Es ist Advent

»Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch,
durch das auf unsrem dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.«
 Friedrich von Bodelschwingh

Da ist er wieder, dieser eine Beitrag, den ich Jahr für Jahr umschreibe und anpasse. Inzwischen wird es der neunte Winter im kleinen alten Haus auf dem Dorf – ziemlich weit weg vom Stadtbild und den andere Verrücktheiten. Beste Entscheidung damals…
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Es geht auf Weihnachten zu – und die Weihnachtsmärkte öffnen.
Wenn mich nicht noch die Kollegen beschwatzen werde ich auch in diesem Jahr ndort icht hingehen. Leider…

Uns gehört nur die Stunde.
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.
Theodor Fontane

Deshalb machen wir HIER weiter mit den kleinen, alten Ritualen. Euch erwartet das ewig Gleiche, nicht mehr und hoffentlich (so es meine Zeit erlaubt) nicht weniger:

Wer gleich um Mitternacht nach dem neuen Fensterchen gucken kommt, der erwischt mich vielleicht manchmal bei den letzten Aktualisierungen. Wiederholungstäter hier kennen das ja schon, voreilig gucken und mogeln ist nicht. Die Kalenderfenster lassen sich erst öffnen, wenn das Datum passt. Blogeinträge gibt es obendrauf, altbekannt oder aktuell.

Der Adventskalender

 

Der Adventskalender
von Jutta Butschkau

Am 30. November saß Ännchen auf dem Bettrand und hielt einen schönen, bunten Adventskalender nachdenklich in den Händen. Die Mutter hatte ihn ihr beim Gutenachtsagen gegeben und dazu gesagt:
»In diesem Jahr wirst du die Fenster deines Adventskalenders hoffentlich nicht wieder vorher aufmachen!«
Dann war sie schnell hinausgegangen, ohne eine Antwort abzuwarten. Ännchen wusste genau, was damit gemeint war. Im vergangenen Jahr hatte sie nämlich aus lauter Neugier schon am 4. Dezember alle Fensterchen des Adventskalenders geöffnet. Die Eltern waren traurig darüber gewesen, und Ännchen selbst hatte keine Freude mehr an dem Kalender gehabt. Die Kleine seufzte. Wenn man doch nur wüsste, was hinter den Fenstern zu sehen war? Zum Beispiel am Nikolaustag, und dann am 2. Advent … oder gar am Heiligen Abend!
Ännchens gute Vorsätze schmolzen wie die Eisblumen am Fenster dahin, wenn sie sie anhauchte. Ganz vorsichtig lupfte sie das Fensterchen zum 1. Dezember. HALT! stand dahinter mit dicken, roten Buchstaben und einem Ausrufezeichen.

Ännchen

Ännchen – von einer KI generiert

Ännchen erschrak. Was sollte das bedeuten?
Sie hatte einen Stern oder ein Licht erwartet. Was war das nur für ein merkwürdiger Adventskalender?
Kurz entschlossen machte sie noch ein paar Fenster auf: kein Spielzeug, kein Tannenzweig, keine Kerze war zu sehen – es gab nur Worte, nichts als Worte! Ännchen nahm einen Bleistift und schrieb hintereinander auf, was an jedem Tag bis zum 24. Dezember zu lesen war. Es kam ein Vers heraus:

»Halt! Was hast du uns versprochen,
Du wolltest doch in diesen Wochen,
Wo wir uns auf das Christkind freun,
Nicht mehr Fräulein Neugier sein!«

Ännchen schämte sich schrecklich. Aber was half es noch? Gar nichts mehr. Sie legte den Kalender auf den Tisch, schlüpfte ins Bett und schämte sich weiter, bis sie schliesslich darüber einschlief. Als sie am Morgen erwachte und mit schlechtem Gewissen zum Tisch hinüberschaute, machte sie große Augen. Der Tisch war leer, aber an der Wand neben dem Bett hing ein neuer Adventskalender mit lauter geschlossenen Fensterchen. Im Nu war Ännchen aus dem Bett gesprungen und hatte das Fenster zum 1. Dezember aufgemacht: Ein goldener Stern leuchtete ihr entgegen.

