Zum 01. Kalendertürchen
Am 1. Dezember beginnt alljährlich ein Ritual, das sich an den folgenden 23 Tagen wiederholt: Am Adventskalender wird ein Türchen geöffnet. Dahinter erscheint dann ein Bild oder ein kleines Geschenk. Millionen der Tagezähler bis Weihnachten stehen in den Wohnungen. Die gelten als deutsche Erfindung.

Uwe Mann von Velzen von der evangelischen Stiftung „Das Rauhe Haus“ in Hamburg sieht den Adventskalender jedoch schon in dem Adventskranz mit 24 Kerzen, den der Theologe Johann Hinrich Wichern 1839 in dieser Einrichtung für verwahrloste Kinder aufgehängt hat. „Damit wollte Wichern die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest als Weg aus der Dunkelheit ins Licht veranschaulichen.“
Arme Familien konnten sich im 19. Jahrhundert einen Adventskranz nicht leisten. Sie machten Kreidestriche an die Tür und wischten täglich einen weg. Oder die Kinder durften je einen Strohhalm in die Krippe legen, um dem Christuskind ein weiches Bett zu bereiten. Weitere Formen sind die Weihnachtsuhr, oder aber eine Adventskerze die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte. „Hinter allem steckte bei den christlichen Familien das pädagogische Ziel, die Kinder entsprechend auf das Weihnachtsfest vorzubereiten“, unterstreicht Mann van Velzen.
Ein sehr frühe Form des Adventskalenders ist diese Weihnachtsuhr (1902).
Hallo Karl-Martin… Der Abschnitt geht auf Deine Kappe.

Die erste Adventsuhr hatte den Namen “Weihnachtsuhr für Kinder”.
Sie wurde 1902 im Auftrag von Johannes Schrodt, Frankfurt bei der Evangelischen Buchhandlung in Hamburg herausgegeben.
Das Zifferblatt umfasste allerdings nur 12 Tage (vom 13. bis 24.) und nicht wie heute meist üblich vom 1. – 24. und jedem der zwölf Tage war ein Liedanfang (z.B. “Ihr Kinderlein kommet” oder “Alle Jahre wieder”) oder aber auch ein Bibelspruch zugeordnet.
In der Mitte des Zifferblattes der ersten Weihnachtsuhr war ein erleuchteter Tannenbaum zu sehen mit Rehlein und Hase am unteren Bildrand.
Ein Exemplar hängt im Weihachtshaus in Husum.
Diese Uhr hier ist eine ’neuere Ausgabe‘, von der St. Johanis-Druckerei in Dinglingen (Stadtteil von Lahr) aus 1922. Ich hatte wegen der Grafik Kontakt zu einem Sammler von alten Adventskalendern – der hatte all seine Schätze fotografiert. Ausserdem gibt es ein Buch, das an die alte Weihnachtsuhr erinnert… man bekommt es aber nur noch gebraucht z.B. über ZVAB:
Die Weihnachtsuhr. Geschichten, Gedichte, Rezepte
Hans Christians Verlag 1988, ISBN 3-7672-1050-9
1903 hatte der Verleger Gerhard Lang die Idee für eine erste Vorform eines Adventskalenders. Zeichnerisch umgesetzt wird diese von Richard Ernst Kepler. Die ‚Fenster‘ enthielten weihnachtliche Verse und konnten nach und nach mit Sammelbildern überklebt werden.

Im Lande des Christkinds 1903
Weitere Informationen zur Geschichte der Adventskalender gesucht? Gerne doch 🙂
Zutaten für 30 Stück:

Spekulatius
- 250 g Mehl Type 1050
- 1 Prise Salz
- 1 Ei
- 4 Äpfel
- 6 ml flüssiger Süßstoff
- 1 Teelöffel Zimt
- Margarine
- abgeriebene Schale von ½ Zitrone, unbehandelt
- Mehl für die Arbeitsfläche
Mehl und Salz mischen, auf die Arbeitsfläche häufen. In die Mitte eine Mulde drücken. Ei, Süßstoff, Zimt und Zitronenschale hineingeben. Margarine in Flöckchen an den Rand setzen. Von qußen nach innen rasch zu einem glatten Teig verkeneten. In Folie wickeln und etwa eine Stunde kalt stellen.
Den Teig portionsweise auf leicht bemehlter Arbeitsfläche dünn ausrollen. Holzmodeln dünn mit Mehl ausstreuen und fest auf den Teig drücken. Die Figuren mit dem Messer ausschneiden. Statt Holzmodeln können Sie auch Förmchen verwenden und Figuren ausstechen. Die Plätzchen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad (Umluft 180 Grad) 10 bis 15 Minuten backen.
Ein Stück enthält etwa 60 Kilokalorien, 1 g Eiweiß, 3 g Fett und 6 g anzurechnende Kohlenhydrate (1/2 BE).

