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(Noch) eine Moosmann-Sage

Dienstag, Dezember 17th, 2019

Zum 17. Kalendertürchen

Moosmann

Moosmann – Danke, Angelika 🙂

…beginnt mit einem jungen Burschen, welcher sehr arm war und sich in die Tochter des Nachbarn verliebt hatte. Da die wenigen Groschen als Holzfäller aber nicht für die Gründung einer eigenen Familie reichten, ging der einst lustige Mann immer öfter in den Wald, um sich abzulenken.
Als er eines Tages sehr spät auf dem Weg nach Hause war, sprang plötzlich eine winzige Gestalt vor ihm auf den Weg und bat ihn, sehr schnell drei Kreuze in den nächsten Baumstamm zu schlagen, weil der Wilde Jäger mit seinem Gefolge komme, um sie töten.

Der junge Mann folgte sogleich der Bitte und kaum war er fertig, da brauste auch schon die ganze Meute herbei, jedoch die Kreuze schützten die beiden und der Jäger konnte ihnen nichts anhaben. Die kleine Gestalt bedankte sich, noch immer zitternd bei dem jungen Burschen, schenkte ihm zum Dank einen Zweig und verschwand unter einer Wurzel. Erst jetzt begriff der Holzfäller, daß er ein Moosweibchen vor dem Jäger gerettet hatte. Da er nicht so recht wusste, was er mit dem kleinen Zweig anfangen soll, steckte er ihn, ein Liedchen pfeifend an seinen Hut.

Als er zu Hause angekommen war und seinen Hut abnahm, staunte er nicht schlecht, denn der Zweig hatte sich in reines Gold verwandelt. Jetzt war sein Glück perfekt, denn er konnte ein kleines Häuschen bauen und sein Mädchen heiraten. Als alter Mann noch erzählte er seinen Enkeln und Urenkeln die Geschichte von den Moosleutchen im Wald und wie er für seine Hilfe einen Zweig geschenkt bekam, der sich in Gold verwandelte.

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Diese finstere Gestalt auf dem Bild bekam ich übrigens am Wochenende per WhatsApp aufs Handy geschickt. Nachdem meine Cousine ein bisschen hier querbeet gelesen hat, hat sie schnell in ihrer Weihnachtskiste gegraben…

Wie iech mich of Weihnachten fraa – Weihnachten im Vogtland

Samstag, Dezember 14th, 2019

Zum 14. Kalendertürchen

Moosmann

Ein Symbol der vogtländischen Weihnacht ist unter anderem der Moosmann. Obwohl er für das gesamte Vogtland typisch ist, stellt er nur noch in einigen Gegenden lebendigen Brauch dar. In manchen Waldgebieten des Vogtlandes wird der Moosmann als Träger des Weihnachtslichtes noch heute gebastelt.

Kernstück der Figur ist der sogenannte „Bankert“, ein einfaches Holzskelett aus ungefügem Rumpf mit angenagelten Armen und eingefügten Beinen. Hände und Füße, meist von Schnitzern bezogen, die ihr Handwerk verstehen. Auch die Köpfe lieferten die Schnitzer selbst, sofern die Bastler keinen Kopf aus Porzellan oder aus Zelluloid mochten Der Moosmann erhielt von der Frau des Schnitzers einen Anzug aus Pappe, der mit Moos beklebt war. Im Laufe von Jahren sind Moosmänner in der Gestalt von Ritter, Soldaten, Jägern, Förstern und Waldgängern entstanden. Die anstelle eines Weihnachtslichtes einen kleinen Drehturm, einen Schwibbogen oder ein Tannenbäumchen trugen. Was aber alle gemeinsam hatten, war das Kleid aus grünem Moos aus dem Heimatwald.