Ob Ihr es nun glaubt oder nicht: Ännchen war von ihrer Neugier geheilt. Diesmal öffnete sie täglich nur ein Fensterchen und freute sich an ihrem Adventskalender bis zum Heiligen Abend.

Der goldene Schlüssel

Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mußte ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bißchen wärmen. schluesselDa scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel.
Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müßte auch das Schloß dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. »Wenn der Schlüssel nur paßt!« dachte er. »Es sind gewiß kostbare Sachen in dem Kästchen. « Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, daß man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel paßte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen…

Gebrüder Grimm

und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat,

und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat…


Abschiedsgedicht an den Herbst
Internetfundstück

Ganz leise fallen weiße Flocken,
als wär der Winter nur auf Socken,
als schleicht er leise nun umher.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.

Der letzte Lärchenbaum wird kahl,
das Licht ist dämmrig, ist fast fahl.
Man sehnt sich nach der Sonne sehr.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.

Zierkürbisse sind weggefault,
das Kind jetzt mit den Eltern mault.
Der Stiefel ist noch immer leer.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.

Die Trauben sind jetzt schon gepflückt,
so mancher Winzer geht gebückt.
Die Körbe waren viel zu schwer.
Es ist kein Herbst,
kein Herbst ist mehr.

Wenn Winter nun den Einzug hält
auf manchen Teilen dieser Welt.
Denkt mancher noch
was für Coleur
gab doch der Herbst,
der Herbst so her.

Entlang der Bahnstrecke Leipzig – Dresden kilometerweit durch weißes Nichts im Januar 2009

Entlang der Bahnstrecke Leipzig – Dresden kilometerweit durch weißes Nichts im Januar 2009

Martinstag – Beginn der kirchlichen Weihnachtszeit

Der Heilige Martin - Martin von Tours

Am Martinstag erinnern wir an den Heiligen Martin von Tours. Er wurde Anfang des vierten Jahrhunderts in Ungarn, in dem damals zum römischen Weltreich gehörenden Sabaria geboren. Während seiner Zeit als römischer Legionär nahm er den christlichen Glauben an. Später wurde er Mönch und im Jahre 372 n. Chr. Bischof von Tours. Er verstarb 397 in Candes. Seine Berühmtheit verdankt er folgender Legende:

An einem Februarmorgen kehrte der 22jährige Martin mit seinem Burschen von einem nächtlichen Ritt heim. Es war ein harter Winter mit klirrendem Frost, und ein heftiger Schneesturm blies den Reitern ins Gesicht. Überall lag hoher Schnee und Eiszapfen hingen von den Bäumen. Gerade als die beiden zum Stadttor hineinwollten, schwankte aus einer Nische im Torbogen ein zerlumpter und vor Kälte zitternder Bettler hervor. Das zerfetzte Gewand bedeckte kaum seine Blöße, er schien halb erstarrt vor Frost. „Eine Gabe, guter Herr“, bettelte der Fremde. Martin hatte kein Geld bei sich, weil er gerade seinen ganzen Sold an arme Bauern verschenkt hatte, damit sie ihre Steuern zahlen konnten. So nahm er seinen weiten Mantel und halbierte ihn mit einem Schwertstreich. Die eine Hälfte warf er dem Bettler über die Schultern. Als der Bettler sich bedanken wollte, ritt Martin mit seinem Teil des Umhangs davon.

Die Legende sagt, dass Martin wegen seiner Wohltätigkeit überall bekannt war. Als der Bischof von Tours starb, wollte man Martin zum Nachfolger wählen, aber Martins Bescheidenheit war so groß, dass er sich im Gänsestall versteckte. Die Menschen suchten überall und in der Nacht auch mit Laternen nach dem guten Mann. Und als die Gänse sich laut kreischend über den Eindringling beschwerten, fand man Martin dann auch. 371 nach Christus wurde Martin der Bischof von Tours.
Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Er wurde am 11. November in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Tomb of Saint Martin of Tours in the crypt of the basilica

Grab des heiligen Martin in der Krypta der neobyzantinischen Kirche Saint-Martin de Tours

Sein Andenken überdauerte die Jahrhunderte: Noch heute folgt man mit Liedern und Laternen dem Martinsmann und verspeist anschließend seine Verräter, die Gänse.

