einen Tag zurück Heute ist der 04. Dezember einen Tag vor

»O heilige Barbara, du edle Braut!
Dir sei Leib und Seele anvertraut;
Sowohl im Leben als im Tod;
Komm mir zu Hilfe in letzter Not,
Und reiche mir vorm letzten End`
Das allerheiligste Sakrament.«

Die Heilige Barbara

Der heutige Tag ist der Festtag der Heiligen Barbara. Sankt Barbara gilt in katholischen Ländern als die Schutzheilige der Bergleute. Um den Tod und den Gedenktag an diese Märtyrerin ranken sich Legenden und ein reiches Brauchtum.

Barbaras Vater, ein Heide, liebte seine Tochter über alles. Da er jedoch auch sehr eifersüchtig und argwöhnisch war, sperrte er sie immer in einen Turm ein, wenn er verreisen mußte. Obwohl Barbara sehr reich war, war sie doch sehr einsam und unglücklich. Als sie dann die Religion kennenlernte, sah sie in einem christlichen Leben ihre Aufgabe und ließ sich taufen. Barbara soll die Worte ‚kein Mensch ist des anderen Eigentum‘ gesprochen haben, als sie sich gegen den Willen des Vaters einer Heirat widersetzte und den christlichen Glauben annahm. Dies war in der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius in den Jahren 249-251.

St. Barbara, Jan van EyckDie Legende erzählt nun, dass der Vater – als er von einer Geschäftsreise zurückkam – erstaunt feststellte, dass der Turm statt zwei Fenster wie bisher drei Fenster aufwies. Als er seine Tochter zur Rede stellte, gestand sie ihm, dass sie Christin sei und zur Erinnerung an die heilige Dreifaltigkeit drei Fenster im Turm haben wollte. Der Vater war entsetzt und versuchte alles, um sie vom Christentum loszureißen. Aus Enttäuschung und Wut über ihren Starrsinn zeigte er sie selber an. Sie wurde gefangen genommen. Als man sie in den Kerker sperrte, soll sich Kirschbaumzweig in ihrem Kleid verfangen haben. Den Zweig habe sie mit Wasser aus ihrem Trinknapf benetzt und am Tag ihrer Hinrichtung (vermutlich mitten im Winter des Jahres 306) soll der Zweig erblüht sein. Ihr Vater war so in Zorn, dass er nicht allein ihre Verurteilung zum Tode bewirkte, sondern sogar das Scharfrichtersamt mit eigener Hand an ihr ausübte, ihn erschlug unmittelbar nach der Untat der Blitz.
Von da an wurde die schon bald heilig gesprochene Barbara als Schutzheilige gegen Blitz und Donner angerufen. Im Mittelalter war es üblich, ‚Barbaraglocken‘ zu läuten, sobald ein Gewitter am Himmel stand. Dieser Sitte verdankt die Artillerie ihre Patrionin, denn durch ihre Kanonen ahmte sie gleichsam Donner und Blitz nach.
Nach der Legende entkam die hl. Barbara ihren Verfolgern durch eine Felsenhöhle, deshalb ist sie auch die Patronin der Bergleute. Weil sie in einem Turm gefangen gehalten wurde, ist der Turm ihr Erkennungszeichen…

In den letzten Tagen im Bewußtsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Kirschbaumzweig in ihrer Zelle erblühte. Daher kommt der bekannteste Brauch, der Heiligen zu Ehren am Barbaratag Obstzweige ins Wasser zu stellen.

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Sankt Barbara
(Käthe Gutwein)

Der Tag der heiligen Barbara!
Feierlich stehen sie alle da,
die Männer, die aus des Berges Nacht
das schwarze Gestein zu Tage gebracht,
das dort gelegen seit Urweltzeit;
bald wird es vom roten Feuer gefreit.
Feierlich stehen sie alle da.
Es ist 4. Dezember: St. Barbara!

