Archive for the ‘Wissenswertes’ Category

Die Geschichte der Marzipankartoffeln

Dienstag, Dezember 23rd, 2025

Zum 23. Kalendertürchen

Im Folgenden findet ihr Angaben darüber, wer die Marzipankartofffeln verbrochen hat. Und wie das so ist mit Netzfundstücken – ich kann nicht sagen, ob die Geschichte so richtig ist oder obs eben nur eine Geschichte ist. Trotzdem will ich sie Euch hier nicht vorenthalten 😉

In der Vorweihnachtszeit des Kriegsjahres 1917 arbeitete der Düsseldorfer Konditor K.N.Üselig an der Lösung eines Problems: Beim Ausstechen von Marzipanfiguren blieb immer ein Rest übrig, er konnte noch so oft den übrig gebliebenen Teig neu ausrollen. Es half alles nichts. Es blieb immer ein Rest.
Doch er hatte alsbald die Lösung gefunden. Er rollte die beim Ausstechen verbleibenden Ränder zu amorphen Brocken zusammen und wollte Sie zu den deutschen Soldaten an die Front schicken. Doch beim Rollen verfärbten sich diese Brocken unschön, denn Herr Üselig, oder „KnÜsel“ wie ihn seine Freunde nannten, hatte es nicht so mit der Sauberkeit und vergaß des öfteren das Hände waschen nach dem Klo. Das sah man den Brocken jetzt an, die sich unschön dunkel verfärbt hatten. Immerhin – die Hände waren jetzt sauber.

Marzipankartoffeln sind lecker ;)

Marzipankartoffeln sind lecker 😉

Aber auch hierfür hatte der Konditor bald eine Lösung parat: Im Keller stand noch ein Sack Zimt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum seit ein paar Jährchen abgelaufen war. Mit den Worten „Die Soldaten wird’s freuen“ mehlte er die Brocken mit dem Zimt ein und machte so den Dreck seiner Pfoten unsichtbar.

Der Name für diese „Spezialität“ war auch rasch gefunden. Da die Äcker rund um Düsseldorf eine rot-braune Erde haben, nannte er seine Kreation „Matzipaan-Kartöffelkes“, beziehungsweise hochdeutsch eben Marzipan-Kartoffeln.

Der Rest der Geschichte ist rasch erzählt: Jene deutschen Batallione, die Üseligs „Kartöffelkes“ an die Front geschickt bekamen, entwickelten einen ungeahnten Kampfgeist, und wären mehr Konditoren auf diese geniale Idee gekommen, hätten wir den ersten Weltkrieg sicherlich nicht verloren, Deutschland wäre noch eine Monarchie, dieser neurotische Österreicher wäre uns erspart geblieben und „Knüsel“ hätte den Orden vom Kaiser bekommen, den dieser bereits befohlen hatte, aber nicht mehr verleihen konnte, weil er ja dringend abdanken musste.

Ja, so war das damals…

Montag, Dezember 22nd, 2025

Zum 22. Kalendertürchen

Die Symbolik der Weihnachtsbäume

Immergrüne Tanne: Symbolisiert Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit, bis heute gilt grün als die Farbe der Hoffnung – im ursprünglichen Kontext die Hoffnung auf das Wiedererwachen der Natur im Frühjahr und auf die Wiederkehr der Lebenszyklen (vgl. den Text von ‚O Tannenbaum‘).
Um Fruchtbarkeit und Hoffnung geht es auch in der weihnachtlich-christlichen Mythologie: Die Geburt Christi symbolisiert den Beginn eines neuen Lebenszyklusses (vgl. den Text von ‚Es ist ein Ros entsprungen‘) und gleichzeitig die Hoffnung auf Erlösung durch den Retter Jesu.

Grüner Zweig: Lebensrute, Glücks- und Segenbringer, auch als Geschenkbeigabe verwendet. Wir finden diese Bedeutung heute noch in der Redewendung ‚Auf (k)einen grünen Zweig kommen‘ = (Kein) Glück haben.
Die Abwehr von Bösem ist eine weitere Funktion des grünen Zweiges, wobei schwer zu sagen ist, ob der Abwehrgedanke ursprünglich ist oder schon auf christlicher Umdeutung beruht. Dennoch sind die beiden Seiten, Segen und dadurch Abwehr, untrennbar miteinander verbunden.

