Im Winter, Trakl

Zum 09. Kalendertürchen

Im Winter
von Georg Trakl (1887-1914)

Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.

Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.

Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.

M’r ham aah Neinerlaa gekocht, aah Worscht un Sauerkraut…

Zum 09. Kalendertürchen

Das Neunerlei ist ein alter Weihnachtsbrauch, der im Erzgebirge sowie teilweise auch im Vogtland am Heiligabend gepflegt wird. Kern des ‚Neinerlaa‘ ist ein Weihnachtsessen aus neun Gerichten oder deren Bestandteilen, die stark variieren können.

Das Neunerlei wird bereits 1799 im Ur-Heilig-Obnd-Lied besungen („M’r ham aah Neinerlaa gekocht, aah Worscht un Sauerkraut…“). Max Schreyer wird die 1896 entstandene Strophe zugeschrieben.

Mir habn heit Kließ un Sauerkraut un Sellerisolat.
De Klaane ißt de Kließ net gern, die kriegt e Rauche Mad.

Die einzelne Gänge und Zutaten des Menüs haben jeweils eine bestimmte Bedeutung:

  1. Bratwurst steht zum Erhalt von Herzlichkeit und Kraft („doß m’r Harzhaftigkeit un Kraft bewohrt“),
  2. Sauerkraut steht dafür, dass einem das Leben nicht sauer wird („damit ens Labn net sauer wird“),
  3. Linsen stehen dafür, dass einem das Kleingeld nicht ausgeht („doß ens klaane Gald net ausgieht“),
  4. Klöße, Karpfen und Hering stehen dafür, dass das große Geld nicht ausgeht („doß es net an‘ grußen Gald fahlt“),
  5. Gans, Schweinebraten und Kuhhase stehen dafür, dass einem das Glück treu bleibt („doß ens Gelick trei blebt“),
  6. Kompott steht dafür, dass man sich des Lebens erfreuen kann („doß m’r sich ’s ganze Laabn freie kah“),
  7. Semmelmilch steht dafür, dass man nicht erkrankt („doß en de Nos net truppt in neie Gahr“ oder Buttermilch, „doß mr ka Koppwiting (Kopfschmerzen) hat/kriecht“),
  8. Nüsse oder Mandeln stehen dafür, dass der Lebensalltag im nächsten Jahr gut abläuft („doß dr Labnswogn gut geölt dorchs neie Gahr fährt“) und
  9. Pilze oder rote Rüben schließlich sollen Freude, Glück und Gesundheit bringen („Freid un Gelick un rute Backen“) oder gutes Wachstum für das Getreide bedeuten.

Das Neunerlei wird am Heiligen Abend durch zahlreiche weitere Bräuche wie Heiligabendlicht im Erbleuchter, Stroh unter der Tischdecke, Kleingeld unter dem Teller und zusätzlich aufgelegtes Gedeck für den fremden (armen) Gast begleitet.
Die Reste des Neunerleis werden am nächsten Tag gegessen. Vom Aufstehen während des Mahles wird abgeraten („sonst wird man bestohlen“ oder „sonst verlegen einem die Hühner die Eier“). Auch ist es allgemein üblich, dass Salz und Brot ins Tischtuch eingewickelt werden und über Nacht liegenbleiben.

Glögg – Glühwein mit Zimt und Apfel

Zum 09. Kalendertürchen

Skandinavischer Glühwein mit Zimt und Apfel
Zutaten:

    Glögg, nordische Glühweinvariante

    Glögg, nordische Glühweinvariante

  • 30 g frischer Ingwer
  • 0,4 l Weißwein
  • 0,2 l Kornbrand
  • 1 Teel. Kardamomkapseln
  • 2 Zimtstangen
  • 4 Gewürznelken
  • 8 St. Würfelzucker
  • 0,15l Weinbrand
  • 1 Apfel

Zubereitung:

  • Ingwer schälen und in Stücke schneiden.
  • Weißwein mit Korn erhitzen (nicht kochen!), Gewürze zugeben, 5 Min. ziehen lassen.
  • Zutaten (außer Zimt) herausnehmen, Apfel in grobe Stücke schneiden.
  • Würfelzucker in einen kleinen Topf geben, mit dem Weinbrand übergießen, Apfelstücke dazu geben.
  • Mit einem langen Streichholz anzünden und den Zucker schmelzen lassen.
  • Apfel-Zucker zum Wein gießen, den „Glögg“ in Gläser füllen und warm servieren.