Du Schutzpatronin, St. Barbara,
Im Schmucke treten sie alle dir nah‘;
An dem Tschako wiegt sich die schwarze Feder,
Schwarz ist ja alles, Anzug und Leder.
Dort sind die weißen, Musik trägt rot.
In Ordnung und Würde, wie nach Gebot
beginnt der Zug, und wer ihn sah‘,
weiß, es ist heute St. Barbara!

Zurück von der Kirche St. Barbara. –
Und es geschieht, was immer geschah,
Musik spielt lustig, die Federn winken,
in Oberschlesien will man auch trinken,
sorglos sich freuen, den Tag genießen,
wen sollte das heitere Volk verdrießen?
Und es geschieht, was immer geschah!
Nur einmal im Jahr ist St. Barbara!

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Frühlingsblühen mit Barbarazweigen

Viele Bräuche haben sich aus der Heiligenverehrung entwickelt, am bekanntesten und der wohl am meisten gepflegte Brauch ist das Schneiden von Blütenzweigen am 4. Dezember. Im warmem Zimmer öffnen sich schon sehr bald die zum Blühen verführten Knospen.
Verwendet wird klassischerweise ein Kirschzweig, es gehen aber auch Zweige von Apfel, Birke, Forsythien, Haselnuss, Holunder, Kastanien, Mandel, Pflaumen, Rotdorn, Schlehen, Hartriegel, Weiden, Seidelbast, Zierkirschen, Scheinquitte, Echtem Jasmin, Zieräpfel, Zaubernusszweige oder sonstige frühblühenden Gehölze. Man sollte man allerdings nur Zweige mit vielen Knospen abschneiden. Als Blühimpuls werden sie über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt, am nächsten Tag in eine Vase gestellt und sollten am 24. Dezember blühen.
Ob die Barbarazweige wirklich aufblühen, hängt vom Wetter ab. Sie blühen nur, wenn es vor dem Schneiden Temperaturen um den Gefrierpunkt gegeben hat. Hat es noch nicht gefroren, kann man die Zweige für einige Stunden in die Gefriertruhe legen. Danach einen Tag lang in handwarmes Wasser legen, erst dann in die Vase stellen.

Dieser Brauch wurde offensichtlich aus dem Brauchtum der “germanischen Lebensrute” übernommen und ist somit haben die blühenden Zweige vielfach die Funktion eines Orakels: Sie sind ein Indiz für Glück und Gesundheit im kommenden Jahr, für eine gute Ernte, oder für Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch.
Junge Mädchen stellten die Zweige mit dem Namen ihrer “Favoriten” ans Fenster. Bei wem der Zweig vertrocknete, war nichts mehr zu hoffen; bei den anderen dagegen sah es gut aus.
Hochzeitorakel: Für jeden “Kandidaten” (männlich und weiblich) einen Zweig in eine Vase stellen. Die Namen auf ein Kärtchen schreiben und an den Zweig hängen. Und dann beobachten, an wessen Zweige die Knospen zuerst aufblühen – ob die beiden zusammen passen?
Zu Weihnacht schloß man aus der Anzahl der Blüten auf die Fruchtbarkeit bzw. das Wetter des darauffolgenden Jahres.

Den Brauch gibt es auch in abgewandelter Form in Niederösterreich. – Dort erhält jedes Mitglied der Familie einen eigenen Barbarazweig, um daran sein ganz persönliches Glück ablesen zu können. Vor allem junge Mädchen achten bereits beim Schneiden der Barbarazweige darauf, einen Zweig mit vielen Blütenknospen auszuwählen. – Denn der Volksglaube besagt, je reicher ihr Barbarazweig blüht, desto früher werden sie heiraten.

Die christliche Interpretation ist dagegen weit weniger bekannt: ‘Die Zweige erinnern an das Martyrium der heiligen Barbara. Daran, dass sie ihren Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod auch unter dem Druck der sie umgebenden Gefängnismauern nicht aufgegeben hat und vor allem auch nicht an die bevorstehende Geburt Jesu.’

04. Dezember 2021 | aktualisiert im Nov 2021 | 4.011 Betrachter