Nüsse sind verschlossen und schwer zu knacken, christmas20.gifsie sind Sinnbilder für Gottes Ratschluss – im Inneren wohnt das Dunkle, Rätselhafte; vergoldet sind sie strahlend und wirken lebendig. Wir verbinden mit ihnen Gedanken an Natur, Herbst und Fruchtbarkeit.

Geschenke: Kleine Päckchen hängen von alters her am Baum. Sie erinnern an die Gaben der Heiligen Drei Könige für das Kind, symbolisieren Nächstenliebe und Hingabe. Die Christen erinnert das Schenken zudem daran, dass die Geburt des Gottessohnes das grösste denkbare Geschenk ist. Daran möchten sie andere symbolisch teilhaben lassen. Die Geschenktradition ist aber nicht auf den christlichen Raum beschränkt. In die Zeit, in der wir heute Weihnachten feiern, fielen früher die römischen Saturnalien, ein Fest, bei dem Beamte und Sklaven mit Geschenken bedacht wurden., Auch die Wikinger bedachten im Mittwinter während der grossen Fruchtbarkeitsfeiern, ihre Gefolgsleute für treue Dienste mit Geschenken.

Ähnlich wie Nüsse sind auch die Tannenzapfen ein Fruchtbarkeitszeichen. Gleichzeitig stehen sie für Jungfräulichkeit und damit auch für die Jungfrau Maria. Manchmal sehen sie aber eher wie Eiszapfen aus und symbolisieren so den Winter.

Der Symbolgehalt von Vögeln wird unterschiedlich interpretiert. Es kommt darauf an, um welche Art es sich handelt: Störche sind Frühlingsboten, Glücks- und Kinderbringer. Käfigvögel symbolisieren Häuslichkeit, Tauben sind Friedensvögel und stehen für Vergeistigung. Eulen gelten als Zaubertiere und Symbole für Weisheit. Radschlagende Pfauen sagt man alle erdenklichen Zauberkräfte nach, ihr schillerndes Gefieder erinnert an die Pracht des Nachthimmels.

Aus Posaunen, den Instrumenten der Engel, wurden Trompeten für den Weihnachtsbaum. Da früher die Nachrichten auf dem Marktplatz verlesen wurden, nachdem die Boten die Menschen mit Trompetensignalen gerufen hatten, signalisieren sie auch gute Neuigkeiten. Ausserdem erinnern sie an den alten Brauch, böse Geister mit Getöse auszutreiben.

Sterne versinnbildlichen den Wissensschatz der Astrologie. Sie prangen am Baum als Symbole der Hoffnung auf ein gütiges Schicksal. Strohsterne erinnern daran, dass das Christkind auf Stroh in der Krippe lag. Der Stern auf der Spitze lässt an das Sternenwunder von Bethlehem denken.

Früher wussten die Menschen nur zu gut, wie wichtig Engel sind. Ohne die himmlischen Dienstgeister, das war den Erdbewohnern klar, lief fast nichts in dieser Welt. Engel hielten das Universum im Gang. Fast alle Religionen kennen Engel, die zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre vermitteln. An Weihnachten bevölkern goldene und silberne Flügelwesen die Bäume; manche ähneln Feen, andere wirken ernst und mächtig. Sehr häufig thront ein Engel an der Spitze des Christbaums, denn Engel verkündigen nach der Bibel die Geburt des Heilands.

Glocken läuten zur Heiligen Nacht und begrüssen das Neue Jahr. Die erste Kirchenglocke hat in Europa wohl im sechsten Jahrhundert in Italien geläutet. Glocken rufen, jubeln und erinnern. Da sie vor Gefahren warnen, sind Glocken am Weihnachtsbaum auch als Unglücksverhüter gedacht. Am Heiligabend verkünden sie eine frohe Botschaft: Kommt zum Fest! Kommt zur Bescherung!