Der Moosmann als Weihnachtsfigur geht auf den Moosmann der Sage zurück, der – selbst in tiefster Not lebend – guten Menschen in ihrer Armut jederzeit helfend zur Seite stand. Moosmann und Moosweibel, nur drei Fuß hoch, lebten im tiefen Wald unter Baumstöcken und in Höhlen, nährten sich kümmerlich von Wurzeln und Früchten des Waldes und kleideten sich notdürftig mit Moos und Tannenzweigen. Sie hatten nur einen Feind, den „Wilden Jäger“. Vor ihm und seinem Gefolge waren sie sicher unter den Baumstämmen und -stöcken, in die die Holzhauer drei Kreuze geschlagen hatten.
Den Menschen waren die Moosleute freundlich gesinnt. Sie halfen besonders den Armen, und das Laub (drei Handvoll mussten es sein), mit dem sie gute Taten belohnten, verwandelte sich in reines Gold, sodass die Not der armen Waldbewohner ein Ende nahm.
In der Weihnachtszeit fliehen die Moosmännchen aus dem unwirtlichen, verschneiten Wald zu den Menschen in die weihnachtlichen Stuben und bleiben dort die zwölf Unternächte lang, um dann wieder in ihren geliebten und so nützlichen Wald zurückzukehren.

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Moosmaa_1

Moosmaa in Grünbach

Im östlichen Vogtland, wo sich nach 1945 die Volkskunst des Schnitzens unter staatlicher Förderung stark entwickelt hat, sind vor allem die im Deutschen Kulturbund vereinten Falkensteiner Schnitzer und auch die Grünbacher Schnitzer mit Erfolg darangegangen, den fast in Vergessenheit geratenen Moosmann zu neuem Leben zu erwecken, ihn ganz aus Lindenholz zu schnitzen und ihm ein der Sage gemäßes Aussehen zu geben. Dabei entstanden sicher ungezählte Figuren für das Zimmer.
Eine überlebensgroße Holzfigur des Moosmannes haben die Grünbacher Schnitzer geschaffen. Sie ist immer zur Weihnachtszeit etwa in Dorfmitte aufgestellt.

Der erste dokumentarische Nachweis des Moosmannes als Weihnachtsfigur stammt aus dem Jahre 1840.
In einem 22 Strophen langen Gedicht, das der Falkensteiner Bürger Friedrich Eimert schrieb, führt der Moosmann selbst heftige Klage darüber, daß er zwei Jahre lang unbeachtet im Dachboden in der Gesellschaft allerlei Ungeziefers habe leben müssen und daß ihm Fremde wie Einheimische nicht mehr die nötige Achtung entgegenbrächten:

Zwei Jahre hab ich nun gestanden auf dem Boden unterin Dach.
Keiner hätt es ausgestanden, ach das war die größte Plag.
Die Schönecker auf der Straße tun mich oft gar sehr verhöhn,
zupft euch nur an eurer Nase, mich nur spotten ist nicht schön!

In einem Bericht über Weihnachten in Falkenstein aus dem Jahre 1868 wird mit Stolz ein Moosmann geschildert, dessen Rock und Hose mit Moos beklebt waren, der eine Kerze in der Hand hielt und i Meter hoch war. Für das Jahr 1867 ist belegt, daß in Reichenbach arme Kinder Moosmänner bastelten, die sie auf dem Christmarkt feilboten, um sich einige Groschen zu verdienen. Überhaupt scheint zu dieser Zeit in Reichenbach der Brauch allgemein üblich gewesen zu sein, zu Weihnachten kleine Moosmänner auf den Tisch zu stellen. In den folgenden Jahren gewann der Moosmann an Ansehen, so daß er häufiger hergestellt wurde.

Jedem Wichtl sei Gedichtl

Dienstag, Dezember 10th, 2019

Zum 10. Kalendertürchen

Mit jedem der handgefertigten Räuchermännchen verbinden die ‚Macher‘ dieser Männchen nicht nur eine Menge Zeit und Liebe, sondern auch die eine oder andere kleine Episode. Sei es die tatsächlich existierende Legende vom „Zschorler Mondputzer“ oder nur Meister Maulwurf aus dem Garten, dessen unablässiges Graben man ihm immer wieder nachsehen möchte. Das ist Inspiration genug für Christina Mothes, um während der liebevollen Bemalung immer öfters ein kleines Gedicht zum Räuchermännchen zu verfassen. Schliesslich hat jedes einzelne seine Geschichte – und die will erzählt sein!

