weiß und die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind? Gibt es vielleicht auch Weihnachts-tomaten? Die möchte ich natürlich dann auch kennenlernen und hier bekannt machen – so wie diese traditionell deutsche Weihnachtsgurke. In ein paar Jahren hängt dann der Baum voll mit gesundem Glasemüse.
Vermutlich ist die Weihnachtsgurke nur ein marketingtechnischer Schachzug, um den Amis mit Hilfe einer netten Geschichte ein paar Dollar aus der Tasche zu ziehen. Gelungen, sag ich mal 🙂

Möglicherweise bin ich gerade auf den wahren Hintergrund dieser altbekannten deutschen Tradition gestoßen – demnach ist Woolworth schuld:

I loved knowing about this and participating in this tradition. Since I am still attending classes at the University of Google, I was able to research more about it’s origin. My research left me feeling a little cheated […].
The fact that the legend was written in English should have been my first clue. There are a few more things wrong with the story. First, the Germans open their presents on Christmas Eve and not on Christmas morning. Secondly, St. Nicholas arrives on Dec.6th and the third and most important flaw in the legend is that the Germans have never heard of it.

In 1800 F.W. Woolworth made a trip to Germany where he fell in love with the glass blown ornaments. He began importing them to the States to sell in his stores.
Production of the glass pickle began in 1890 and it is believed to have been sent directly to the U.S. along with it’s „German tradition“.
You should have seen the look on my neighbor’s face when I showed her my “ Traditional German Pickle“ hanging in my Christmas tree.

Quelle: Torngren Blog – Die Weihnachtsgurke

Eine Gurkenlegende, die dem geneigten amerikanischen Kunden gern zum Gurkenkauf erzählt wird, führt nach Georgia zum Soldaten John Lower.
Der war gebürtiger Bayer und in seiner Heimat als Hans Lauer bekannt. Hans kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg und wurde dabei schwer verwundet. Auf dem Sterbebett liegend, so heißt es, hatte er nur noch einen letzten Wunsch: „Eine Gurke, bringt mir eine Gurke!“
Sein Wunsch wurde erfüllt, man brachte ihm eine Gurke und – oh Wunder – die Gurke gab ihm seine Kräfte zurück und Hans überlebte. Als Dank für seine Heilung versteckte er beim nächsten Weihnachtsfest eine Gurke im Baum, um dem Gurkenfinder ebenso viel Glück zu bringen. Wahr oder nicht wahr? Man weiß es nicht 🙂

Wie der Spekulatius entstand

Montag, Dezember 6th, 2021

Zum 06. Kalendertürchen

Spekulatiusform

Spekulatiusform

Dem Hausbesuch des heiligen Nikolaus beim Einkehrbrauch entspricht die bischöfliche Visitation, bei der sich der Bischof durch eigenen Augenschein von der pastoralen Verhältnissen in einer Gemeinde überzeugt. Der Bischof tritt dabei als »Spekulator« (lat. speculari = spähen, sehen, gewahr werden), Beobachter, auf und ist gleichzeitig Vorbild.

Ein spezielles Gebildebrot, der Spekulatius, scheint seinen Namen deshalb zu haben, weil es meist den Bischof, der auch den Titel »Spekulator« trug, in repräsentativer Form, oft hoch zu Ross, wiedergab.

Eine andere Ableitung bezieht sich auf lat. speculum = Spiegel, wegen der spiegelbildlichen Darstellungen, die in den Backformen eingeschnitten sind.

Der Spekulatius ist ein Formgebäck aus dem holländisch-niederrheinischen Gebiet, welches es durch die Benutzung von Modeln, in die der Teig hineingepresst wird, entsteht. Dargestellt werden der Heilige, Szenen der Legende und regionale Motive.

Die Modeln aus Holz und Ton lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Herstellung war aufgrund der hohen Gewürzpreise bis nach dem zweiten Weltkrieg recht teuer und das Gebäck für die breite Bevölkerung nicht immer erschwinglich. Es hatte den Ruf einer exotischen und wertvollen Spezialität, wird aber seit Jahren auch zu St. Martin, im Advent und Weihnachten gereicht.

nach Informationen von nikolaus-von-myra.de

Dies und das zur traditionellen Feuerzangenbowle

Samstag, Dezember 4th, 2021

Zum 04. Kalendertürchen

HR - Poster

HR – Poster

Sie ist das romantische Getränk der kalten Jahreszeit: die Feuerzangenbowle.
Ursprünglich wurde für die Feuerzangenbowle die sogenannte Feuerzange verwendet. Mit diesem Gerät aus dem Kaminbesteck konnten dem Herd- oder Kaminfeuer glühende Holzkohlen z. B. zum Anzünden der Pfeife entnommen werden. Mit der Feuerzange wurde ein Brocken Zucker gepackt, mit Rum übergossen und angezündet. Zucker wurde früher in Zuckerhüten geliefert, die viel größer und härter waren als die heute ausschließlich für Feuerzangenbowle hergestellten Zuckerhüte. Für die meisten Zwecke musste der Hutzucker erst mühevoll zerkleinert werden.