Die erste Kerze brennt für Stille,
für Ruhe und Gemütlichkeit
für Herzlichkeit und für den Willen,
zu leben in Behaglichkeit.
~

Das Wort Advent kommt vom lateinischen ‚advenire‘ und bedeutet ‚ankommen‘.
Gemeint ist die Ankunft des Sohnes Gottes, die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem zu Weihnachten.
Seit dem 5. Jahrhundert haben die Christen erkannt,
dass das Kind in der Krippe bei ihnen nur ‚ankommen‘ kann, wenn sie sich gründlich darauf vorbereiten.
Dem Weihnachtsfest wurde also eine Vorbereitungszeit vorangestellt, die ursprünglich sechs Wochen dauerte und am Tag nach dem Martinsfest (am 11. November) begann. Erst später wurde diese Zeit auf vier Sonntage verkürzt.
Heute nun brennt das erste Licht, wenn auch die eigentliche kirchliche Adventszeit schon lange angefangen hat. Die weltlichen und die kirchlichen Bräuche der Adventszeit sind eng miteinander verbunden. Im Laufe der Zeit vermischten sich kirchliche mit altgermanischen Bräuchen; jedoch blieben die Lieder und Spiele sowie die Feste der Heiligen Martin, Katharina, Andreas, Barbara, Nikolaus, Luzia oder Thomas bis heute erhalten. Besonders verbreitet sind noch heute Adventskalender und der Adventskranz. 
Die Adventszeit
Schon im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt wurde von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt.
Die 4 Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten mußte. Durch Übernahme gallischen Brauchtums war die Adventszeit zur Buß- und Fastenzeit geworden. Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr.
Zur Adventszeit sind die Straßen der Städte hell beleuchtet. Überall hängen Lichterketten und bunter Schmuck. In den Fenstern hängen Sterne und andere Figuren aus Papier und aus vielen Küchen kommt ein schöner Duft: die Menschen fangen an, Plätzchen und besondere Weihnachtskuchen zu backen, und zahlreiche Weihnachtsmärchen werden erzählt. Auf den Bühnen finden zur Adventszeit passende Konzerte und Schauspiele statt. In Deutschland sind in der Adventszeit in vielen Städten die Weihnachtsmärkte geöffnet.

von Jutta Butschkau
Am 30. November saß Ännchen auf dem Bettrand und hielt einen schönen, bunten Adventskalender nachdenklich in den Händen. Die Mutter hatte ihn ihr beim Gutenachtsagen gegeben und dazu gesagt:
»In diesem Jahr wirst du die Fenster deines Adventskalenders hoffentlich nicht wieder vorher aufmachen!«
Dann war sie schnell hinausgegangen, ohne eine Antwort abzuwarten. Ännchen wusste genau, was damit gemeint war. Im vergangenen Jahr hatte sie nämlich aus lauter Neugier schon am 4. Dezember alle Fensterchen des Adventskalenders geöffnet. Die Eltern waren traurig darüber gewesen, und Ännchen selbst hatte keine Freude mehr an dem Kalender gehabt. Die Kleine seufzte. Wenn man doch nur wüsste, was hinter den Fenstern zu sehen war? Zum Beispiel am Nikolaustag, und dann am 2. Advent … oder gar am Heiligen Abend!
Ännchens gute Vorsätze schmolzen wie die Eisblumen am Fenster dahin, wenn sie sie anhauchte. Ganz vorsichtig lupfte sie das Fensterchen zum 1. Dezember. HALT! stand dahinter mit dicken, roten Buchstaben und einem Ausrufezeichen.

Ännchen – von einer KI generiert
Ännchen erschrak. Was sollte das bedeuten?
Sie hatte einen Stern oder ein Licht erwartet. Was war das nur für ein merkwürdiger Adventskalender?
Kurz entschlossen machte sie noch ein paar Fenster auf: kein Spielzeug, kein Tannenzweig, keine Kerze war zu sehen – es gab nur Worte, nichts als Worte! Ännchen nahm einen Bleistift und schrieb hintereinander auf, was an jedem Tag bis zum 24. Dezember zu lesen war. Es kam ein Vers heraus:
»Halt! Was hast du uns versprochen,
Du wolltest doch in diesen Wochen,
Wo wir uns auf das Christkind freun,
Nicht mehr Fräulein Neugier sein!«
Ännchen schämte sich schrecklich. Aber was half es noch? Gar nichts mehr. Sie legte den Kalender auf den Tisch, schlüpfte ins Bett und schämte sich weiter, bis sie schliesslich darüber einschlief. Als sie am Morgen erwachte und mit schlechtem Gewissen zum Tisch hinüberschaute, machte sie große Augen. Der Tisch war leer, aber an der Wand neben dem Bett hing ein neuer Adventskalender mit lauter geschlossenen Fensterchen. Im Nu war Ännchen aus dem Bett gesprungen und hatte das Fenster zum 1. Dezember aufgemacht: Ein goldener Stern leuchtete ihr entgegen.
Ob Ihr es nun glaubt oder nicht: Ännchen war von ihrer Neugier geheilt. Diesmal öffnete sie täglich nur ein Fensterchen und freute sich an ihrem Adventskalender bis zum Heiligen Abend.

»Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch,
durch das auf unsrem dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.«
Friedrich von Bodelschwingh
Da ist er wieder, dieser eine Beitrag, den ich Jahr für Jahr umschreibe und anpasse. Inzwischen wird es der neunte Winter im kleinen alten Haus auf dem Dorf – ziemlich weit weg vom Stadtbild und den andere Verrücktheiten. Beste Entscheidung damals…

Es geht auf Weihnachten zu – und die Weihnachtsmärkte öffnen.
Wenn mich nicht noch die Kollegen beschwatzen werde ich auch in diesem Jahr ndort icht hingehen. Leider…
Uns gehört nur die Stunde.
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.
Theodor Fontane
Deshalb machen wir HIER weiter mit den kleinen, alten Ritualen. Euch erwartet das ewig Gleiche, nicht mehr und hoffentlich (so es meine Zeit erlaubt) nicht weniger:
Wer gleich um Mitternacht nach dem neuen Fensterchen gucken kommt, der erwischt mich vielleicht manchmal bei den letzten Aktualisierungen. Wiederholungstäter hier kennen das ja schon, voreilig gucken und mogeln ist nicht. Die Kalenderfenster lassen sich erst öffnen, wenn das Datum passt. Blogeinträge gibt es obendrauf, altbekannt oder aktuell.
Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mußte ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bißchen wärmen.
Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel.
Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müßte auch das Schloß dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. »Wenn der Schlüssel nur paßt!« dachte er. »Es sind gewiß kostbare Sachen in dem Kästchen. « Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, daß man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel paßte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen…
Gebrüder Grimm

und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat…

Internetfundstück
Ganz leise fallen weiße Flocken,
als wär der Winter nur auf Socken,
als schleicht er leise nun umher.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.
Der letzte Lärchenbaum wird kahl,
das Licht ist dämmrig, ist fast fahl.
Man sehnt sich nach der Sonne sehr.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.
Zierkürbisse sind weggefault,
das Kind jetzt mit den Eltern mault.
Der Stiefel ist noch immer leer.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.
Die Trauben sind jetzt schon gepflückt,
so mancher Winzer geht gebückt.
Die Körbe waren viel zu schwer.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.
Wenn Winter nun den Einzug hält
auf manchen Teilen dieser Welt.
Denkt mancher noch
was für Coleur
gab doch der Herbst,
der Herbst so her.

Entlang der Bahnstrecke Leipzig – Dresden kilometerweit durch weißes Nichts im Januar 2009
Zum 09. Kalendertürchen
Es riecht wie Glühwein, es sieht aus wie Glühwein, es schmeckt aber viel besser als Glühwein. Was kann das sein? Die Rede ist von Glögg, der skandinavische Variation des alkoholischen Heißgetränks. Eigentlich ist es erstaunlich, dass dieses Gebräu seinen Ursprung in Schweden hat, einem Land, in dem der Alkohol nur rationiert verkauft werden darf.
Glögg wird wie in Deutschland der Glühwein bevorzugt in der kalten Jahreszeit getrunken. Die Basis dieses köstlichen Trunks ist Rotwein kombiniert mit Korn, Rum oder Wodka und abgeschmeckt mit den klassischen Weihnachtsgewürzen wie Zimt, Ingwer, Nelken oder Anis. Der Clou an dem nordischen Heißgetränk sind die Mandeln und Rosinen, die dem Glögg beigemengt werden.
Das Geheimnis eine guten Glögg ist, dass es kein Geheimnis gibt. Einfach alle Zutaten in einen Topf werfen und erwärmen, aber nicht zum Kochen bringen, sonst verflüchtigt sich der Alkohol. Die Höhe des Alkoholgehaltes bestimmt der Braumeister selber und kann durch in Rum oder Madeira eingelegte Rosinen dezent erhöht werden.
Dann heizt der schwedische Glühwein erst richtig ein. Aber schließlich haben es unsere nordischen Nachbarn in den Wintermonaten auch besonders kalt. Das leckere Heißgetränk wird bevorzugt in geselliger Runde getrunken, ebenso wie bei seinem deutschen Verwandten.
Die Skandinavier lieben es süß und das gilt auch für ihre Glühweinvariante. Lieblicher Rotwein oder ganz einfach Zucker werden gerne zur richtigen Geschmackbildung verwendet. Glögg zu brauen ist keine Zauberei, vielmehr sollte man eine gehörige Portion Kreativität und Mut zur Verschwendung von Hochprozentigem mitbringen. Na dann, Skål!