Archive for the ‘Dies und Das’ Category

Die traditionelle, nordische Glühweinvariante

Mittwoch, Dezember 8th, 2021

Zum 08. Kalendertürchen

Es riecht wie Glühwein, es sieht aus wie Glühwein, es schmeckt aber viel besser als Glühwein. Was kann das sein? Die Rede ist von Glögg, der skandinavische Variation des alkoholischen Heißgetränks. Eigentlich ist es erstaunlich, dass dieses Gebräu seinen Ursprung in Schweden hat, einem Land, in dem der Alkohol nur rationiert verkauft werden darf.

Glögg wird wie in Deutschland der Glühwein bevorzugt in der kalten Jahreszeit getrunken. Die Basis dieses köstlichen Trunks ist Rotwein kombiniert mit Korn, Rum oder Wodka und abgeschmeckt mit den klassischen Weihnachtsgewürzen wie Zimt, Ingwer, Nelken oder Anis. Der Clou an dem nordischen Heißgetränk sind die Mandeln und Rosinen, die dem Glögg beigemengt werden.

Das Geheimnis eine guten Glögg ist, dass es kein Geheimnis gibt. Einfach alle Zutaten in einen Topf werfen und erwärmen, aber nicht zum Kochen bringen, sonst verflüchtigt sich der Alkohol. Die Höhe des Alkoholgehaltes bestimmt der Braumeister selber und kann durch in Rum oder Madeira eingelegte Rosinen dezent erhöht werden.

(c) Mr.Choppers @ Wikimedia

(c) Mr.Choppers @ Wikimedia

Dann heizt der schwedische Glühwein erst richtig ein. Aber schließlich haben es unsere nordischen Nachbarn in den Wintermonaten auch besonders kalt. Das leckere Heißgetränk wird bevorzugt in geselliger Runde getrunken, ebenso wie bei seinem deutschen Verwandten.

Die Skandinavier lieben es süß und das gilt auch für ihre Glühweinvariante. Lieblicher Rotwein oder ganz einfach Zucker werden gerne zur richtigen Geschmackbildung verwendet. Glögg zu brauen ist keine Zauberei, vielmehr sollte man eine gehörige Portion Kreativität und Mut zur Verschwendung von Hochprozentigem mitbringen. Na dann, Skål!

 

The German Christmas Pickle Tradition

Dienstag, Dezember 7th, 2021

Zum 07. Kalendertürchen

Die eigenen Bräuche zu Festtagen kennt man oder man hat zumindest schon einmal davon gehört. Das gilt ganz besonders für Weihnachten. Kurios kann es allerdings werden, wenn in anderen Ländern vermeintliche Bräuche verbreitet werden. Einer dieser Fälle ist die deutsche Weihnachtsgurke – the German Christmas Pickle.
Ich beschäftige mich schon etliche Jahre intensiver als andere mit dem Thema Weihnachten, aber trotzdem gab es eine ‚Tradition‘, von der ich früher anie gehört habe, die sich aber in den letzten Jahren immer mehr verbreitet. Oder kennt Ihr Weihnachtsgurken und hattet so ein Ding in den Weihnachtsbäumen Eurer Kindertage hängen?

Vielleicht lag es an der damaligen Mangelwirtschaft; vielleicht kommen die Christmas Pickles aus der Gurkenhochburg des Ostens (dem Spreewald) und gingen allesamt in den Export oder… Vielleicht waren meine Eltern einfach nur Traditionsbanausen und haben dieses bedeutsame Kulturgut vor mir geheimgehalten…
Fakt ist: Weihnachtsgurken kannte ich nicht. Und Wikipedia hilft da ja immer weiter:

