Archive for the ‘Wissenswertes’ Category

Schneekugeln – 1

Donnerstag, Dezember 11th, 2025

Zum 11. Kalendertürchen

Verschneite Welten unter Glas

“Rosebud” murmelt Orson Welles in der berühmten Schlüsselszene seines Filmklassikers “Citizen Kane”, als ihm eine Schneekugel aus der Hand fällt. Die an eine Kindheitsidylle erinnernde Glaskugel stammte aus Wien, aus der Produktion der Firma Perzy.

citizen kane

Eine der ältesten historisch bekannten Schneekugeln war 1878 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen.
Die ‚Erfindung‘ der heute bekannten Schneekugel ist allerdings einem Zufall zu verdanken. Erwin Perzy, Chirurgieinstrumentenmechaniker und Erfinder, war gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach einer besseren Lichtquelle für Operationssäle, als er zuerst Glasflitter, dann Gries in eine wie eine Lupe wirkende Schusterkugel füllte. Zwar hielt sich der erhoffte Reflexionseffekt in Grenzen, stattdessen erinnerte der langsam im Wasser zu Boden sinkende Gries aber an fallenden Schnee.

schusterlampe

Das erste Schneekugel-Motiv war die Mariazeller Kirche. Perzy hatte ein kleines Modell des Gotteshauses bereits für einen Freund angefertigt, bevor er sie versuchshalber in die mit Wasser und Gries gefüllte Kugel steckte – die “Glaskugel mit Schneeeffekt” war geboren.
Das war der Moment, in dem der Siegeszug der “Original Wiener Schneekugeln” weltweit begann. Perzy hatte sie vielleicht nicht wirklich erfunden, aber er ließ sich die Schneekugel als “Glaskugel mit Schnee-Effekt” patentieren.

Quelle: Der Standart

Es gibt allerdings noch jemanden, der die Erfindung der kleinen Zauberwelten für sich beansprucht, dazu allerdings komme ich an einem anderen Tag 😉

Christmas Lights

Mittwoch, Dezember 10th, 2025

Zum 10. Kalendertürchen

Weihnachtsbeleuchtung - wer hat sie erfunden?

Im Jahre 1882, nur drei Jahre nach der Erfindung der ersten Glühbirne durch Thomas Edison (1879) kam Edward Johnson, ein Geschäftspartner Edisons, auf den Gedanken, den Weihnachtsbaum in seinem Wohnzimmer elektrisch zu beleuchten. Er lud die staunende Presse in sein Haus nach New York City ein, der Baum erregte einiges Aufsehen. Ein Reporter namens Croffut veröffentlichte in der „Detroit Post“ und in der „Tribune“ einen Artikel über den Baum:

Letzten Abend ging ich hinüber in die 5th Avenue, denn ich war in die Residenz von Edward H. Johnson, dem Vizepräsident von Edison Electric Company, eingeladen.
Dort am anderen Ende des wunderschönen Salons präsentierte sich ein wunderschöner großer Weihnachtsbaum und bot eine malerischen, aber auch unheimlichen Anblick.
Er war mit vielen bunten Kugeln hell erleuchtet, die etwa so groß waren wie englische Walnüsse und er drehte sich etwa 6 mal in der Minute auf einer kleinen Kiste aus Kiefer. An ihm brannten 80 Lichter, alle je in eine zierliche Glaskugeln gehüllt, die gleichmäßig in die Farben Weiß, Rot und Blau aufgeteilt waren. Die Farben wechselten ständig während der Baum sich drehte und bei jeder Umdrehung gingen die Lämpchen einmal aus und wieder an. Das Ergebnis war ein kontinuierliches Blinken von tanzenden Farben über den ganzen Abend.

Ich muss Ihnen nicht sagen, dass das schillernde Immergrün ein schöner Anblick war, man kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen. Unter der Decke waren zwei schräg gekreuzte Drähte aufgehängt, an denen weitere 28 kleine Lichter hingen. Diese Lichter und der fantastische Baum selbst mit seinen sternenhimmelartigen Früchten wurden mit Strom angetrieben, der über einen hauchdünnen Draht aus dem Hauptbüro kam. Der Baum wurde von einem in der Kieferkiste versteckten Motor gedreht. Es war eine großartige Vorführung!