baumdieb

Der Christbaumdieb
www.drechslerei-mothes.de

 

Dor Christbaamdieb
(Mundart)

E Christbaam, festlich aageputzt,
dar darf net aussah wie gestutzt,
racht schie gewachsen un net krumm,
sonst haat´s dan Baam, wenn´s passt,
noch um.
Un su en Baam, su ganz verstuhl´n,
im Wald vielleicht noch salber huhl´n,
für´n Arzgebirgler war´s fürwahr
dor grässte Spass vom ganzen Gahr!
Doch heit, ihr Leit, dos kennt ihr glaab´n,
kaa sowas ganz schie teier war´n!
Drum, wenn eich heit dos Fieber packt,
en Baam im Garten oogezwackt,
do brauchst dich net vor´m Färschter ducken,
bei jedem Knistern zammzezucken,
drum namm, wenn dich dor Hafer sticht,
vom Nachbar driem de Silberficht!

M’r ham aah Neinerlaa gekocht, aah Worscht un Sauerkraut…

Dienstag, Dezember 10th, 2019

Zum 10. Kalendertürchen

Das Neunerlei ist ein alter Weihnachtsbrauch, der im Erzgebirge sowie teilweise auch im Vogtland am Heiligabend gepflegt wird. Kern des ‚Neinerlaa‘ ist ein Weihnachtsessen aus neun Gerichten oder deren Bestandteilen, die stark variieren können.

Das Neunerlei wird bereits 1799 im Ur-Heilig-Obnd-Lied besungen („M’r ham aah Neinerlaa gekocht, aah Worscht un Sauerkraut…“). Max Schreyer wird die 1896 entstandene Strophe zugeschrieben.

Mir habn heit Kließ un Sauerkraut un Sellerisolat.
De Klaane ißt de Kließ net gern, die kriegt e Rauche Mad.

Die einzelne Gänge und Zutaten des Menüs haben jeweils eine bestimmte Bedeutung:

  1. Bratwurst steht zum Erhalt von Herzlichkeit und Kraft („doß m’r Harzhaftigkeit un Kraft bewohrt“),
  2. Sauerkraut steht dafür, dass einem das Leben nicht sauer wird („damit ens Labn net sauer wird“),
  3. Linsen stehen dafür, dass einem das Kleingeld nicht ausgeht („doß ens klaane Gald net ausgieht“),
  4. Klöße, Karpfen und Hering stehen dafür, dass das große Geld nicht ausgeht („doß es net an‘ grußen Gald fahlt“),
  5. Gans, Schweinebraten und Kuhhase stehen dafür, dass einem das Glück treu bleibt („doß ens Gelick trei blebt“),
  6. Kompott steht dafür, dass man sich des Lebens erfreuen kann („doß m’r sich ’s ganze Laabn freie kah“),
  7. Semmelmilch steht dafür, dass man nicht erkrankt („doß en de Nos net truppt in neie Gahr“ oder Buttermilch, „doß mr ka Koppwiting (Kopfschmerzen) hat/kriecht“),
  8. Nüsse oder Mandeln stehen dafür, dass der Lebensalltag im nächsten Jahr gut abläuft („doß dr Labnswogn gut geölt dorchs neie Gahr fährt“) und
  9. Pilze oder rote Rüben schließlich sollen Freude, Glück und Gesundheit bringen („Freid un Gelick un rute Backen“) oder gutes Wachstum für das Getreide bedeuten.

Das Neunerlei wird am Heiligen Abend durch zahlreiche weitere Bräuche wie Heiligabendlicht im Erbleuchter, Stroh unter der Tischdecke, Kleingeld unter dem Teller und zusätzlich aufgelegtes Gedeck für den fremden (armen) Gast begleitet.
Die Reste des Neunerleis werden am nächsten Tag gegessen. Vom Aufstehen während des Mahles wird abgeraten („sonst wird man bestohlen“ oder „sonst verlegen einem die Hühner die Eier“). Auch ist es allgemein üblich, dass Salz und Brot ins Tischtuch eingewickelt werden und über Nacht liegenbleiben.