(Kerzen-) Licht: Nachfolger der in den Mittwinternächten brennenden Kerze, die mit der allgemeinen Festbeleuchtung des christlichen Weihnachtsfestes verschmolz. Nach vorchristlichem Glauben sollte die Kerze den Verstorbenen helfen, in den Mittwinternächten den Weg nach Hause zurück zu finden. Auch wurde die Überwindung der dunkelsten Jahreszeit durch die Wintersonnenwende mit brennenden Feuern gefeiert:
Damit wurde die Wiederkehr der Sonne beschwört, deren wärmendes Licht ein Sinnbild des Lebens darstellt und für alle Lebensprozesse auf der Erde notwendig ist. Im Christentum symbolisiert Christus das Licht, die Hoffnung auf ein Ende der Finsternis bzw. stellt selbst das Licht in der Finstemis dar.

Die Wintersonnenwende und…

Sonntag, Dezember 21st, 2025

Zum 21. Kalendertürchen

die griechische Mythologie
Helios, der Sonnengott, fährt täglich mit dem Sonnenwagen über den Himmel, wo er alles sehen kann, was auf Erden geschieht. Nachts kehrt er in einer goldenen Schale vom fernen Westen an den Ostrand der Welt zurück. Als „Sol invictus“ (unbesiegte Sonne) wurde der Gott seit dem 3. Jht.n.Chr. im röm. Reich als dessen höchster Beschützer allgemein verehrt. Die Wintersonnenwende wurde besonders gefeiert, weil sie die zu erwartende Wiedergeburt der Natur und die Aussicht auf neues Leben ankündigte.

die römischen Saturnalien
Im heidnischen Rom dauerte das große Winterfest vom 17. Dezember bis zum Neujahrstag und wurde zu Ehren von Saturn, dem Gott des Ackerbaus, begangen. Allmählich wurde diese Feierlichkeit zur Rechtfertigung für zügellose Lustbarkeiten und Festgelage. Im 2. Jht. beschrieb der Dichter Lukian die Saturnalien als eine Zeit zum „Trinken und Betrunkensein, Lärmen, Spielen und Tanzen, der Ernennung von Königen und Bewirtung der Sklaven“. Freunde und Kinder wurden beschenkt; beliebt waren Glücksbringer, Honig, Kuchen und Gold. Die Häuser wurden mit Efeu, Stechpalmen- und Mistelzweigen geschmückt und jegliche Arbeit wurde verboten.

Wintersonnenwende-Szene

Wintersonnenwende-Szene

Hayden (Wicca) und das Julfest
Heute, am Julfest (auch Yule), dem Tag der Wintersonnwende feiert man den Tod des alten und die Geburt des neuen Jahres. Nach dem kürzesten Tag des Jahres wird die Kraft der Sonne wieder stärker, die Tage werden länger. Aus dem Julfest ist das Weihnachtsfest hervorgegangen. Die Übernahme des Gedanken der Geburt Jesu als Erlöser der Christen spiegelt die Geburt des neuen Jahres als Erlösung aus dem alten Jahr wider. Das Entzünden von Kerzen, die das Licht herbeiholen sollen, die Kerzenkronen der Mädchen am Lucia-Fest, die Kerzen am Weihnachtsbaum und dieser selbst stammen noch von den alten Riten her.
In Skandinavien verschenkt man Julböcke aus geflochtenem Stroh oder bäckt sie. Sie sind ein Sinnbild für den Gehörnten Gott, der heute aus dem Schoß der Göttin wiedergeboren wird.

Die christliche Komponente
Die christliche Kirche hatte mit ihren Zeremonien beträchtliche Schwierigkeiten, gegen diese ausschweifenden Feste und den Mithras-Kult anzukommen. Deshalb ergriff sie eine geschickte Maßnahme: Das Fest der Geburt Christi wurde auf den 25. Dezember festgelegt, da die Sonnenwende, die an diesem Tag gefeiert wurde, das größte Fest des mithraischen Jahres war (Mithras = Sol, Helios). Damit wollte man den Übergang von heidnischem Brauchtum zum christlichen Glauben erleichtern. Die Kirche in Rom entschied, es bei dem gewohnten, ausgelassenen Feiern zu belassen.

