Weihnachtsbäume

Zum 16. Kalendertürchen

Aus des Waldes Wurzelgrund geschlagen,
waren sie auf Wagen hochgehäuft,
kamen in die nebelfeuchten Straßen,
kalter Bergluft einen Hauch zu tragen
in die Stadt, die grau von Näße träuft.

Von dem Sommer, den sie fast vergaßen,
von der Wiese bunten Blütenfarben
weht in ihrem Harzruch eine Spur.
Grün sind noch im Froste ihre Nadeln
saftgeschwellt, da von der Axt sie starben
in dem großen Wintersterben der Natur.

Trauernd mögen wohl vom Wald sie träumen,
von der reinen schneedurchhellten Weite,
wo der Rehbock fegte im Geäst.
Frierend unterm dünnen Nadelkleide,
plötzlich wächst ein Ahnen in den Tannenbäumen,
daß der Tod sie krönt im Lichterfest.

Wie im Schneeglanz schimmernd steht die Ferne,
schöner hält ein Leuchten sie umfangen,
wenn sie glitzerbunt mit Kugeln prangen,
in den Ästen funkeln Silbersterne.

Wenn zum Sinnbild ewigen Lichtes sie gemacht,
tragen stolz der Liebe und der Sehnsucht Fracht
und ein strahlend Glück von Kinderherzen
spiegeln in dem Flackerbund der Kerzen
unter Glockenruf der heiligen Nacht.

Heinrich Leis (1893-1951)

Leipziger Haupbahnhof 2009

Osthalle des Leipziger Haupbahnhofs 2009. Vielen Dank an Chris:)

Mo, 16.12. 2019, 00:06 Uhr | Geschrieben in Gedichte, Winterbilder | Kommentare deaktiviert für Weihnachtsbäume