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Johnsons Christmas Tree
Foto vm 25.12.1882

Johnsons Baum war für die damalige Zeit natürlich etwas ganz Neues. Interessanterweise berichtete keine der lokalen New Yorker Zeitungen davon.
1884 stellte Johnson seinen ursprünglichen Lichterbaum mit deutlichen Verbesserungen erneut vor. Davon wurde in der New York Times berichtet, allerdings wurde dabei hauptsächlich auf technische Details eingegangen.

Elisabeth Chester Fisk aus Montana schrieb 29.12.1891 einen Brief an ihre Eltern in Connecticut. Darin beschreibt sie: „… wir beleuchteten den Baum mit elektrischem Licht. Der Effekt war gut, wir mussten keine Kerzen überwachen und keine Wachsspuren vom Tepich oder von den Geschenken putzen.“

Quelle: Sam Travers – Christmas in the Old West, Seite 155

Im Jahr 1895 präsentierte Präsident Cleveland stolz den ersten elektrisch beleuchteten Weihnachtsbaum im Weißen Haus. Es war eine Sensation mit mehr als hundert bunten Lichtern und das Land nahm davon Notiz…
Allerdings war das öffentliche Stromnetz damals nur in den Großstädten ausgebaut, alle anderen erzeugten ihren Strom noch selbst mit Haushaltsgeneratoren. Obendrein brauchte man einen ‚wireman‘, also einen Elektriker, denn kaum jemand wollte oder konnte die Verkabelung all dieser Lichter am Baum selbst vornehmen.

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Werbeanzeige vom 28.11. 1900
im Scientific American Magazine

Steckdosen waren noch nicht erfunden, weshalb die Verdrahtung ein aufwendiges Unterfangen war. Insofern blieben die elektrisch beleuchteten Bäumen den Reichen vorbehalten – obwohl das Publikum fasziniert war, konnte die Funktionalität der Baumbeleuchtung noch nicht überzeugen.

Um 1900 bewirbt Edison Miniaturversion seiner elektrischen Glühbirne im bekannten Magazinen. In den Anzeigen werden die Mini-Glühbirnen zur Miete oder zum Kauf angeboten, aber die Baumbeleuchtung war vor der Entwicklung der ersten vorverdrahteten Lichterketten nicht wirklich praktisch.
Diese wurden 1903 von der General Electric Company bekannt gemacht. GE versuchte, sich diese Idee patentieren zu lassen, aber das Patent wurde abgelehnt mit Verweis darauf, dass die Idee einfach nur auf dem Wissen eines jeden guten ‚wireman‘ basiert – und das war nicht patentfähig. Das hatte zur Folge, dass der Markt nun allen offen stand, jedes Unternehmen konnte jetzt Weihnachtslichterketten herstellen und verkaufen. Viele Unternehmen taten natürlich genau das und die amerikanische Weihnachtslichterindustrie war geboren.

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Erste in Amerika zum Verkauf angebotene Weihnachtsbeleuchtung, ca. 1903/1904

Ab 1890 gab es auch bei uns die ersten elektrischen Weihnachtsbeleuchtungen, die aber zunächst nur in der Öffentlichkeit Verwendung fanden. Bereits ab 1900 wurden bei der Fa. Kremetzky in Wien Glühbirnchenen in Form von Früchten, Vögeln, anderen Tieren und menschlichen Figuren erzeugt.

Freitag, Dezember 5th, 2025

Zum 05. Kalendertürchen


Schon als ich klein war, hing bei meinen Eltern in der Weihnachtszeit immer solch ein Stern und auch später, nachdem ich selbst ausgezogen war und eine eigene Familie hatte, gab es nur ein einziges Jahr ohne Stern für mich. Es gehört einfach in die Adventszeit, die Schachtel mit den einzelnen Zacken hervorzukramen und diese zum Stern zusammenzubauen. Dieser Papierstern war, wie ganz viele andere Dinge auch, zu DDR-Zeiten ohne Beziehungen fast nicht aufzutreiben.

Ein Großteil der Produktion des VEB Oberlausitzer Stern- und Lampen-schirmfabrik ging über den zentralen Außenhandel der DDR in den Export nach Westdeutschland sowie Finnland. Weil die Produktion der Adventssterne offenbar nicht in die Produktionspalette eines sozialistischen Betriebs passte, wurde die zuvor enteignete Sternherstellung nach 18 Jahren wieder an die Brüder-Unität zurückgegeben. Allerdings blieben staatliche Planvorgaben erhalten: Material wurde zugeteilt, die Zahl der Mitarbeiter und die Zahl der zu produzierenden Sterne vorgegeben.