Weihnachten im Mittelalter:
In Nord- und Westeuropa entstand durch die Übernahme der diversen Mittwintertraditionen eine Vielfalt von weihnachtlichen Bräuchen. Die Feste waren noch immer geprägt von ausschweifendem Feiern. Die Aufführung von Theater- und Stegreifspielen war üblich und beliebt, wenn auch die Kirche zunächst dagegen angehen wollte. Später versuchte sie, ihnen Stücke entgegenzusetzen, die die Geburt des Heilands zum Thema hatten.
Weihnachten wurde in Europa eine der wenigen Gelegenheiten, wo sich die Fürsten miteinander trafen. Christliche Könige ließen sich an diesem Tag krönen. Dies war wiederum Anlass zu vergnüglichen Festen, die im allgemeinen von einer unglaublichen Verschwendungssucht geprägt waren.

Ebenezer Scrooge war kein Einzelfall

Donnerstag, Dezember 18th, 2025

Zum 18. Kalendertürchen

»Fröhliche Weihnachten, Onkel! Gott segne Sie!«, rief da eine vergnügte Stimme. Sie gehörte Scrooges Neffen, der so plötzlich auf ihn zukam, dass er ihn in diesem Augenblick erst bemerkte.
»Pah!«, rief Scrooge. »Humbug!«
Vom schnellen Gehen in Nebel und Frost war diesem Neffen von Scrooge so warm geworden,dass er geradezu glühte; sein hübsches Gesicht war gerötet, seine Augen glänzten und sein Atem dampfte noch. »Weihnachten ein Humbug? Aber Onkel!«, erwiderte Scrooges Neffe. »Das meinen Sie doch gewiss nicht ernst?«
»Und ob«, sagte Scrooge. »Fröhliche Weihnachten! Welches Recht hast denn du, fröhlich zu sein? Und welchen Grund? Du bist doch wahrlich arm genug.«
»Na, hören Sie«, entgegnete der Neffe munter. »Welches Recht haben denn Sie, übel gelaunt zu sein? Und welchen Grund,missmutig? Sie sind doch wahrlich reich genug.«
Scrooge, der im Augenblick keine bessere Antwort parat hatte, sagte wieder »Pah!« und ließ noch ein »Humbug« folgen.

Es gibt sie überall, die Weihnachtshasser… und es gab sie immer schon. Die Geschichte kennt Zeiten, in denen Weihnachten unerwünscht war und zu denen man am liebsten verbieten wollte, dass die Menschen Weihnachten feiern.

Charles Dickens, A Christmas Carol, 1843

Scrooge, der Weihnachtshasser

  • Die reformierten Christen glaubten, das Weihnachtsfest entspringe heidnischem Brauch und sei mit der römischen Kirche verbunden und lehnten es daher grundsätzlich ab. Am 16. November 1550 beschloß der Genfer Stadtrat, die auf einen Wochentag fallenden Feiertage abzuschaffen. Das kommende Weihnachtsfest sollte am Sonntag nach Weihnachten gefeiert werden (also am 28. Dezember), worüber es zu schweren Konflikten kam.
  • John Knox, schottischer Reformator und Mitbegründer der Presbyterianischen Kirchen, verbot 1560 alle kirchlichen Feste, so auch das Weihnachtsfest in Schottland. Daran hielten man sich bis in das 20. Jahrhundert hinein.
  • Die Quäker des 17. Jahrhunderts lehnten Weihnachten als Feiertag ab und gingen wie auch sonst ihren Geschäften nach. Allerdings fehlen in deren Kalender auch alle anderen kirchlichen Feiertage wie Ostern oder das Erntedankfest.
  • Die Puritaner, eine dem Calvinismus nahestehende Reformationsbewegung, war gegen das Weihnachtsfest, denn es umfasste in jener Zeit neben dem Gottesdienst auch Gelage, Besäufnis, Tanz und Glückspiel. Geschenke kannte man damals übrigens noch nicht. Erst 1856 wurde Weihnachten in Massachusetts ein staatlicher Feiertag.
  • 1647 erließ das Parlament ein Verbot derartiger Feste und schloß die Kirchen an den Weihnachtstagen. Bisherige Festtage wurden zu gewöhnlichen Arbeitstagen erklärtDas führte zu Straßenkrawallen zwischen Befürwortern und Gegnern des Weihnachtsfestes. In Canterburry wurden gar Geschäfte geplündert und verwüstet. Privat feierten die Menschen das Weihnachtsfest auch auch weiterhin.
    Ab 1660, nach Bendigung der Herrschaft der Cromwells, wurde unter der Monarchie von Karl II das Festverbot nicht mehr angewendet.
  • Die Vereinigten Staaten blieben auch dann noch gespalten. In Regionen, wo reformierte Christen die Mehrheit bildeten (u.a. Neuengland und Pennsylvania) wurde bis ins 19 Jahrhundert das Weihnachtsfest nicht gefeiert. In anderen Regionen aber feierte man auf die altenglische Art.