Bei Studentenverbindungen wird seit dem 19. Jahrhundert aufgrund der Farbähnlichkeit für Feuerzangenbowle auch der Begriff Krambambuli verwendet. Dieser wird heute in der Regel im Rahmen von Filmabenden zum Film Feuerzangenbowle (siehe Abschnitt unten) serviert oder – insbesondere in Österreich und auch in der Schweiz – bei speziellen Kneipen.

Die weltweit größte Feuerzangenbowle wurde im Dezember 2005 in München am Isartor vorgestellt. Dabei wurden 9000 Liter Punsch in einem etwa 3,4 Meter hohen Edelstahlkessel in Kupferoptik[1] mit 2,5 Meter Durchmesser gemischt und beheizt.[2] Die Feuerzangenbowle wird mit einer Trinktemperatur von ca. 70 °C ausgeschenkt und der Kessel strahlt – in den zugewandten Gesichtern der Umstehenden spürbar – Wärme ab. Des Weiteren überwiegt an der freien Flüssigkeitsoberfläche die Verdunstungskälte die Wärmewirkung des Rumfeuers am oberhalb liegenden Zuckerhut, sodass laufend mit entsprechend großer Leistung elektrisch geheizt werden muss. Der laufenden Abreicherung von Alkohol durch Abdampfen wird durch Nachfüllen von Wein und Zugabe von Rum gegengesteuert. Sie wird seitdem jeden Winter in dieser Größe am selben Ort angeboten (Stand: Dezember 2019).

Welche Wirkung die heiße Mischung aus Rum, Rotwein und Zuckerhut haben kann, wissen Filmfans spätestens seit dem Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann. In der Anfangsszene des Films trinkt eine Runde älterer Herren Feuerzangenbowle und sinniert über ihre Schulzeit. Nur einer, der eher reservierte Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer, kann nicht mitreden, da er als Kind von einem Privatlehrer unterrichtet wurde. So wird beschlossen, dass Pfeiffer noch einmal zur Schule, diesmal auf ein „richtiges“ Gymnasium, gehen soll.

Um das belebende Punschgetränk nachmachen zu können, reicht schon ein Kochtopf, eine Kelle und ein feuerfestes Sieb (zur Not tut es auch eine alte gebogenen Kartoffelreibe aus Metall), worauf man den Zuckerhut legen kann. Zur Vermeidung von Stichflammen wird der Rum nicht direkt aus der Flasche, sondern dosiert aus einer Schöpfkelle nachgegossen. Schöner ist ein Kupferkessel mit Feuerzange…

Wohin mit dem Wunschzettel – 2021?!

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Zum 02. Kalendertürchen

Abgesehen davon, dass wohl jedes Kind Wunschzettel malt und die an Eltern oder Großeltern weitereicht, wollen manche Kinder zur Sicherheit den Weihnachtsmann direkt anschreiben. dear_santa

In Deutschland hat alles (zumindest was die Wunschzettelbearbeitung angeht) seine Ordnung… sollte man meinen. Aber ganz so heil ist die Wunschzettelwelt nicht mehr:

In jüngster Zeit sind einige Weihnachtspostfilialen unter Druck geraten, da die Deutsche Post AG ihr Filialnetz zunehmend verkleinert und in diesem Zusammenhang dazu übergegangen ist, ihre Niederlassungen in kleineren Orten oder Stadtteilen zu schließen. So wurde beispielsweise das „Himmlische Postamt“ im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür, das 1967 erstmals als Weihnachtspostamt fungierte und damit als das älteste Weihnachtspostamt Deutschlands gilt, von der Post aufgegeben. Die weihnachtliche Tradition wurde allerdings bislang beibehalten: Briefe „an den Weihnachtsmann in Himmelsthür“ werden weiterhin beantwortet.

Quelle: Wikipedia


Adressen für Wunschzettel in Deutschland:

Jahrelang konnte ich auf meinen Seiten die Adresse von Santa Claus in Grönland veröffentlichen – bis 2011.