Gelesen ~2009 in der Sächsischen Zeitung

Irgendwann Anfang der 90er Jahre war ich in einem Regionalverlag in der Oberlausitz beschäftigt und bin in dem Zusammenhang einmal in einer Werkstatt gewesen, in der Behinderte mit der Herstellung dieser Sterne beschäftigt waren.

Herrnhuter_Sterne, Foto: Ulrich van Stipriaan - Danke

Foto: Ulrich van Stipriaan – und inzwischen hat es dieses alte Foto bis auf Wikipedia geschafft 😉

Brauchtum, Weihnachtsheilige

Donnerstag, Dezember 4th, 2025

Zum 04. Kalendertürchen

Frühlingsblühen mit Barbarazweigen

Viele Bräuche haben sich aus der Heiligenverehrung entwickelt, am bekanntesten und der wohl am meisten gepflegte Brauch ist das Schneiden von Blütenzweigen am 4. Dezember. Im warmem Zimmer öffnen sich schon sehr bald die zum Blühen verführten Knospen.
Verwendet wird klassischerweise ein Kirschzweig, es gehen aber auch Zweige von Apfel, Birke, Forsythien, Haselnuss, Holunder, Kastanien, Mandel, Pflaumen, Rotdorn, Schlehen, Hartriegel, Weiden, Seidelbast, Zierkirschen, Scheinquitte, Echtem Jasmin, Zieräpfel, Zaubernusszweige oder sonstige frühblühenden Gehölze. Man sollte man allerdings nur Zweige mit vielen Knospen abschneiden. Als Blühimpuls werden sie über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt, am nächsten Tag in eine Vase gestellt und sollten am 24. Dezember blühen.
Ob die Barbarazweige wirklich aufblühen, hängt vom Wetter ab. Sie blühen nur, wenn es vor dem Schneiden Temperaturen um den Gefrierpunkt gegeben hat. Hat es noch nicht gefroren, kann man die Zweige für einige Stunden in die Gefriertruhe legen. Danach einen Tag lang in handwarmes Wasser legen, erst dann in die Vase stellen.

Dieser Brauch wurde offensichtlich aus dem Brauchtum der “germanischen Lebensrute” übernommen und ist somit haben die blühenden Zweige vielfach die Funktion eines Orakels: Sie sind ein Indiz für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr, für eine gute Ernte, oder für Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch.
Junge Mädchen stellten die Zweige mit dem Namen ihrer “Favoriten” ans Fenster. Bei wem der Zweig vertrocknete, war nichts mehr zu hoffen; bei den anderen dagegen sah es gut aus.
Hochzeitorakel: Für jeden “Kandidaten” (männlich und weiblich) einen Zweig in eine Vase stellen. Die Namen auf ein Kärtchen schreiben und an den Zweig hängen. Und dann beobachten, an wessen Zweige die Knospen zuerst aufblühen – ob die beiden zusammen passen?
Zu Weihnacht schloß man aus der Anzahl der Blüten auf die Fruchtbarkeit bzw. das Wetter des darauffolgenden Jahres.

Den Brauch gibt es auch in abgewandelter Form in Niederösterreich. – Dort erhält jedes Mitglied der Familie einen eigenen Barbarazweig, um daran sein ganz persönliches Glück ablesen zu können. Vor allem junge Mädchen achten bereits beim Schneiden der Barbarazweige darauf, einen Zweig mit vielen Blütenknospen auszuwählen. – Denn der Volksglaube besagt, je reicher ihr Barbarazweig blüht, desto früher werden sie heiraten.

Die christliche Interpretation ist dagegen weit weniger bekannt: ‘Die Zweige erinnern an das Martyrium der heiligen Barbara. Daran, dass sie ihren Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod auch unter dem Druck der sie umgebenden Gefängnismauern nicht aufgegeben hat und vor allem auch nicht an die bevorstehende Geburt Jesu.’

Adventskalender 2025

Montag, Dezember 1st, 2025

Zum 01. Kalendertürchen

Am 1. Dezember beginnt alljährlich ein Ritual, das sich an den folgenden 23 Tagen wiederholt: Am Adventskalender wird ein Türchen geöffnet. Dahinter erscheint dann ein Bild oder ein kleines Geschenk. Millionen der Tagezähler bis Weihnachten stehen in den Wohnungen. Die gelten als deutsche Erfindung.

