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Waldweibchen in Steinbach

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Zum 19. Kalendertürchen

Im „Sagenschatz des Königreichs Sachsen“ von 1874 findet man die Sage vom Waldweibchen in Steinbach, aufgezeichnet vom Erzgebirgschronisten Christian Lehmann in der Naturchronik, dem Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge, Leipzig 1699:

In den Wäldern bei Steinbach und Grumbach ohnweit Jöhstadt läßt sich oft ein altes Mütterchen sehen, das ist das Waldweibchen. Es thut Niemandem etwas zu Leide, ja es hilft sogar den Leuten bei der Arbeit. Man erzählt, daß es vom Satan oder dem wilden Jäger gejagt werde und auf seiner Flucht einen Stock, in dem die Holzhauer ein Kreuz gehauen, suche, sich darauf setze und alsdann erlöst werde.
Im Jahre 1633 hat bei Steinbach am Aschermittwoche ein Bauer einen Baum im Walde gefällt, und indem der Baum im Falle ist, haut er nach der Holzhacker Gebrauch ein Kreuz hinein. Sogleich kommt ein gejagtes Weiblein und bleibt an dem mit dem Kreuze gezeichneten Baume stehen, da es denn sitzen geblieben. Unterdessen füllt es dem Holzhacker seinen Korb mit Spähnen, er aber schüttet die Spähne wieder aus, und davon ohngefähr ein Spähnchen hängen geblieben, findet er, als er nach Hause kommt, an dessen Statt einen ganzen Thaler. Er geht also bald wieder in den Wald, in der Hoffnung, solcher Thalerspähne viele aufzulesen, aber vergebens. Doch weil der Mann damals in kurzer Zeit zu Mitteln gekommen, hat man vermuthet, er müsse doch etwas gefunden haben. Von dieser Zeit an geht niemand gern am Aschermittwoch daselbst in’s Holz, in der Meinung, der wilde Jäger jage das Holzweibchen am Aschermittwoch.

Moosmann-Sage vom „Schwarzen Stein“

Sonntag, Dezember 15th, 2019

Zum 15. Kalendertürchen

Die Frau des Moosmännleins war zum Sterben krank geworden. Sie lag auf einem Bett von Leuchtmoos, stöhnte und wimmerte, während das Moosmännlein sein Herzeleid den Tieren des Waldes klagte.

Schwarzer Stein

Schwarzer Stein

Als ein Bettelmönch durch den Wald kam, hielt ihn das Moosmännlein an, klagte ihm sein Leid und bat ihn ganz herzlich, er möge doch seinem sterbenden Weiblein den erwünschten letzten Segen erteilen. Zum Lohn wolle er ihm auch seinen ganzen Mantelsack voll Laub füllen.

Der Mönch wusste zwar von dem Gerede der Menschen, die sich erzählten, dass die Moosleute für erwiesene Liebe aus Dankbarkeit Laub verschenkten, das sich zu Hause in Gold verwandelte, glaubte aber in seinem Stolz nicht daran und fuhr das Männlein hart an, während er dem sterbenden Weiblein den letzten Segen verweigerte.

Ergrimmt über soviel Unbarmherzigkeit und Unmenschlichkeit sagte das Männlein: „Hart wie ein Stein ist dein Herz, Mönch, so sollst du ganz zu Stein werden und bis in alle Ewigkeit hier an der Stelle stehen bleiben. Allen zur Mahnung, die ebenso hartherzig zu anderen Menschen sind.“

Das Moosweiblein starb. Und zwischen Falkenstein und Grünbach steht heute noch der versteinerte Mönch, der „Schwarze Stein“. Sein Gesicht ist noch zu erkennen und mit etwas Glück findet man dort auch heute Leuchtmoos.