Under the Mistletoe

Donnerstag, Dezember 18th, 2025

Zum 18. Kalendertürchen

Die Mistel ist definitiv kein typischer Strauch – es ist ein Parasit, der lebende Bäume angreift. Technisch gesehen sind Misteln (es gibt weltweit über 1.000 Arten) tatsächlich Hemiparasiten.mistletoe Das heißt, sie gewinnen einen Teil ihrer Energie durch Photosynthese und der Rest wird aus anderen Pflanzen gewonnen.
Die Pflanze schickt ihre winzigen Wurzeln in die Rinde ihres Wirts, wo sie Wasser und Nährstoffe absaugt und den Baum langsam schwächt. Ein ausgewachsener Baum kann eine kleine Menge Mistel problemlos aushalten, aber wenn die Misteln sich stark ausbreiten, stirbt der Baum schließlich Stück für Stück.

Oftmals werden in der Weihnachtszeit Mistelzweige über Türen aufgehängt. Traf ein Junggeselle seine Angebetete unter diesem Mistelzweig, so durfte er sie ohne zu fragen küssen… und hoffen.
Das Küssen unter Misteln zur Weihnachtszeit soll im 18. Jahrhundert eine ziemlich verbreitete Tradition gewesen sein, obwohl der erste eindeutige historische Hinweis aus dem Jahr 1820 stammt. Washington Irving, Autor von ‚Sleepy Hollow‘ und ‚The Headless Horseman‘, schrieb über die Pflanze:

Der Mistelzweig mit seinen weißen Beeren hing an der unmittelbaren Gefahr aller hübschen Hausmädchen.

Die Engländer nannten die weißen Früchte „Kusskugeln“; in manchen Gegenden wurde der Mistelzweig 12 Nächte nach Weihnachten verbrannt, damit sich der Heiratswunsch der geküssten Jungen und Mädchen auch erfüllen konnte. Dieser wie auch der Brauch, die Mistel überhaupt als Weihnachtsdekoration zu benutzen, ist auch heute noch verbreitet.
Wer mit einem hübschen Mädchen oder einem netten jungen Mann unter dem Zweig mit den weißen Beeren steht, muss freilich die Spielregeln streng beachten: Nach dem Küssen einer Dame „under the mistletoe“ muss eine Beere gepflückt werden; ist die letzte Beere geerntet, wird auch nicht mehr geküsst.
In der englischen Grafschaft Staffordshire würde man keinen Bisssen vom Weihnachtspudding genießen, wenn die darunter brennenden Flammen nicht von Mistelzweigen genährt wären.

Jingle Bells ist All-gegenwärtig

Dienstag, Dezember 16th, 2025

Zum 16. Kalendertürchen

Man darf den Titel des Artikels wörtlich nehmen und diese Geschichte kannte selbst ich noch nicht. Also erzähle ich sie heute, passend zum Jubiläum des ‚Zwischenfalles‘.

Schirra und Stafford im November 1965

Schirra und Stafford im November 1965

Mitte Dezember 1965 machten sich an Bord von Raumschiff Gemini 6 die Astronauten Walter Schirra und Tom Stafford auf den Weg ins All zu einem Treffen mit Gemini 7, welches schon 11 Tage eher gestartet war.