Strohhalme, Kreidestriche und Kerzen

Uwe Mann von Velzen von der evangelischen Stiftung „Das Rauhe Haus“ in Hamburg sieht den Adventskalender jedoch schon in dem Adventskranz mit 24 Kerzen, den der Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 in dieser Einrichtung für verwahrloste Kinder aufgehängt hat. „Damit wollte Wichern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest als Weg aus der Dunkelheit ins Licht veranschaulichen.“
Arme Familien konnten sich im 19. Jahrhundert einen Adventskranz nicht leisten. Sie machten Kreidestriche an die Tür und wischten täglich einen weg. Oder die Kinder durften je einen Strohhalm in die Krippe legen, um dem Christuskind ein weiches Bett zu bereiten. Weitere Formen sind die Weihnachtsuhr, oder aber eine Adventskerze die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte. „Hinter allem steckte bei den christlichen Familien das pädagogische Ziel, die Kinder entsprechend auf das Weihnachtsfest vorzubereiten“, unterstreicht Mann van Velzen.

Ein sehr frühe Form des Adventskalenders ist diese Weihnachtsuhr (1902).
Hallo Karl-Martin… Der Abschnitt geht auf Deine Kappe.

http://www.merrytheschristmascollection.be/papadventcalendars.htm

Die erste Adventsuhr hatte den Namen “Weihnachtsuhr für Kinder”.
Sie wurde 1902 im Auftrag von Johannes Schrodt, Frankfurt bei der Evangelischen Buchhandlung in Hamburg herausgegeben.
Das Zifferblatt umfasste allerdings nur 12 Tage (vom 13. bis 24.) und nicht wie heute meist üblich vom 1. – 24. und jedem der zwölf Tage war ein Liedanfang (z.B. “Ihr Kinderlein kommet” oder “Alle Jahre wieder”) oder aber auch ein Bibelspruch zugeordnet.
In der Mitte des Zifferblattes der ersten Weihnachtsuhr war ein erleuchteter Tannenbaum zu sehen mit Rehlein und Hase am unteren Bildrand.
Ein Exemplar hängt im Weihachtshaus in Husum.

Diese Uhr hier ist eine ’neuere Ausgabe‘, von der St. Johanis-Druckerei in Dinglingen (Stadtteil von Lahr) aus 1922. Ich hatte wegen der Grafik Kontakt zu einem Sammler von alten Adventskalendern – der hatte all seine Schätze fotografiert. Ausserdem gibt es ein Buch, das an die alte Weihnachtsuhr erinnert… man bekommt es aber nur noch gebraucht z.B. über ZVAB:

Die Weihnachtsuhr. Geschichten, Gedichte, Rezepte
Hans Christians Verlag 1988, ISBN 3-7672-1050-9

1903 hatte der Verleger Gerhard Lang die Idee für eine erste Vorform eines Adventskalenders. Zeichnerisch umgesetzt wird diese von Richard Ernst Kepler. Die ‚Fenster‘ enthielten weihnachtliche Verse und konnten nach und nach mit Sammelbildern überklebt werden.

Im Lande des Christkinds 1903

Weitere Informationen zur Geschichte der Adventskalender gesucht? Gerne doch 🙂

Erster Advent – 2025

Sonntag, November 30th, 2025

1.Advent

Die erste Kerze brennt für Stille,
für Ruhe und Gemütlichkeit
für Herzlichkeit und für den Willen,
zu leben in Behaglichkeit.

~

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Das Wort Advent kommt vom lateinischen ‚advenire‘ und bedeutet ‚ankommen‘.
Gemeint ist die Ankunft des Sohnes Gottes, die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem zu Weihnachten.
Seit dem 5. Jahrhundert haben die Christen erkannt, advenire - ankommendass das Kind in der Krippe bei ihnen nur ‚ankommen‘ kann, wenn sie sich gründlich darauf vorbereiten.

Dem Weihnachtsfest wurde also eine Vorbereitungszeit vorangestellt, die ursprünglich sechs Wochen dauerte und am Tag nach dem Martinsfest (am 11. November) begann. Erst später wurde diese Zeit auf vier Sonntage verkürzt.