Aprpos Martinsgans: auf kochmix.de findet ihr etliche Rezepte, mit denen ihr die verrätisches Gans als Martinsgans in die Pfanne hauen könnt ;). Um mich nicht selbst in die Pfanne zu hauen (der Abmahnwahn treibt komische Blüten), verzichte ich an dieser Stelle auf Geschichten, Reime oder Martinslieder für Laternenumzüge – aber man findet einige auf martin-von-tours.de

Bûche de Noël – der Holzklotz als Dessert

 

Bûche de Noël

Biskuit:
3 ganze Eier
3 Eigelb
1 EL heisses Wasser
75 g Zucker
Vanillezucker
60g Mehl
15g Mondamin
1 Messerspitze BackpulverZuckerlösung:
1/8 l Orangensaft
75 g ZuckerCreme-Füllung:
200g Zucker
4 EL Wasser
5 Eigelb
50g dunkle Schokolade
(mind. 50 % Kakao)
250g weiche Butter
30 g Kakaopulver

Dekoration:
Marzipan, Puderzucker

Verarbeitung:

  • Als erstes Zucker und Orangensaft 5 Minuten einkochen lassen (Zuckerlösung)
  • Aus den Zutaten für den Teig einen Biskuit zubereiten (Eier schaumig schlagen u.s.w.)
  • Den Teig auf ein Backblech streichen und ca. 10 Minuten bei 200 Grad backen
  • Sofort nach dem Backen auf ein sauberes Geschirrtuch stürzen und mit der Zuckerlösung bestreichen
  • Für die Füllung ebenfalls Zuckerlösung aus Wasser und Zucker zubereiten, schaumig geschlagenes Eigelb mit der abgekühlten Lösung vermischen
  • In einem Topf Butter und Schokolade (oder Kuvertüre) schmelzen und Kakao dazugeben
  • Schokomasse und Eigelbmischung vorsichtig unterrühren und dann auf der ausgekühlten Biskuitrolle verteilen.
  • Mit einer Gabel Muster (Baumrinde) ziehen und mit Puderzucker und/oder Marzipan dekorieren (weihnachtliche Blätter, Misteln, Pilze)
Bûche de Noël - Aspen

Bûche de Noël – Aspen, Foto: distopiandreamgirl /Flickr

Vanillekipferl (Rezept)

Wir backen Vanillekipferl
Einkaufsliste:

  • 300 gr Mehl
  • 125 gr Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 3 Eigelb
  • 125 gr geriebene Mandeln
  • 250 gr Butter
  • Puderzucker
So gehts:

  • Das Mehl auf den Tisch geben
  • Zucker, Vanillezucker und die Eigelb dazugeben und zu einem Brei vermischen
  • Dann die Mandeln und die zerkleinerte Butter dazu und verkneten
  • Knetteig 30 Minuten ruhen lassen, dann aus diesem Teig kleine Hörnchen formen und im vorgeheizten Backofen bei 180° Grad Celsius ca. 12-15 Minuten backen.
  • Die fertigen Kipferl in Puderzucker rollen.
vanillekipferl2010

Vanillekipferl 2010 – Fotos von Stefanie Carle (Account bei Ipernity gelöscht). Danke

Brauchtum zum Martinstag

Ganslsonntag heißt der Martinstag, wenn er auf einen Sonntag fällt oder auch der Sonntag nach Martini. Da gibt es die Herbstmusik, die jungen Burschen müssen ihre Mädchen zum Tanz führen und mit einem Gänsebraten bewirten. Wer versucht, sich zu drücken sucht, gilt als Geizkragen oder als schlechter Liebhaber und hat sich auf jeden Fall die Gunst seines Mädchens verscherzt.