Der Briefkasten in Nuuk

Der Briefkasten in Nuuk

In dem Jahr kam die Meldung, dass der Weihnachtsmann mit dem schönen großen Briefkasten, der bis dahin in Nuuk stand und den Ihr beim Klick auf das kleine Foto in voller Pracht sehen könnt, Konkurs anmelden musste.

Im Dezember 2012 soll Santa nach Ilulissat gezogen sein, aber derzeit bemüht man sich in Uummannaq, dem Weihnachtsmann ein neues Zuhause dort anzubieten, wo er bereits eine Residenz haben soll. Hoffen wir, das Santa Claus irgendwo wieder seßhaft wird und sein großer Briefkasten wieder eine ordentliche Adresse hat.
Derweil sorgt die dänische Post dafür, dass Wunschzettel nicht ins Leere gehen, vielleicht gibt es einen Nachsendeauftrag? Man schreibe an folgende Anschrift:

JULEMANDEN / SANTA CLAUS
2412
GRØNLAND
JULEMANDEN / SANTA CLAUS
JULEMANDENS POSTCENTER 24
0900 KØBENHAVN C

Die Postadressen für Santa&Co im Rest der Welt findest Du im Kalendertürchen.

Zum 02. Kalendertürchen

Adventskalender 2021

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Zum 01. Kalendertürchen

Am 1. Dezember beginnt alljährlich ein Ritual, das sich an den folgenden 23 Tagen wiederholt: Am Adventskalender wird ein Türchen geöffnet. Dahinter erscheint dann ein Bild oder ein kleines Geschenk. Millionen der Tagezähler bis Weihnachten stehen in den Wohnungen. Die gelten als deutsche Erfindung.

Strohhalme, Kreidestriche und Kerzen

Uwe Mann von Velzen von der evangelischen Stiftung „Das Rauhe Haus“ in Hamburg sieht den Adventskalender jedoch schon in dem Adventskranz mit 24 Kerzen, den der Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 in dieser Einrichtung für verwahrloste Kinder aufgehängt hat. „Damit wollte Wichern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest als Weg aus der Dunkelheit ins Licht veranschaulichen.“
Arme Familien konnten sich im 19. Jahrhundert einen Adventskranz nicht leisten. Sie machten Kreidestriche an die Tür und wischten täglich einen weg. Oder die Kinder durften je einen Strohhalm in die Krippe legen, um dem Christuskind ein weiches Bett zu bereiten. Weitere Formen sind die Weihnachtsuhr, oder aber eine Adventskerze die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte. „Hinter allem steckte bei den christlichen Familien das pädagogische Ziel, die Kinder entsprechend auf das Weihnachtsfest vorzubereiten“, unterstreicht Mann van Velzen.

Ein sehr frühe Form des Adventskalenders ist diese Weihnachtsuhr (1902).
Hallo Karl-Martin, bist Du da? Ich glaube schon (Auf Deine Nachfrage hin hatte ich vor Jahren Informationen zur Adventsuhr gesucht und ergänzend eingefügt.

http://www.merrytheschristmascollection.be/papadventcalendars.htm

Die erste Adventsuhr hatte den Namen “Weihnachtsuhr für Kinder”.
Sie wurde 1902 im Auftrag von Johannes Schrodt, Frankfurt bei der Evangelischen Buchhandlung in Hamburg herausgegeben.
Das Zifferblatt umfasste allerdings nur 12 Tage (vom 13. bis 24.) und nicht wie heute meist üblich vom 1. – 24. und jedem der zwölf Tage war ein Liedanfang (z.B. “Ihr Kinderlein kommet” oder “Alle Jahre wieder”) oder aber auch ein Bibelspruch zugeordnet.
In der Mitte des Zifferblattes der ersten Weihnachtsuhr war ein erleuchteter Tannenbaum zu sehen mit Rehlein und Hase am unteren Bildrand.
Ein Exemplar hängt im Weihachtshaus in Husum.

Diese Uhr hier ist eine ’neuere Ausgabe‘, von der St. Johanis-Druckerei in Dinglingen (Stadtteil von Lahr) aus 1922. Ich hatte wegen der Grafik Kontakt zu einem Sammler von alten Adventskalendern – der hatte all seine Schätze fotografiert. Ausserdem gibt es ein Buch, das an die alte Weihnachtsuhr erinnert… man bekommt es aber nur noch gebraucht z.B. über ZVAB:

Die Weihnachtsuhr. Geschichten, Gedichte, Rezepte
Hans Christians Verlag 1988, ISBN 3-7672-1050-9

1903 hatte der Verleger Gerhard Lang die Idee für eine erste Vorform eines Adventskalenders. Zeichnerisch umgesetzt wird diese von Richard Ernst Kepler. Die ‚Fenster‘ enthielten weihnachtliche Verse und konnten nach und nach mit Sammelbildern überklebt werden.