Heute nun brennt das erste Licht, wenn auch die eigentliche kirchliche Adventszeit schon lange angefangen hat. Die weltlichen und die kirchlichen Bräuche der Adventszeit sind eng miteinander verbunden. Im Laufe der Zeit vermischten sich kirchliche mit altgermanischen Bräuchen; jedoch blieben die Lieder und Spiele sowie die Feste der Heiligen Martin, Katharina, Andreas, Barbara, Nikolaus, Luzia oder Thomas bis heute erhalten. Besonders verbreitet sind noch heute Adventskalender und der Adventskranz. advenire - ankommen

Die Adventszeit

Schon im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt wurde von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt.
Die 4 Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten mußte. Durch Übernahme gallischen Brauchtums war die Adventszeit zur Buß- und Fastenzeit geworden. Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr.

Zur Adventszeit sind die Straßen der Städte hell beleuchtet. Überall hängen Lichterketten und bunter Schmuck. In den Fenstern hängen Sterne und andere Figuren aus Papier und aus vielen Küchen kommt ein schöner Duft: die Menschen fangen an, Plätzchen und besondere Weihnachtskuchen zu backen, und zahlreiche Weihnachtsmärchen werden erzählt. Auf den Bühnen finden zur Adventszeit passende Konzerte und Schauspiele statt.  In Deutschland sind in der Adventszeit in vielen Städten  die Weihnachtsmärkte geöffnet.

Martinstag – Beginn der kirchlichen Weihnachtszeit

Freitag, November 11th, 2022

Der Heilige Martin - Martin von Tours

Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

An einem Februarmorgen kehrte der 22jährige Martin mit seinem Burschen von einem nächtlichen Ritt heim. Es war ein harter Winter mit klirrendem Frost, und ein heftiger Schneesturm blies den Reitern ins Gesicht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Gerade als die beiden zum Stadttor hineinwollten, schwankte aus einer Nische im Torbogen ein zerlumpter und vor Kälte zitternder Bettler hervor. Das zerfetzte Gewand bedeckte kaum seine Blöße, er schien halb erstarrt vor Frost. „Eine Gabe, guter Herr“, bettelte der Fremde. Martin hatte kein Geld bei sich, weil er gerade seinen ganzen Sold an arme Bauern verschenkt hatte, damit sie ihre Steuern zahlen konnten. So nahm er seinen weiten Mantel und halbierte ihn mit einem Schwertstreich. Die eine Hälfte warf er dem Bettler über die Schultern. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

Die Legende sagt, dass Martin wegen seiner Wohltätigkeit überall bekannt war. Als der Bischof von Tours starb, wollte man Martin zum Nachfolger wählen, aber Martins Bescheidenheit war so groß, dass er sich im Gänsestall versteckte. Die Menschen suchten überall und in der Nacht auch mit Laternen nach dem guten Mann. Und als die Gänse sich laut kreischend über den Eindringling beschwerten, fand man Martin dann auch. 371 nach Christus wurde Martin der Bischof von Tours.
Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Er wurde am 11. November in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Tomb of Saint Martin of Tours in the crypt of the basilica

Grab des heiligen Martin in der Krypta der neobyzantinischen Kirche Saint-Martin de Tours

Sein Andenken überdauerte die Jahrhunderte: Noch heute folgt man mit Liedern und Laternen dem Martinsmann und verspeist anschließend seine Verräter, die Gänse.

Aprpos Martinsgans: auf kochmix.de findet ihr etliche Rezepte, mit denen ihr die verrätisches Gans als Martinsgans in die Pfanne hauen könnt ;). Um mich nicht selbst in die Pfanne zu hauen (der Abmahnwahn treibt komische Blüten), verzichte ich an dieser Stelle auf Geschichten, Reime oder Martinslieder für Laternenumzüge – aber man findet einige auf martin-von-tours.de

Brauchtum zum Martinstag

Sonntag, November 11th, 2012

Ganslsonntag heißt der Martinstag, wenn er auf einen Sonntag fällt oder auch der Sonntag nach Martini. Da gibt es die Herbstmusik, die jungen Burschen müssen ihre Mädchen zum Tanz führen und mit einem Gänsebraten bewirten. Wer versucht, sich zu drücken sucht, gilt als Geizkragen oder als schlechter Liebhaber und hat sich auf jeden Fall die Gunst seines Mädchens verscherzt.