Den Martinswein trinken die Winzer, oft im Rahmen eines Gemeindeabends, um für das künftige Jahr eine gute Ernte zu erbitten. Zu Martini hat auch der Most ausgearbeitet, an diesem Tag ist also der neue Wein getauft worden. Die Winzer fanden sich zum Martinstrunk oder Märtestrunk zusammen und nahmen die erste Kostprobe vom Heurigen. Der Märteswein floß‘ früher überall dort reichlich, wo Wein angebaut wurde: in Klöstern und in Winzerstädten war es üblich, an diesem Tag alle Leute freizuhalten.
Bei der Verkostung des ersten neuen Weines, der Martinsminne, darf die Martinsgans natürlich nicht fehlen. Vielerorts in Österreich wurde der Heilige Martin auch deshalb zum Patron des Gänseschmauses und der Gastwirte.

Puigaudeau,_Ferdinand_du_-_Breton_Girls_with_Chinese_Lanterns

Breton Girls with Chinese Lanterns
Ferdinand du Puigaudeau (1864-1930)

Der Martinsumzug am Martinsabend vereint eine verkleidete Person, die den heiligen Martin auf einem Schimmel darstellt, oft gehört auch ein Bettler dazu, immer aber eine große Kinderschar und ihre Eltern, die singend durch die Stadt/Gemeinde ziehen. Um den rechten Takt zu finden, wird der Gesang oft von einer Blaskapelle unterstützt.
Die Kinder tragen bei dem Umzug ihre meist selbst-gebastelten Martinslampen und Martinsfackeln. Der Martinsumzug findet seinen Abschluss vielfach durch die Mantelteilung oder durch ein Martinsfeuer. Der Lichterumzug hat ein liturgisches Vorbild: das Lucernarium, die Lichterprozession zur ersten Vesper des Vortages, wie sie an hohen Festtagen üblich war. Ist eine Bastelanleitung für Laternen gesucht?
Hier entlang bitte 🙂

St.Martins summer bezeichnet im Englischen das, was im Deutschen Altweibersommer oder anderswo Indiansummer (selten: Martinssommer) genannt wird, also besonders schönes Wetter in eher schlechterer Jahreszeit. Die englische Bezeichnung wird mit der Mantelteilung in Zusammenhang gebracht: Als Martin die Hälfte seines Mantels abgegeben habe, sei ihm sehr kalt geworden und er habe gefroren. Da hätten sich plötzlich Nebel und Wolken aufgelöst und die Sonne sei durchgebrochen. Dies sei der erste Sankt-Martins-Sommer gewesen.

Der Martinstag war einst auch Lostag, das heißt Mägde und Knechte wechselten ihre Dienststelle oder blieben wieder ein Jahr bei ihrem alten Herrn. Es wurden neue Pacht-verträge geschlossen und die Bauern und Gutsbesitzer mußten die Löhne an das Gesinde bezahlen. Oft gab es als Lohn auch Hühner oder Gänse. Die Woche nach dem Martinstag nannte man im übertragenen Sinne Martinioktav, die letzten acht Tage des bäuerlichen Arbeitjahres galten lange Zeit als Jahresausklang. In dieser Woche wurden nur die nötigsten Arbeiten im Stall und auf dem Feld erledigt, es wurde gefeiert, man aß und trank, besuchte Freunde und Verwandte.

Martini als Zinstermin war der Ablieferungstag von Naturalien. So wurde die Martins-gans dem Lehrer oder dem Pfarrer als Deputat überreicht, später als Geschenk Verwandten oder Bekannten zugesandt und auch mit Martin Luther in Verbindung gebracht: viele essen sie ihm zu Ehren, nur des Namens wegen.

Am Abend des Martinstages überreichte der Viehhirte seinem Dienstherrn eine grüne Rute, oft einen Birkenzweig, an dessen Spitze man einige Blätter ließ, ergänzt durch Zweige von Eiche und Wacholder, der dann im Frühjahr zum Viehtrieb verwendet wurde. Die Martinigerte (Mänensgene oder Martinsgerte) wurde am Tag der Epiphanie (6.1.) geweiht und sollte beim Viehauftrieb den Tieren Schutz gewähren. An manchen Orten wurden die Frauen und Mädchen mit einer Martinsgerte geschlagen; die ‚grünen Streiche‘ sollten den Segen und die Fruchtbarkeit auch auf sie übertragen.