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Around the World – 12 Trauben in 12 Sekunden

Donnerstag, Dezember 26th, 2019

Zum 26. Dezember

Zur alten spanischen Tradition gehört das Traubenessen in der Silvesternacht.

Die Zeit verrinnt, die Spinne spinnt in heimlichen Geweben. Wenn heute Nacht das Jahr beginnt, beginnt ein neues Leben.
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Kurz vor Mitternacht schalten in noche vieja (der alten Nacht) 99 Prozent der Spanier ihre Fernseher ein. In den letzten Sekunden des Jahres nimmt das Ritual seinen Lauf: Auf dem Fernseher läuft die Live Übertragung zur Puerta del Sol in Madrid, wo sich tausende von Menschen vor einem Glockenturm mit einer riesigen Uhr getroffen haben. Die Vorfreude steigt und dann geht´s los:

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Zeit macht nur vor dem Teufel halt

Exakt zu den letzten 12 Sekunden des Jahres erklingt je ein Glockenschlag, zu dem sekun-dengenau die Trauben verzehrt werden. Bei jedem Glockenschlag schiebt man eine Weinbeere in den Mund und wünscht sich etwas. Das ist einfacher gesagt als getan: Man muss schnell kauen und schlucken und denken und darf nicht lange nach Luft schnappen und quatschen und lachen. Wer es schafft, alle sprichtwörtlich zu ‚fressen‘, wird dem Glaube nach das ganze nächste Jahr Glück haben. Schafft man es nicht, dann führt das dem Aberglauben zufolge zu einem ganzen Jahr Unglück.

Ein Jahresausgang ohne die uvas de la suerte (Trauben des Glücks) ist in Spanien undenkbar. Dieses zudem auch gesunde Ritual wird so enorm gefeiert, das rund 600 Millionen Trauben in der Silvesternacht verspeist werden. Den Geschichten zufolge entstand diese Tradition im Jahre 1909. Die Traubenernte soll in diesem Jahr so gut gewesen sein, dass die Weinbauern sich entschlossen hatten, diese an das ganze Volk kostenlos zu verteilen und erzählten dazu, dass dies Glück für das nächste Jahr bringen sollte. Infolgedessen Glück hat sich dieses Ritual, die Tradition und der Glaube bis heute gehalten.

Cagatió, der schei*ende Baumstamm

Sonntag, Dezember 8th, 2019

Zum 08. Kalendertürchen

Der Tió de Nadal, auch Cagatió, ist ein katalanischer Weihnachtsbrauch heidnischen Ursprungs und entstand im östlichen Pyrenäen-Raum. In der Vergangenheit war er auch in den aragonesischen Pyrenäen und in Südfrankreich verbreitet.

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Verdauungsenregende Stockhiebe

Der Tió („Holzklotz“) ist ein toter Baumstamm, der üblicherweise mit zwei Beinen, lächelndem Gesicht und einer roten Kappe ausgeschmückt wird.
Am 08. Dezember (dia de la purissima) zieht er in die Wohnungen ein. Die Kinder füttern ihn jeden Tag mit Obst (Äpfel, Mandarinen) und Brot. Damit er nicht friert, wird er fürsorglich in eine Decke gehüllt.
Am 24. Dezember dann zwischen festlichem Abendessen und Christmette wird er aufgefordert, zu verdauen. Die Eltern erzählen den Kindern, dass der Baumstamm Geschenke „scheiße“ (katalanisch ‚cagar‘), wenn die Kinder die Decke nehmen. Oft wird dem Tió dazu ein spezielles Lied gesungen und/oder er wird mit Stockschlägen „ermuntert“.

Caga tió!
Caga torró, avellanes i mató!
Si no cagues béet daré un cop de bastó.
Caga tió!

Caga Tió

Caga Tió

Scheißender Baumstamm!
Scheiß Nougat, Haselnüsse und Hüttenkäse!
Wenn Du nicht genug scheißt, werde ich Dich mit dem Stock schlagen!
Caga tió!

Verzeiht mir die wörtliche Übersetzung 😉 Die eigentliche Weihnachtsbescherung findet in Katalonien wie im übrigen Spanien traditionell erst am Dreikönigstag statt.