Den Martinswein trinken die Winzer, oft im Rahmen eines Gemeindeabends, um für das künftige Jahr eine gute Ernte zu erbitten. Zu Martini hat auch der Most ausgearbeitet, an diesem Tag ist also der neue Wein getauft worden. Die Winzer fanden sich zum Martinstrunk oder Märtestrunk zusammen und nahmen die erste Kostprobe vom Heurigen. Der Märteswein floß‘ früher überall dort reichlich, wo Wein angebaut wurde: in Klöstern und in Winzerstädten war es üblich, an diesem Tag alle Leute freizuhalten.
Bei der Verkostung des ersten neuen Weines, der Martinsminne, darf die Martinsgans natürlich nicht fehlen. Vielerorts in Österreich wurde der Heilige Martin auch deshalb zum Patron des Gänseschmauses und der Gastwirte.

Puigaudeau,_Ferdinand_du_-_Breton_Girls_with_Chinese_Lanterns

Breton Girls with Chinese Lanterns
Ferdinand du Puigaudeau (1864-1930)

Der Martinsumzug am Martinsabend vereint eine verkleidete Person, die den heiligen Martin auf einem Schimmel darstellt, oft gehört auch ein Bettler dazu, immer aber eine große Kinderschar und ihre Eltern, die singend durch die Stadt/Gemeinde ziehen. Um den rechten Takt zu finden, wird der Gesang oft von einer Blaskapelle unterstützt.
Die Kinder tragen bei dem Umzug ihre meist selbst-gebastelten Martinslampen und Martinsfackeln. Der Martinsumzug findet seinen Abschluss vielfach durch die Mantelteilung oder durch ein Martinsfeuer. Der Lichterumzug hat ein liturgisches Vorbild: das Lucernarium, die Lichterprozession zur ersten Vesper des Vortages, wie sie an hohen Festtagen üblich war. Ist eine Bastelanleitung für Laternen gesucht?
Hier entlang bitte 🙂

St.Martins summer bezeichnet im Englischen das, was im Deutschen Altweibersommer oder anderswo Indiansummer (selten: Martinssommer) genannt wird, also besonders schönes Wetter in eher schlechterer Jahreszeit. Die englische Bezeichnung wird mit der Mantelteilung in Zusammenhang gebracht: Als Martin die Hälfte seines Mantels abgegeben habe, sei ihm sehr kalt geworden und er habe gefroren. Da hätten sich plötzlich Nebel und Wolken aufgelöst und die Sonne sei durchgebrochen. Dies sei der erste Sankt-Martins-Sommer gewesen.

Der Martinstag war einst auch Lostag, das heißt Mägde und Knechte wechselten ihre Dienststelle oder blieben wieder ein Jahr bei ihrem alten Herrn. Es wurden neue Pacht-verträge geschlossen und die Bauern und Gutsbesitzer mußten die Löhne an das Gesinde bezahlen. Oft gab es als Lohn auch Hühner oder Gänse. Die Woche nach dem Martinstag nannte man im übertragenen Sinne Martinioktav, die letzten acht Tage des bäuerlichen Arbeitjahres galten lange Zeit als Jahresausklang. In dieser Woche wurden nur die nötigsten Arbeiten im Stall und auf dem Feld erledigt, es wurde gefeiert, man aß und trank, besuchte Freunde und Verwandte.

Martini als Zinstermin war der Ablieferungstag von Naturalien. So wurde die Martins-gans dem Lehrer oder dem Pfarrer als Deputat überreicht, später als Geschenk Verwandten oder Bekannten zugesandt und auch mit Martin Luther in Verbindung gebracht: viele essen sie ihm zu Ehren, nur des Namens wegen.

Am Abend des Martinstages überreichte der Viehhirte seinem Dienstherrn eine grüne Rute, oft einen Birkenzweig, an dessen Spitze man einige Blätter ließ, ergänzt durch Zweige von Eiche und Wacholder, der dann im Frühjahr zum Viehtrieb verwendet wurde. Die Martinigerte (Mänensgene oder Martinsgerte) wurde am Tag der Epiphanie (6.1.) geweiht und sollte beim Viehauftrieb den Tieren Schutz gewähren. An manchen Orten wurden die Frauen und Mädchen mit einer Martinsgerte geschlagen; die ‚grünen Streiche‘ sollten den Segen und die Fruchtbarkeit auch auf sie übertragen.