Sechs Stunden nach dem Start von Gemini 6 kam es dann zu dem futuristischen Rendevouz im All, rund 300 Kilometer über den Marianen-Inseln näherte man sich bis auf 3 Meter dem Schwesterschiff an und plänkelte über Funk ein wenig.

Gemini 7

Junge, euer Laden sieht ja wirklich verboten aus

„Junge, Junge, euer Laden sieht ja wirklich verboten aus“, ließ Schirra die Besatzung von Gemini 7, Frank Borman und Jim Lovell, die schon fast zwei Wochen um die Erde kreisten, über Sprechfunk wissen. „Ihr habt’s gerade nötig“, funkte Borman zurück. Und zum erstenmal seit zwölf Tagen drang ein knappes Gelächter aus dem All. Natürlich machte man dabei auch ein paar Fotos; das Kabelgefitze an Gemini 7 ist nicht zu übersehen. Mehr über das Treffen kann man im Spiegel-Archiv nachlesen…

Nach der geglückten Mission lehnte sich Schirra entspannt zurück, die Besatzungen beider Raumschiffe gönnten sich ein Nickerchen nach der Präzisionsarbeit. Der Kalender zeigte den 16. Dezember 1965, und die zweiköpfige Besatzung bereitete sich auf die Rückkehr zur Erde vor. Alles schien normal zu sein bis…
Kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre meldete sich plötzlich Schirra bei Mission Control mit einem eher ungewöhnlichem Funkspruch und sorgte für Verwirrung:

„Gemini VII, this is Gemini VI. We have an obJect looks like a satellite going from north to south, probably in a polar orbit. He’s in a very low trajectory traveling from north to south and has a very high climbing ratio. It looks like it might even be a … very low. Looks like he might be going to reenter soon. Stand by one … You might Just let me try to pick up that thing. I see a command module and eight smaller modules in front. The pilot of the command module is wearing a red suit?!“


„Wir haben hier ein Objekt, sieht aus wie ein Satellit auf Kurs von Norden nach Süden, wahrscheinlich in polarer Umlaufbahn. Es ist auf einer sehr niedrigen Flugbahn […] und hat eine hohe Steigrate. Es sieht aus, als wäre es… ein bisschen. Sieht aus, als käme es bald zurück. Ihr könntet… Lasst mich versuchen, dieses Ding abholen. Ich sehe ein Kommando-Modul und davor acht kleinere Module. Der Pilot des Kommando-Moduls trägt einen roten Anzug?!“

Und noch während Houston überlegte, ob sie jetzt nicht doch ein Problem hätten, erreichte die Ohren der Mitarbeiter der Bodenkontrolle aus dem All über Funk etwas, das Ihnen wohlvertraut war: Sie hörten ‚Jingle Bells‘, gespielt auf einer Mundharmonika und passend begleitet von Gebimmel kleiner Glöckchen. Mit „Das war live, kein Band…“ beendeten sie die überraschende Aufführung.

instrumente

Gemini 6 harmonica and bells, 1965

Ohne das Wissen der Verantwortlichen im Kontrollzentrum hatten Schirra und Stafford es geschafft, extra für diesen Moment eine Mundharmonika und ein Schellenband an Bord des Raumschiffs zu schmuggeln.
„Wally kam auf die Idee“, erinnerte sich der pensionierte Air Force General Stafford. „Er konnte Mundharmonika spielen, und wir übten zwei oder drei Mal, bevor wir loszogen, aber natürlich haben wir den Jungs vom Boden nichts gesagt… “

Heute sind Mundharmonika und Glöckchen (1967 gestiftet von den beiden Witzbolden) zusammen mit anderen persönlichen Gegenständen, die Astronauten mit ins All genommen hatten, im Smithsonian National Air and Space Museum untergebracht. Nach Aussagen der Kuratorin Margaret A. Weitekamp ​​waren dies die ersten Musikinstrumente, die je im Weltraum spielten. Schirra starb 2007 und Stafford 2024.

