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Erinnerungen an ein ganz besonderes Fest

Montag, Dezember 24th, 2018

Zum 24. Kalendertürchen

Meine Großmutter war eine exzentrische Frau. Besuch empfing sie stets, verwegen an einer Zigarettenspitze ziehend, auf ihrem Diwan liegend wie Greta Garbo, und auf Familienfeiern erzählte sie gerne Witze, die so anzüglich waren, dass selbst mein Vater errötete. Ich liebte diese Frau. Ich liebte sie über alles. Und jedes Jahr freute ich mich auf das Weihnachtsfest, denn wir feierten bei ihr. Sie schmückte dann das ganze Haus – und immer mit den buntesten Engeln, Kugeln und Schneemännern. Überall blinkte und glitzerte es – so sehr, dass einem die Augen wehtaten. Es waren Weihnachtsfeste, von denen jedes Mädchen träumt. Und erst die Geschenke! Meine Großmutter kaufte mir stets das, was meine Eltern sich nicht leisten konnten: Schaukelpferde, Puppen, Dreiräder. Riesige, wunderschöne Dinge, die kaum alle ins Auto passten.

In jenem Winter aber, in dem ich zehn Jahre alt wurde, änderte sich alles: „Deiner Großmutter geht es nicht gut“, erklärte mein Vater, bevor wir nachmittags zu ihr aufbrachen. Ich verstand nicht was er meinte. Das Haus war üppig dekoriert wie immer. Eines aber war tatsächlich anders: Unter dem Tannenbaum lagen an diesem Abend keine buntverpackten  Geschenke. Nur ein kleiner Pappkarton, der ein Schild mit meinem Namen trug: Teresa.
Als ich ihn öffnete, war ich enttäuscht: Der Karton war leer. Ich drehte ihn in meinen Händen und bekam furchtbare Angst, ich hätte vielleicht etwas so Schlimmes getan, dass ich kein Geschenk verdiente. Da trat meine Großmutter zu mir und sagte: „Das, was dieser Karton enthält, kannst du weder sehen noch berühren oder schmecken. Aber es wird dich schützen und dich stark machen und dir Geborgenheit geben, wann immer du sie brauchst. Es wird alle Zeiten überdauern, und von all den Geschenken, die ich dir je gemacht habe, hoffe ich, dass du dich eines Tages einzig an dieses erinnerst“. Ich blickte auf und fragte: „Was ist es denn?“ Und sie sagte: „Liebe. All die Liebe, die ich für dich empfinde.“

Acht Tage später starb meine Großmutter. Und sie behielt Recht: Von den vielen Geschenken, die sie mir in all den Jahren machte, ist nur eines geblieben. Ein vergilbter Karton mit ausgefransten Kanten, der nichts enthält und zugleich doch alles. Liebe. Das schönste Geschenk der Welt.

Autor unbekannt

Der riesengroße Schneemann

Freitag, Dezember 21st, 2018

Zum 21. Kalendertürchen

Kurz vor Weihnachten entdeckten Hans und Liese im Schaufenster des Spielzeugladens von Fräulein Holzapfel am Karolinenplatz eine bildhübsche Puppe mit echten Haaren und Schlafaugen und ein wunderschönes Segelschiff. Sie waren so begeistert davon, dass sie sofort nach Hause rannten und einen neuen Wunschzettel für das Christkind schrieben, mit dem Text: „Die Puppenküche und die Eisenbahn, die wir uns gewünscht haben, wollen wir nicht mehr haben. Wir wollen die Puppe und das Segelschiff aus dem Schaufenster von Fräulein Holzapfel!“ Sie legten den Wunschzettel wie den ersten aufs Fenstersims und beschwerten ihn mit einem Stein, damit der Wind ihn nicht wegblasen konnte.
Am nächsten Tag fiel ihnen dann etwas Schreckliches ein. Möglicherweise verkaufte Fräulein Holzapfel die Puppe und das Segelschiff schon heute oder morgen an andere Leute, und wenn das Christkind zu ihr zum Einkaufen kam, waren nur noch andere Spielsachen zu haben?! – Zehn Minuten später standen sie heftig schnaufend vor Fräulein Holzapfel im Spielzeugladen. „Wir möchten Sie fragen, ob Sie nicht die Puppe und das Segelschiff für das Christkind zurücklegen wollen!“ sagte Liese. „Wir haben die Sachen nämlich auf unseren Wunschzettel geschrieben!“