Eine Weihnachtsgurke ist ein aus Glas hergestellter Weihnachtsbaumschmuck in Form einer Gewürzgurke. In den USA ist es ein Weihnachtsbrauch, den Weihnachtsbaum mit einer solchen „Christmas Pickle“ etwas versteckt zwischen den Zweigen zu behängen. Durch ihre grüne Farbe ist die Gurke relativ schwer zu entdecken. Derjenige, der als erster die Weihnachtsgurke entdeckt, erhält ein zusätzliches Geschenk. Glasbläsereien bieten drei unterschiedliche Größen an, um den Schwierigkeitsgrad an das Alter der Kinder anzupassen.
Die Wurzeln des Brauches sind unklar. In den USA wird dieser Brauch als alte deutsche Tradition beschrieben. In den meisten deutschsprachigen Regionen ist die Weihnachtsgurke jedoch unbekannt.Ob die vereinzelt im deutschsprachigen Raum auftretenden Weihnachtsgurken auf eine lokale Tradition oder eine Übernahme aus den USA zurückgehen, ist unklar.

Weihnachtsgurke

To start a tradition that surely will last.
Here’s a short story about the pickle of glass.

The night before Christmas it’s hung on the tree.
While everyone’s sleeping it’s done secretly.

And on Christmas morning when you arise.
The first one to find it will get a surprise.

Gibt es noch weitere “urtypische” Weihnachtstraditionen, von denen ich noch nichts weiß und die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind? Gibt es vielleicht auch Weihnachts-tomaten? Die möchte ich natürlich dann auch kennenlernen und hier bekannt machen – so wie diese traditionell deutsche Weihnachtsgurke. In ein paar Jahren hängt dann der Baum voll mit gesundem Glasemüse.
Vermutlich ist die Weihnachtsgurke nur ein marketingtechnischer Schachzug, um den Amis mit Hilfe einer netten Geschichte ein paar Dollar aus der Tasche zu ziehen. Gelungen, sag ich mal 🙂

Möglicherweise bin ich gerade auf den wahren Hintergrund dieser altbekannten deutschen Tradition gestoßen – demnach ist Woolworth schuld:

I loved knowing about this and participating in this tradition. Since I am still attending classes at the University of Google, I was able to research more about it’s origin. My research left me feeling a little cheated […].
The fact that the legend was written in English should have been my first clue. There are a few more things wrong with the story. First, the Germans open their presents on Christmas Eve and not on Christmas morning. Secondly, St. Nicholas arrives on Dec.6th and the third and most important flaw in the legend is that the Germans have never heard of it.

In 1800 F.W. Woolworth made a trip to Germany where he fell in love with the glass blown ornaments. He began importing them to the States to sell in his stores.
Production of the glass pickle began in 1890 and it is believed to have been sent directly to the U.S. along with it’s „German tradition“.
You should have seen the look on my neighbor’s face when I showed her my “ Traditional German Pickle“ hanging in my Christmas tree.

Quelle: Torngren Blog – Die Weihnachtsgurke

Eine Gurkenlegende, die dem geneigten amerikanischen Kunden gern zum Gurkenkauf erzählt wird, führt nach Georgia zum Soldaten John Lower.
Der war gebürtiger Bayer und in seiner Heimat als Hans Lauer bekannt. Hans kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg und wurde dabei schwer verwundet. Auf dem Sterbebett liegend, so heißt es, hatte er nur noch einen letzten Wunsch: „Eine Gurke, bringt mir eine Gurke!“
Sein Wunsch wurde erfüllt, man brachte ihm eine Gurke und – oh Wunder – die Gurke gab ihm seine Kräfte zurück und Hans überlebte. Als Dank für seine Heilung versteckte er beim nächsten Weihnachtsfest eine Gurke im Baum, um dem Gurkenfinder ebenso viel Glück zu bringen. Wahr oder nicht wahr? Man weiß es nicht 🙂

Wie der Spekulatius entstand

Montag, Dezember 6th, 2021

Zum 06. Kalendertürchen

Spekulatiusform

Spekulatiusform

Dem Hausbesuch des heiligen Nikolaus beim Einkehrbrauch entspricht die bischöfliche Visitation, bei der sich der Bischof durch eigenen Augenschein von der pastoralen Verhältnissen in einer Gemeinde überzeugt. Der Bischof tritt dabei als »Spekulator« (lat. speculari = spähen, sehen, gewahr werden), Beobachter, auf und ist gleichzeitig Vorbild.