Dritter Advent – 2025

Sonntag, Dezember 14th, 2025

3.Advent

Die dritte Kerze brennt für Anstand,
für Respekt und auch für Güte,
für Gerechtigkeit und für Verstand
und fürs eigene Gemüte.

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Der Sinn der Weihnachtskrippe

Als figürliche Darstellung veranschaulicht die Weihnachtskrippe die Geburt Jesu. Ursprung des Brauches sind vermutlich die in Rom verwahrten Krippenreliquien, vor denen die Päpste früher den nächtlichen Weihnachtsgottesdienst feierten.

»Stern und Engel, Hirten und die Weisen künden uns das Große, was geschah.
Und wir loben, danken und wir preisen, Gott ist nah!«
 Dietrich Bonhoeffer

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gab es Krippenspiele, die dann aber in Vergessenheit gerieten. Franz von Assisi war es, der am 24. Dezember 1223 in der Nähe von Rom eine Weihnachtsmesse las, bei der er als Symbol für die Geburt Christi wohl erstmals wieder ein Stall mit Holzfiguren aufbaute.
Blütezeit der Krippen war das Barock. Die Jesuiten wollten nach der Reformation den Glauben wieder veranschaulichen und so bauten sie gewaltige und wertvolle Krippen. KrippeDer Funken sprang bald auf die Städte über, und schließlich wollte jede Gemeinde eine eigene Krippe.

Um 1800 kam es mancherorts zu einem Verbot der Krippen, was aber nur dazu führte, daß die Krippen verstärkt Einzug in die Häuser fanden.
Die Vielfalt der Weihnachtskrippen ist beinahe grenzenlos:
Die Hirten in bayerischen Krippen tragen die üblichen Trachten. In Japan bringen statt Königen Samurais die Geschenke. Bei den Eskimos liegt das Jesuskind auf einem Schlitten, und in Afrika ist das Christkind schwarz. Die Kolumbianer lieben es bunt. Die Holzfiguren leuchten in wunderbaren Farben. Doch auch in Europa findet sich eine wahre Krippenvielfalt. Die Andalusier flechten eine Graskrippe aus Palmwedeln. Für die Figuren wird Hanf verknotet. Bei den Krippen aus Neapel sind Stall und umgebende Gehöfte Ruinen. Die Krippenschnitzer der französischen Provence verwenden Baumrinde und Torfballen. Auf Korsika liegen in der Krippe getrocknete Meeresalgen. Aus Thüringen stammt eine Glasbläser-Krippe.

Eiskrippe im Landhaushof Graz

Sonntag, Dezember 14th, 2025

Zum 14. Kalendertürchen

Seit 1996 wird im schönsten Renaissance-Hof von Graz, dem Landhaushof, nach Idee und Plan von Gert J. Hödl mit seinem internationalen Eisschnitzer-Team eine weltweit einzigartige Weihnachtskrippe aus klarem Eis errichtet. Mittlerweile gilt sie als Klassiker des Grazer Advents, der jedes Jahr mit Spannung erwartet wird.
Diese „Eiskrippe“ mit lebensgrossen Figuren und der gewaltigen Eiskonstruktion aus rund 50 Tonnen kristallklarem Eis hat sich binnen weniger Jahre zum absoluten Publikumshit für den Advent in Graz entwickelt und ist zweifellos auch in diesem Jahr wieder ein einzigartiges und vergängliches Kunstwerk.

Öffnungszeiten: 29.11. – 31.12.2025, von 08.00 bis 21.00

Eiskrippe © Bernhard Pfeifer, Graz

Eiskrippe 2006, Foto © Bernhard Pfeifer, Graz

Bis 2011 hatte ich von dieser Krippe noch nichts gehört, aber dann machte mich Karin aufmerksam, die schon einige Jahre hier mitliest. Ich fing an, gute Fotos zu suchen, aber entweder darf man sie nicht verwenden oder war die Krippe schon arg angetaut…
Aber dann fand ich Bilder, die gefielen, fand auch eine Mailadresse zum Fotografen und bedanke mich jetzt bei Bernhard Pfeifer. Ich hoffe, er verzeiht meine Nachbearbeitung…