„Ach!“ seufzte Fräulein Holzapfel. „Ich fürchte , das Christkind kommt in diesem Jahr überhaupt nicht zu mir zum Einkaufen! Es kauft ja so gut wie niemand etwas bei mir. Alle Leute gehen in die großen Kaufhäuser in der Stadt!“

Für Hans und Liese war das eine böse Überraschung. Mit langen Gesichtern verließen sie den Laden. „Man müsste halt dafür sorgen, dass das Christkind hierher kommt!“ meinte Hans schließlich. Liese nickte. „Ja, aber wie?“ Ihr fiel nichts ein. Auch Hans fiel nichts ein. So gingen sie niedergeschlagen nach Hause.

SchneemannIn der folgenden Nacht träumte dann Liese von einem riesengroßen Schneemann; der spazierte durch die Stadt, und alle Leute drehten sich nach ihm um. Da wusste Liese am nächsten Morgen, wie man dafür sorgen konnte, dass das Christkind zu Fräulein Holzapfel kam. Schon vormittags machte sie sich mit Hans daran, vor dem Spielzeugladen einen Schneemann zu bauen. Als der aber fertig dastand. war Liese nicht zufrieden mit ihm. Sie sagte: „Er ist viel zu klein, als daß das Christkind Lust kriegen könnte, ihn anzugucken! Er muss noch viel größer werden!“

Liese lieh sich deshalb von Fräulein Holzapfel einen Stuhl, damit sie an dem Schneemann höher hinaufreichte. Eine Viertelstunde später kamen dann zufällig drei Anstreicherlehrlinge mit einer Leiter vorbei. Als die hörten, um was es ging, halfen sie tüchtig mit. Da war der Schneemann schon bald vier Meter hoch. Doch in Lieses Augen war er immer noch zu klein. „Er muss noch größer werden!“ sagte sie.

Mittlerweile hatten sich auch eine Schar Buben und einige Männer eingefunden und halfen mit, den großen Schneemann zu bauen. Einer von den Männern war mit dem Hauptmann der städtischen Feuerwehr befreundet; mit dem telefonierte er jetzt vom nächsten Telefonhäuschen aus. Da kam wenig später mit lautem „Tatü! Tatü!“ ein großes rotes Feuerwehrauto angesaust. Die Feuerwehrmänner fuhren die lange, lange Leiter aus und halfen nun ebenfalls beim Bau des Schneemannes mit.
Da stand zwei Stunden später vor dem Schaufenster von Fräulein Holzapfel ein wunderschöner Schneemann; der war fast zehn Meter hoch. Er trug als Hut eine umgestülpte Waschbütte auf dem Kopf, als Augen hatte er zwei Briketts und als Nase hatte er eine große Zuckerrübe im Gesicht. Einen so riesengroßen, herrlichen Schneemann hatte man bis dahin noch nie in der Stadt gesehen. Im Nu war der Karolinenplatz schwarz vor lauter Menschen, die ihn sich anguckten.

Und jeden Tag kamen andere Leute und sahen sich den Schneemann an. Und weil sie nun schon einmal da waren, gingen viele in den Spielzeugladen von Fräulein Holzapfel hinein und kauften Weihnachtsgeschenke. Offensichtlich ließ sich auch das Christkind von dem riesengroßen Schneemann anlocken und kaufte bei Fräulein Holzapfel ein. Am Heiligen Abend war der Spielzeugladen jedenfalls restlos ausverkauft! Alle Regale waren leer!

Hans und Liese aber fanden an diesem Heiligen Abend unterm Weihnachtsbaum nicht nur die gewünschte Puppe und das Segelschiff, sondern auch die Puppenküche und die Eisenbahn, die sie auf den ersten Wunschzettel geschrieben hatten. Da waren sie ganz fassungslos; sie dachten sich: „So brav, dass wir das verdient hätten, sind wir ja nun wirklich nicht gewesen!“

Dass ihnen nicht das Christkind, sondern Fräulein Holzapfel die Puppe und das Segelschiff geschenkt hatte, aus Dankbarkeit für ihre Hilfe, haben Hans und Liese nie erfahren. Bis heute nicht…

Netzfundstück, Autor unbekannt

Truthahn mit Whisky ;)