Im Schnee, Keller

Zum 08. Kalendertürchen

Wie naht das finster türmende
Gewölk so schwarz und schwer!
Wie jagt der Wind, der stürmende,
Das Schneegestöber her!

Verschwunden ist die blühende
Und grüne Weltgestalt;
Es eilt der Fuß, der fliehende,
Im Schneefeld naß und kalt.

Wohl dem, der nun zufrieden ist
Und innerlich sich kennt!
Dem warm ein Herz beschieden ist,
Das heimlich loht und brennt!

Wo, traulich sich dran schmiegend, es
Die wache Seele schürt,
Ein perlend, nie versiegendes

Gottfried Keller (1819-1890)

Allein in der Kälte_1024

Allein in der Kälte im Januar 2009 bei -8 Grad

Und wer genug Zeit hat…

der darf sich die Langeweile mal wieder mit einem Rezept vertreiben, dem Rezept für einen fein würzigen, lockeren Kuchen – althergebracht in einer Kastenform zu backen oder auch abgewandelt in den modernen Muffin-Formen…

Wir backen Rotweinkuchen
Rührteig für Rotweinkuchen

Rührteig für Rotweinkuchen – Hüttenhilfe.de

Zutatenliste:

  • 6 Eier
  • 250 g weiche Butter oder Backmargarine
  • 250 g Zucker
  • 125 g gemahlene oder gehackte Nüsse oder Mandeln
  • 1 EL Kakao
  • 6 EL Rotwein (oder Saft)
  • 150 g Mehl
  • 1 P Backpulver

Eier trennen, nur die Eigelb mit Butter oder Backmargarine und Zucker schaumig rühren. Gehackte Nüsse oder Mandeln, Kakao, Rotwein (Saft – wenn Kinder mitessen), Mehl und Backpulver dazugeben, alles mischen. Das Eiweiß mit 1 Messerspitze Salz steif schlagen und unterheben.

Rotweinkuchen - backen

Rotweinkuchen – backen

In eine 28er Kastenform füllen und ~50 min bei 180° backen.

Und jetzt fehlt noch der Guss:
100 g Hartfett in einem Topf auflösen, 200 g Puderzucker, 2 EL Kakao zugeben, glatt rühren und ca 5 Min abkühlen lassen. Ein Ei verquirlen und unterrühren. Den Guss nach dem Backen über den leicht abgekühlten Kuchen gießen.

Zweiter Advent – 2025

2.Advent

Die zweite Kerze brennt für Hoffnung,
für die Kraft und für den Glauben,
für Vernunft und für die Achtung
und für die weißen Friedenstauben.

~

Bild KI-generiert (Lexica.art)

Bild KI-generiert (Lexica.art)

Immer am zweiten Sonntag im Advent
(aus ‚Die stillste Zeit im Jahr‘ von Karl Heinrich Waggerl)

