Christmas Lights

Zum 10. Kalendertürchen

Weihnachtsbeleuchtung - wer hat sie erfunden?

Im Jahre 1882, nur drei Jahre nach der Erfindung der ersten Glühbirne durch Thomas Edison (1879) kam Edward Johnson, ein Geschäftspartner Edisons, auf den Gedanken, den Weihnachtsbaum in seinem Wohnzimmer elektrisch zu beleuchten. Er lud die staunende Presse in sein Haus nach New York City ein, der Baum erregte einiges Aufsehen. Ein Reporter namens Croffut veröffentlichte in der „Detroit Post“ und in der „Tribune“ einen Artikel über den Baum:

Letzten Abend ging ich hinüber in die 5th Avenue, denn ich war in die Residenz von Edward H. Johnson, dem Vizepräsident von Edison Electric Company, eingeladen.
Dort am anderen Ende des wunderschönen Salons präsentierte sich ein wunderschöner großer Weihnachtsbaum und bot eine malerischen, aber auch unheimlichen Anblick.
Er war mit vielen bunten Kugeln hell erleuchtet, die etwa so groß waren wie englische Walnüsse und er drehte sich etwa 6 mal in der Minute auf einer kleinen Kiste aus Kiefer. An ihm brannten 80 Lichter, alle je in eine zierliche Glaskugeln gehüllt, die gleichmäßig in die Farben Weiß, Rot und Blau aufgeteilt waren. Die Farben wechselten ständig während der Baum sich drehte und bei jeder Umdrehung gingen die Lämpchen einmal aus und wieder an. Das Ergebnis war ein kontinuierliches Blinken von tanzenden Farben über den ganzen Abend.

Ich muss Ihnen nicht sagen, dass das schillernde Immergrün ein schöner Anblick war, man kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen. Unter der Decke waren zwei schräg gekreuzte Drähte aufgehängt, an denen weitere 28 kleine Lichter hingen. Diese Lichter und der fantastische Baum selbst mit seinen sternenhimmelartigen Früchten wurden mit Strom angetrieben, der über einen hauchdünnen Draht aus dem Hauptbüro kam. Der Baum wurde von einem in der Kieferkiste versteckten Motor gedreht. Es war eine großartige Vorführung!

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Johnsons Christmas Tree
Foto vm 25.12.1882

Johnsons Baum war für die damalige Zeit natürlich etwas ganz Neues. Interessanterweise berichtete keine der lokalen New Yorker Zeitungen davon.
1884 stellte Johnson seinen ursprünglichen Lichterbaum mit deutlichen Verbesserungen erneut vor. Davon wurde in der New York Times berichtet, allerdings wurde dabei hauptsächlich auf technische Details eingegangen.

Elisabeth Chester Fisk aus Montana schrieb 29.12.1891 einen Brief an ihre Eltern in Connecticut. Darin beschreibt sie: „… wir beleuchteten den Baum mit elektrischem Licht. Der Effekt war gut, wir mussten keine Kerzen überwachen und keine Wachsspuren vom Tepich oder von den Geschenken putzen.“

Quelle: Sam Travers – Christmas in the Old West, Seite 155

Im Jahr 1895 präsentierte Präsident Cleveland stolz den ersten elektrisch beleuchteten Weihnachtsbaum im Weißen Haus. Es war eine Sensation mit mehr als hundert bunten Lichtern und das Land nahm davon Notiz…
Allerdings war das öffentliche Stromnetz damals nur in den Großstädten ausgebaut, alle anderen erzeugten ihren Strom noch selbst mit Haushaltsgeneratoren. Obendrein brauchte man einen ‚wireman‘, also einen Elektriker, denn kaum jemand wollte oder konnte die Verkabelung all dieser Lichter am Baum selbst vornehmen.

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Werbeanzeige vom 28.11. 1900
im Scientific American Magazine

Steckdosen waren noch nicht erfunden, weshalb die Verdrahtung ein aufwendiges Unterfangen war. Insofern blieben die elektrisch beleuchteten Bäumen den Reichen vorbehalten – obwohl das Publikum fasziniert war, konnte die Funktionalität der Baumbeleuchtung noch nicht überzeugen.

Um 1900 bewirbt Edison Miniaturversion seiner elektrischen Glühbirne im bekannten Magazinen. In den Anzeigen werden die Mini-Glühbirnen zur Miete oder zum Kauf angeboten, aber die Baumbeleuchtung war vor der Entwicklung der ersten vorverdrahteten Lichterketten nicht wirklich praktisch.
Diese wurden 1903 von der General Electric Company bekannt gemacht. GE versuchte, sich diese Idee patentieren zu lassen, aber das Patent wurde abgelehnt mit Verweis darauf, dass die Idee einfach nur auf dem Wissen eines jeden guten ‚wireman‘ basiert – und das war nicht patentfähig. Das hatte zur Folge, dass der Markt nun allen offen stand, jedes Unternehmen konnte jetzt Weihnachtslichterketten herstellen und verkaufen. Viele Unternehmen taten natürlich genau das und die amerikanische Weihnachtslichterindustrie war geboren.

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Erste in Amerika zum Verkauf angebotene Weihnachtsbeleuchtung, ca. 1903/1904

Ab 1890 gab es auch bei uns die ersten elektrischen Weihnachtsbeleuchtungen, die aber zunächst nur in der Öffentlichkeit Verwendung fanden. Bereits ab 1900 wurden bei der Fa. Kremetzky in Wien Glühbirnchenen in Form von Früchten, Vögeln, anderen Tieren und menschlichen Figuren erzeugt.

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