Ein spezielles Gebildebrot, der Spekulatius, scheint seinen Namen deshalb zu haben, weil es meist den Bischof, der auch den Titel »Spekulator« trug, in repräsentativer Form, oft hoch zu Ross, wiedergab.

Eine andere Ableitung bezieht sich auf lat. speculum = Spiegel, wegen der spiegelbildlichen Darstellungen, die in den Backformen eingeschnitten sind.

Der Spekulatius ist ein Formgebäck aus dem holländisch-niederrheinischen Gebiet, welches es durch die Benutzung von Modeln, in die der Teig hineingepresst wird, entsteht. Dargestellt werden der Heilige, Szenen der Legende und regionale Motive.

Die Modeln aus Holz und Ton lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Herstellung war aufgrund der hohen Gewürzpreise bis nach dem zweiten Weltkrieg recht teuer und das Gebäck für die breite Bevölkerung nicht immer erschwinglich. Es hatte den Ruf einer exotischen und wertvollen Spezialität, wird aber seit Jahren auch zu St. Martin, im Advent und Weihnachten gereicht.

nach Informationen von nikolaus-von-myra.de

Weihnachtsbäckerei

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Herbei zur Weihnachtsbäckerei

Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!
Frische Plätzchen, süß und lecker,
backt ein jeder Weihnachtsbäcker.
Für die Schlingel, für die Schätzchen
Gibt`s die besten Weihnachtsplätzchen!
Herbei! Herbei zu der Weihnachtsbäckerei!

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Montag, November 29th, 2021

1.Advent

»Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch,
durch das auf unsrem dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.«
 Friedrich von Bodelschwingh

Es ist Advent

und das war ja immer die Zeit, meine alte Webseite aus der Versenkung zu holen.
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Es ist wenig erbaulich, wie sich das Leben und die Gesellschaft im letzten Jahr entwickelt hat. Ich will das hier nicht thematisieren, aber so pessimistisch wie aktuell war ich lange nicht. Mein Mann reizt mich seit Jahren mit dem lapidaren Spruch ‚Alles wird gut‘ – aber seit Monaten hat er das so nicht mehr gesagt.
Letztes Jahr hatte ich den Starteintrag für 2020 so beendet:

Und plötzlich sind wir wieder am Ende eines Jahres. Aber… Advent? Weihnachtszeit?! Mir macht Angst, was derzeit passiert. Und ich fürchte mich sicher nicht vor einem Virus.

Und jetzt ist 2021. Vollständig aufgebaute Weihnachtsmärkte wurden wieder abgebaut, kein Weihnachtsmann reist mit der alten Dampflok auf dem Hauptbahnhof Leipzig an, die Stimmung ist… bedrückend. Wo führt das noch hin?!

Ok, genug davon. Hier bleibt alles beim Alten, nicht mehr und hoffentlich (so es meine Zeit erlaubt) nicht weniger: Wer gleich um Mitternacht gucken kommt, der erwischt mich mit Sicherheit manchmal bei den letzten Aktualisierungen.
Voreilig gucken und mogeln ist nicht, weil die Seiten noch nicht existieren. Jeden Tag wird ein neues Kalenderfensterchen zu öffnen sein und dahinter verbergen sich… ach, komm einfach vorbei! Blogeinträge gibts obendrauf.

Ich wünsche Euch eine schöne Zeit!

Andrzejki

Sonntag, November 29th, 2020

In Polen wird die Andreasnacht – genannt Andrzejki – vor allem von Jugendlichen sehr oft ausgiebig begangen, weil sie als letzte Feier vor dem Beginn der besinnlichen Adventszeit betrachtet wird.