Immer am zweiten Sonntag im Advent stieg der Vater auf den Dachboden und brachte die große Schachtel mit dem Krippenzeug herunter. Ein paar Abende lang wurde dann fleißig geleimt und gemalt, etliche Schäfchen waren ja lahm geworden, und der Esel mußte einen neuen Schwanz bekommen, weil er ihn in jedem Sommer abwarf wie ein Hirsch sein Geweih. Aber endlich stand der Berg wieder wie neu auf der Fensterbank, mit glänzendem Flitter angeschneit, die mächtige Burg mit der Fahne auf den Zinnen und darunter der Stall. Das war eine recht gemütliche Behausung, eine Stube eigentlich, sogar der Herrgottswinkel fehlte nicht und ein winziges ewiges Licht unter dem Kreuz. Unsere Liebe Frau kniete im seidenen Mantel vor der Krippe, und auf der Strohschütte lag das rosige Himmelskind, leider auch nicht mehr ganz heil, seit ich versucht hatte, ihm mit der Brennschere neue Locken zu drehen. Hinten standen Ochs und Esel und bestaunten das Wunder. Der Ochs bekam sogar ein Büschel Heu ins Maul gesteckt, aber er fraß es ja nie. Und so ist es mit allen Ochsen, sie schauen nur und schauen und begreifen rein gar nichts.

Weil der Vater selber Zimmermann war, hielt er viel darauf, daß auch sein Patron, der heilige Joseph, nicht nur so herumlehnte, er dachte sich in jedem Jahr ein anderes Geschäft für ihn aus. Joseph mußte Holz hacken oder die Suppe kochen oder mit der Laterne die Hirten einweisen, die von überallher gelaufen kamen und Käse mitbrachten oder Brot oder was sonst arme Leute zu schenken haben.

Es hauste freilich ein recht ungleiches Volk in unserer Krippe, ein Jäger, der zwei Wilddiebe am Strick hinter sich herzog, aber auch etliche Zinnsoldaten und der Fürst Bismarck und überhaupt alle Bestraften aus der Spielzeugkiste.
Ganz zuletzt kam der Augenblick, auf den ich schon tagelang lauerte. Der Vater klemmte plötzlich meine Schwester zwischen die Knie, und ich durfte ihr das längste Haar aus dem Zopf ziehen, ein ganzes Büschel mitunter, damit man genügend Auswahl hatte, wenn dann ein golden gefiederter Engel darangeknüpft und über der Krippe aufgehängt wurde, damit er sich unmerklich drehte und wachsam umherblickte.
Das Gloria sangen wir selber dazu.

Krippe (Lisi Martin)

Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.
Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.
Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
Die eine sagt knig,
die andere sagt knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Ein altes Eichhorn sitzt dabei und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die deutsche Tradition, die keiner kennt…

Weihnachtsgurke

To start a tradition that surely will last.
Here’s a short story about the pickle of glass.

The night before Christmas it’s hung on the tree.
While everyone’s sleeping it’s done secretly.

And on Christmas morning when you arise.
The first one to find it will get a surprise.

Gibt es noch weitere “urtypische” Weihnachtstraditionen, von denen ich nichts weiß und die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind? Gibt es vielleicht auch Weihnachts-tomaten? Die möchte ich natürlich dann auch kennenlernen und hier bekannt machen – so wie diese traditionell deutsche Weihnachtsgurke.
Vermutlich ist die Weihnachtsgurke nur ein marketingtechnischer Schachzug, um den Amis mit Hilfe einer netten Geschichte ein paar Dollar aus der Tasche zu ziehen. Möglicherweise ist Woolworth schuld:

I loved knowing about this and participating in this tradition. Since I am still attending classes at the University of Google, I was able to research more about it’s origin. My research left me feeling a little cheated […].
The fact that the legend was written in English should have been my first clue. There are a few more things wrong with the story. First, the Germans open their presents on Christmas Eve and not on Christmas morning. Secondly, St. Nicholas arrives on Dec.6th and the third and most important flaw in the legend is that the Germans have never heard of it.

In 1800 F.W. Woolworth made a trip to Germany where he fell in love with the glass blown ornaments. He began importing them to the States to sell in his stores.
Production of the glass pickle began in 1890 and it is believed to have been sent directly to the U.S. along with it’s „German tradition“.
You should have seen the look on my neighbor’s face when I showed her my “ Traditional German Pickle“ hanging in my Christmas tree.

Quelle: Torngren Blog – Die Weihnachtsgurke

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