Freitag, Dezember 21st, 2018

Zum 21. Kalendertürchen

Auf den letzten Drücker gibts noch ein spezielles Rezept für den Weihnachtsbraten. Wir haben es immer noch nicht ausprobiert, aber vielleicht hat ja jemand die Zeit… 😉

  • Man kaufe einen Truthahn von fünf Kilo (für sechs Personen) und eine Flasche Whisky.
  • Dazu Salz, Pfeffer, Olivenöl und Speckstreifen. Truthahn mit Speckstreifen belegen, schnüren, salzen, pfeffern und etwas Olivenöl in die Pfanne geben. Ofen auf 200 Grad einstellen. Dann ein Glas Whisky einschenken und auf gutes Gelingen trinken.
  • Anschließend den Truthahn in Ofen schieben. Nun schenke man sich noch zwei schnelle Gläser Whisky ein und trinke wieder auf gutes Gelingen.
  • Das Thermostat nach 20 Minuten auf 250 Grad stellen, damit es ordentlich brummt. Danach schenke man sich drei weitere Whisky ein.
  • Nach halm Schdunde öffnen, wenden und den Braten überwachn. Die Fisskieflasche ergreiff unn sich eins hinner die Binde kippen.
  • Nach ’ner weitern albernen Schuunde lansam bis zzum Ofen hinschlendern uhn die Trute rumwenden. Drauf achtn, sisch nitt die Hand zu vabrenn an die schaisss Ohfndür. Sisch waidere ffünff odda siehm Wixk innen Glas sisch unn dann unn so.
  • roastedturkey.jpgDi Drute weehrent drrei Schunn’nt (iss auch egal) waiderbraan un all ssehn Minud’n pinkeln.Ween ürrntwi möchlisch, ssum Trathauhn hinkrieschn unn den Owen aus’m Viech ziehn. Nommal een Schlugg geneemign un anschliesnt wida fasucehn, das Biest rauszukriegn.
  • Den fadammt’n Vochel vom Boden ablösen un uff der Bladde hinrichtn. Uffbasse, dass nitt Ausrutschn auf’m schaissffettichn Küchenbodn. Wenn sisch drossdem nitt fameidn, fasuhn wida aufssuschichtn oder so haha is alles jaeeehschaissegaaal!
  • Ein wenig schlafen.
  • Am nächsten Tag die Truthahnstücke mit Mayonnaise und Aspirin kalt essen.
  • Sckokoladenweihnachtsmann – Eine notfallmedizinische Studie

    Sonntag, Dezember 9th, 2018

    Zum 09. Kalendertürchen

    Die eigentliche Herkunft der Weihnachtsmänner ist unklar, sie liegt quasi im Dunkeln. Schon das periodisch massive Auftreten bereits im Herbst, sowie das schlagartige Verschwinden nach der Wintersonnenwende bedarf noch intensiver Untersuchungen. Die vorliegende Studie befasst sich mit notfallmässigen Gesichtspunkten, wobei im Wesentlichen die traumatologischen Aspekte im Vordergrund stehen sollen.

    Anatomische Vorbemerkungen
    Schokoladennikolaus zieht bösen Jungen am Ohr

    Stefan Schwarz, Pixelio.de - Danke 🙂

    Die interessante Spezies Schokoladenweih-nachtsmann ist makroskopisch recht gut untersucht worden. Umgeben ist der Patient von einer festen Haut, welche die verschiedensten Farbnuancen aufweisen kann. Die Farbgebung als solches lässt menschenähnliches Gesicht und Gestalt vermuten. Hinweise auf einen funktions-tüchtigen Bewegungsapparat finden sich nicht. Die Extremitäten sind wie bei einer Syndaktylie verschmolzen. Die äussere Haut (Pellicula aluminica) dient dem Schutz des Individuums vor dem Unbilden der menschlichen Spezies; verhindert aber offensichtlich auch den Verlust körpereigener Substanzen bei der Änderung des Aggregat-zustandes der Körpersubstanz. Diese Grund-substanz liegt als Exoskelett nach innen dicht der Pellicula an und umhüllt die grosse zentrale Vakuole, welche in ihrer Form ein getreues Abbild des Weihnachtsmannes darstellt. Die Herkunft dieser Grundsubstanz ist umstritten.
    Biochemisch scheinen aber Zusammenhänge mit dem Abraum der Oetker`schen Schokoladenbergwerke zu bestehen. Der Schokoladenweihnachtsmann kommt in den verschiedensten Grössen und Formen vor. Dies hat er mit den Gartenzwergen gemeinsam, denen er allerdings nur äusserlich ähnlich ist. Es wurden Exemplare von 20 – 4000 g gesehen. Über Wachstum, Nahrungsaufnahme sowie räumlichen Veränderungen rätselt die Wissenschaft noch heute.

