einen Tag zurück Heute ist der 24. Dezember einen Tag vor

»Obwohl wir in Gott vertrauen, haben wir keinen Beweis für die wahre Existenz von Gott. Genauso wenig haben wir einen Beweis für die Existenz oder Nichtexistenz des Weihnachtsmannes.«
 aus dem Film "Das Wunder von Manhattan"

Is there a Santa Claus?
Gibt es das Christkind wirklich?

Auf diese Frage wusste auch die achtjährige Virginia O’Hanlon aus New York keine Antwort. Am 20. September 1897 schrieb sie deshalb an die Zeitung „New York Sun“. Die Sache war Chefredakteur Francis P. Church so wichtig, dass er dem kleinen Mädchen selbst antwortete.

Der Briefwechsel wurde unter dem englischen Originaltitel „Is there a Santa Claus?“ bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1949 immer zu Weihnachten auf der Titelseite abgedruckt – und damit zum meistgedruckten Zeitungsartikel aller Zeiten.

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virginia01.gifLieber Redakteur

Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, das Christkind gibt es nicht. Papa sagt, was in der „Sun“ steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir die Wahrheit:

Gibt es das Christkind?

Virginia O’Hanlon,
115 West Ninety-fifth Street

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Virginia, Deine kleinen Freunde haben Unrecht. Sie glauben nur, was sie sehen. Dear EditorSie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, das Christkind gibt es wirklich.
So gewiss, wie es Liebe und Großherzigkeit und Treue gibt. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es kein Christkind gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie, gar nichts, was das Leben erst erträglich machen würde. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

Es gibt ein Christkind. Sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, das Christkind zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme das Christkind zu Gesicht – doch was würde das beweisen? Kein Mensch sieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.

virginia02.jpgAll die Wunder zu denken, geschweige sie zu sehen, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch sieht, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum?

Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreissen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann wird die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. »Ist das denn auch wahr?« kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist beständiger.
Das Christkind lebt, und es wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird es da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.
Francis P. Church

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Ein nie vorher gesehener Stern
von Carl Zuckmayer

Manchmal des Nachts, wenn ich die Öfen schürte,
Sah ich durchs Fenster, nah und weltenfern,
So jäh, als ob mich eine Hand berührte,
Den nie vorher gesehenen Stern.

Er sprang und zuckte grün in kaltem Feuer
So groß war nie ein Licht, und kein Planet.
Mein Blick war blind davon, und ungeheuer
Erschrak mein Herz, und fand nicht zum Gebet.

Hob dann die Lider ich, war er verschwunden.
War es ein Zeichen? War’s ein Ruf des Herrn?
Ich frage nicht. Doch hält mich tief gebunden
Der nie vorher gesehene Stern.

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Heute ist in vielen Familien Bescherung

Weihnachten ohne Bescherung ist kaum mehr denkbar, aber auch dieser Brauch ist auch schon sehr alt.
Oft war in früheren Zeiten die Bescherung mit dem Nikolaustag verbunden, so daß es zu Weihnachten keine Geschenke mehr gab. An die Stelle des Heiligen Nikolauses trat der »Heilige Christ«. Luthers Kinder beschenkte noch im Jahre 1535 der Nikolaus, ein Jahrzehnt später ist daraus der Heilige Christ geworden. Seit dem wandert die Bescherung immer mehr zum Weihnachtsfest ab.
Offenbar hat die Ausbreitung des Weihnachtsbaum-Brauches mit dazu beigetragen, Little Santadaß sich die Bescherung immer zum Weihnachtsfest veränderte, denn zunächst hingen die Geschenke für alle am Weihnachtsbaum oder lagen unter seinen Zweigen. Jedenfalls gibt es heute kleinere Geschenke vom Nikolaus am 6. Dezember – die eigentliche Bescherung bleibt (außer in den Niederlanden und in Teilen Italiens) dem heutigen Tag und somit dem Weihnachtsfest vorbehalten.

Vielleicht klingt es merkwürdig an dieser Stelle, aber leider verkommt dieser schöne alte Brauch in den letzten Jahren immer mehr zu reinem Konsumterror, bei dem die Kinder von einer Geschenkeflut überrollt werden und dann ganz nervös und überdreht zwischen Bergen von teurem Spielsachen umherspringen und nicht selten von all dem überfordert sind. Die viel besungenen »leuchtenden Kinderaugen« habe ich in all den Jahren mit meinen Kindern ein einziges Mal gesehen, auch wenn sie sich alle immer über Geschenke gefreut haben. 1997 umkreiste (m)ein fassungsloses Kind auf allen Vieren immer wieder ein Feuerwehrauto. Er weinte und lachte gleichzeitig – und hatte für nichts anderes mehr auch nur einen Blick übrig. Inzwischen wird es immer schwieriger, echte ‚Überraschungen‘ zu finden, die tatsächlich sinnvoll sind, gebraucht werden und Jubelschreie auslösen.

Was man über all dem Trubel nicht vergessen sollte: Weihnachten ist DAS Familienfest und traditionell die Zeit, in der die ganze Familie zusammenkommt. Manchmal gibt es einen guten Grund, daß sich Leute nur einmal pro Jahr treffen. Ich weiß das jetzt (im Jahr 2019 ) sehr viel besser denn je…

Insofern hoffe ich, Ihr alle feiert mit oder bei Menschen, die Ihr mögt oder bei denen Ihr willkommen seid – nicht nur, weil man das zu Weihnachten eben so macht. In diesem Sinne wünsche ich allen, die Ihr hier immer wieder reinlest, genau das, was fürmich wichtiger denn je geworden ist:

Ich wünsche ein friedliches Weihnachtsfest

 

24. Dezember 2019 | aktualisiert im Dez 2019 | 2.252 Betrachter