Im Lande des Christkinds 1903

Weitere Informationen zur Geschichte der Adventskalender gesucht? Gerne doch 🙂

Eiskrippe im Landhaushof Graz

Dienstag, November 30th, 2021

Seit 1996 wird im schönsten Renaissance-Hof von Graz, dem Landhaushof, nach Idee und Plan von Gert J. Hödl mit seinem internationalen Eisschnitzer-Team eine weltweit einzigartige Weihnachtskrippe aus klarem Eis errichtet. Mittlerweile gilt sie als Klassiker des Grazer Advents, der jedes Jahr mit Spannung erwartet wird.
Diese „Eiskrippe“ mit lebensgrossen Figuren und der gewaltigen Eiskonstruktion aus rund 50 Tonnen kristallklarem Eis hat sich binnen weniger Jahre zum absoluten Publikumshit für den Advent in Graz entwickelt und ist zweifellos auch in diesem Jahr wieder ein einzigartiges und vergängliches Kunstwerk.

Öffnungszeiten: 27.11.2021 – 06.01.2022

Eiskrippe © Bernhard Pfeifer, Graz

Eiskrippe 2006, Foto © Bernhard Pfeifer, Graz

Bis 2011 hatte ich von dieser Krippe noch nichts gehört, aber dann machte mich Karin aufmerksam, die schon einige Jahre hier mitliest. Ich fing an, gute Fotos zu suchen, aber entweder darf man sie nicht verwenden oder war die Krippe schon arg angetaut…
Aber dann fand ich Bilder, die gefielen, fand auch eine Mailadresse zum Fotografen und bedanke mich jetzt bei Bernhard Pfeifer. Ich hoffe, er verzeiht meine Nachbearbeitung…

Erster Advent – 2021

Sonntag, November 28th, 2021

1.Advent

Die erste Kerze brennt für Stille,
für Ruhe und Gemütlichkeit
für Herzlichkeit und für den Willen,
zu leben in Behaglichkeit.

~

bedadvent.gif

Das Wort Advent kommt vom lateinischen ‚advenire‘ und bedeutet ‚ankommen‘.
Gemeint ist die Ankunft des Sohnes Gottes, die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem zu Weihnachten.
Seit dem 5. Jahrhundert haben die Christen erkannt, advenire - ankommendass das Kind in der Krippe bei ihnen nur ‚ankommen‘ kann, wenn sie sich gründlich darauf vorbereiten.

Dem Weihnachtsfest wurde also eine Vorbereitungszeit vorangestellt, die ursprünglich sechs Wochen dauerte und am Tag nach dem Martinsfest (am 11. November) begann. Erst später wurde diese Zeit auf vier Sonntage verkürzt.

Heute nun brennt das erste Licht, wenn auch die eigentliche kirchliche Adventszeit schon lange angefangen hat. Die weltlichen und die kirchlichen Bräuche der Adventszeit sind eng miteinander verbunden. Im Laufe der Zeit vermischten sich kirchliche mit altgermanischen Bräuchen; jedoch blieben die Lieder und Spiele sowie die Feste der Heiligen Martin, Katharina, Andreas, Barbara, Nikolaus, Luzia oder Thomas bis heute erhalten. Besonders verbreitet sind noch heute Adventskalender und der Adventskranz. advenire - ankommen

Die Adventszeit

Schon im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt wurde von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt.
Die 4 Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten mußte. Durch Übernahme gallischen Brauchtums war die Adventszeit zur Buß- und Fastenzeit geworden. Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr.

Zur Adventszeit sind die Straßen der Städte hell beleuchtet. Überall hängen Lichterketten und bunter Schmuck. In den Fenstern hängen Sterne und andere Figuren aus Papier und aus vielen Küchen kommt ein schöner Duft: die Menschen fangen an, Plätzchen und besondere Weihnachtskuchen zu backen, und zahlreiche Weihnachtsmärchen werden erzählt. Auf den Bühnen finden zur Adventszeit passende Konzerte und Schauspiele statt.  In Deutschland sind in der Adventszeit in vielen Städten  die Weihnachtsmärkte geöffnet.