    Traumatologie

    Nach der bisherigen Auffassung gibt es nur zwei klinisch relevante Traumatisierungs-mechanismen:
    1. Frakturen (Frakturen der Grundsubstanz)
    2. Thermische Traumen (Hitzetrauma)
    Die Verletzungen der Pellicula scheint medizinisch bedeutungslos und bedarf keiner besonderen Therapie.

    Frakturtypen

    1. Impressionstraumen des Kraniums
    2. Impressionstraumen des Thorax
    3. Impressionstraumen des Säckelchen (trotz seiner atypischen Lage ist grund-sätzlich an ein urologisches Konzil zu denken!)
    4. Impressionstraumen im Fussbereich
    5. Frakturen des Dents-axis (neurologisches Gutachten erstellen!)
    6. Polytraumen (Patient muss unverzüglich in eine Polyklinik überwiesen werden!)

    Unfallmechanismen

    Die Welt der Menschen ist für Schokoladenweihnachtsmänner an sich als extrem feindlich zu betrachten. Eine Hyperthermisierung des Corpus kann zu irreversiblen Schäden führen. So ist bereits das Auflegen einer Kinderhand oder die Positionierung auf einem Heizkörper für das Objekt sehr gefährlich. Intensive Sonnenstrahlung oder Badewasser hinterlässt beeindruckende Schäden. Frakturen treten schon bei Bagatelltraumen auf. Polytraumen werden allerdings eher bei Stürzen aus grösseren Höhen beobachtet.

    Diagnostik
    It had to happen eventually

    It had to happen eventually - Matthias Buehler, flickr

    Die Pupille des Patient hat sich nach mehreren Testserien als lichtstarr erwiesen. Es ist keinerlei Reaktion bei der Konvergenz zu bemerken. Selbst ein Ausleuchten der Augenhöhlen mittels Softlaser hat zu keinerlei neuer Er-kenntnis beigetragen.
    Vor einer Inspektion der Mundhöhle muss dringend gewarnt werden, da es neben einer irreversiblen Schädigung der Pellicula zu Gesichtschädelfrakturen (meist Typ LeFutch II.) sowie massiven Kieferfrakturen kommen kann.
    Die Perkussion kann sehr aufschlussreich sein. Bei intakter Aura ist ein hypersonorer Klopfschall zu vernehmen.
    Bei Hitzetraumen wird der Klopfschall meist klebrig, bei Polytrauma ist er nicht zu registrieren. Eine Auskultation erscheint unsinnig und belanglos. Die Temperatur-messung des Patienten erweist sich als äusserst schwierig, da physiologische Körperöffnungen oder Hauttaschen fehlen. Somit ist es ohne Verletzung des Probanden nicht möglich Rezeptoren einzuführen. Es gibt Untersuchungen, welche belegen, dass es sich bei dieser Spezies um Poikilotherme handeln könnte.

    Therapie

    Für die klinisch relevanten Traumen ist bislang seitens der Physiotherapie keine Studie bekannt geworden. Recherche haben keine Hinweise finden können, ob thermische Traumen mit anschliessenden Gestaltsverlust erfolgreich zu therapieren sind. Frakturen des Exoskelett sind heute noch therapieresistend. Eine Heilung im Sinne der Kallus-bildung konnte leider nicht herbeigeführt werden. Eine primäre oder sekundäre Wundheilungen findet nicht statt. Kleinere Fissuren können als Bagatelle unbeachtet gelassen werden, da sie den Allgemeinzustand nicht beeinträchtigen. Eine Applikation von Analgetika ist grundsätzlich kontraindiziert!

    Zusammenfassung

    Grundsätzlich scheinen Traumen jeglicher Form therapieresistend und ohne Aussicht auf Erfolg. Mit der Frage, ob der Verzehr der durch grobe Gewalt lädierten Patienten der richtige Weg zur Beseitigung des Corpus Delikti ist, wird sich in nächster Zeit die Kriminologie beschäftigen. Es sind Hinweise eingegangen, dass nach der Winter-sonnenwende Schokoladenweihnachtsmänner zu Schokoladenosterhasen transmu-tieren.