Wachsgießen in Polen

Zahlreiche unverheiratete Mädchen und Frauen frönen in der Nacht vom 29. zum 30. November mystischen Bräuchen und Spielen und versuchen auf vielerlei Weise, die Zukunft zu deuten. Auf einer Andrzejki-Party wird meist Wachs erhitzt und durch das Loch eines Schlüssels in kaltes Wasser gegossen. Die sich daraus ergebende Wachsfigur wird anschließend von einer Wahrsagerin auf verschiedene Art und Weise interpretiert.
Für eine andere Form der Vorhersage werden zwei kleine Kerzen in die leeren Hälften einer Walnuss gestellt und, während an eine gemeinsame Zukunft mit dem Auserwählten gedacht wird, in eine Schüssel mit Wasser gestellt. Bewegen sich die Hälften aufeinander zu, wird das als gutes Zeichen gedeutet, bewegen sie sich voneinander weg, steht die Beziehung unter keinem guten Stern.
Oft wird auch aus den Schuhen aller anwesenden Mädchen eine Schlange bis zur Tür gebildet. Immer jeweils den letzte Schuh setzt man an die Spitze dieser Schlange. Das Mädchen, dessen Schuh die Tür berührt, wird bald heiraten.
Ob das folgende Jahr Liebe, Heirat oder Reichtum bringt, soll ein Spiel mit vier Tassen zeigen. Unter drei der Tassen werden eine Münze, ein Blatt und ein Bild gelegt, unter einer Tasse bleibt der Platz leer. Danach werden die Tassen gemischt und eine gewählt. Das Bild bedeutet Liebe, das Blatt Heirat und die Münze Reichtum. Ist nichts unter der Tasse, bleibt alles, wie es ist.

»Schau in der Andreasnacht
was für Gesicht das Wetter macht.«

2020 – ich schalte die Seiten doch wieder an

Sonntag, November 29th, 2020

Wer auch immer hier reinstolpert: Ich bin noch immer da. Es war nicht mein Plan, die Seiten nochmals öffentlich zu schalten, aber planen funktioniert derzeit gar nicht.

Das vergangene Jahr war für mich schon ab Januar schräg – als ich auf der Stroke Unit neben dem Mann saß und mir niemand sagen wollte, was Sache ist. Nach 126 Stunden hat man den Mann aus der Internsivbetreuung entlassen. DAS war gerade nochmals gut gegangen. Ich pendelte in der Zeit zwischen Job, Krankenhaus und meiner Mutter. Zu der Zeit wurde der erste Corona-Fall bei Webasto publik, den die Politik noch abwiegelte. Bei mir kamen Wochen in der Reha (für den Mann) und im März die Besuchsverbote in allen Pflegeeinrichtungen – dementsprechend auch in der WG meiner Mutter.
Ohne hier viel zu schreiben: Meine Mutter hat diesen ‚Schutz‘ nicht überlebt. Nach 6 Wochen Isolation hat man mich Ende April angerufen, sie verweigerte jede Nahrung und war nicht mehr ansprechbar. Sterbebegleitung war ‚großzügig`erlaubt – aber ich konnte nicht rückgängig machen, was die Isolation ausgelöst hatte. Die folgenden 4 Monate waren heftig; Ende August ist meine Mutter gestorben. Ohne, aber WEGEN Corona.

Seither stolpere ich durch die Tage. Einen neuen Rythmus habe ich noch nicht wirklich gefunden, weil ja alles nach meiner Mutter getaktet war. Ich vermisse die Mädels aus der Pflege-WG, die zu meinem Alltag gehört haben und denen ich sehr dankbar bin.

Das Leben trottet vor sich hin. Wir haben irgendwie auch Glück, der Job ließ sich teilweise gut ins Homeoffice verlagern. Der Blick aus dem Küchenfenster lenkte ab von der Tristesse…

Garten

Das sehe ich, wenn ich in der Küche sitze…


Und plötzlich sind wir wieder am Ende eines Jahres. Aber… Advent? Weihnachtszeit?!
Mir macht Angst, was derzeit passiert. Und ich fürchte mich sicher nicht vor einem Virus.

Donnerstag, Oktober 29th, 2020

Die Zeit vergeht, immer schneller werden ihre eiligen, kleinen Schritte.
Wie goldene Stäubchen im roten Strahl der Sonne,
so flimmern in der Zeit die Menschen auf und verschwinden wieder.
Maxim Gorkij, (1868 – 1936)