einen Tag zurück Heute ist der 22. Dezember einen Tag vor

»Mach dir keinen Gedanken über die Größe deines Christbaums.
In den Augen der Kinder sind sie allesamt zehn Meter hoch.«
 Herkunft unbekannt

Weihnachtsbäume
Gustav Falke (1853-1916)

Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie ihre Waldesträume
wieder beim Laternenschein?

Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns erst alles erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.

Da steh´n sie nun an den Straßen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht trauen,
es muß doch was im Werke sein!

Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn,

Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt;

Als wären sie für Konfekt und Lichter
vorherbestimmt, und es müßte so sein,
und ihre spitzen Nadelgesichter
sehen ganz verklärt darein.

Leipzig Hauptbahnhof
Leipzig Hbf – Dezember 2008

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Daten rund um den Weihnachtsbaum

Der Brauch, einen Nadelbaum aufzustellen, ist noch gar nicht so alt. Die Sitte, grüne Tannenzweige (Wintermaien) ins Haus zu stellen, wird aber schon für 1494 im »Narrenschiff« Sebastian Brants bezeugt. Sie galten als Symbol für die Unvergänglichkeit der Natur, sollten Unheil abwenden und kündeten von der Fruchtbarkeit des nächsten Frühjahres. Als sich später die christlichen Weihnachtsbräuche durchsetzten, verloren diese Zweige ihre ursprüngliche Bedeutung und waren nur noch Schmuck und Dekoration.
Von 1535 ist überliefert, daß in Straßburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft wurden, die noch ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt wurden.
Ein Weihnachtbaum wird erstmalig 1604 in einer Straßburger Chronik erwähnt: Da ist die Rede von einem »Dannenbaum«, behängt mit Rosen aus farbigem Papier, Äpfeln, Oblaten und Zuckerzeug.
Der erste kerzengeschmückte Tannenbaum soll 1611 in Schlesien im Schloß der Herzogin Dorothea Sybille von Schlesien gestanden haben. Lieselotte von der Pfalz berichtete in einem Brief 1708 von einem Buchsbäumchen mit Kerzen. Goethe lernte den Weihnachtsbaum in Straßburg 1770 kennen, und in Berlin soll der erste Weihnachtsbaum um 1780 aufgetaucht sein. Für das Jahr 1813 werden die ersten Weihnachtsbäume aus Wien und Graz gemeldet, 1815 aus Danzig.
Weiter verbreitet hat sich der Christbaum in Österreich erst seit Henriette von Nassau-Weilburg (Gemahlin des Erzherzogs Karl) im Jahre 1816 das Weihnachtsfest mit dem kerzengeschmückten Rockefeller Center Christmas Tree - T. Kinkade Weihnachtsbaum gefeiert hatte.
Volkstümlich wurde er erst durch den deutsch-französischen Krieg von 1870. Am Weihnachtsabend dieses Jahres stellten deutsche Soldaten an der Front Tannen-bäume auf.

In die ‚Neue Welt‘ kam der Christmas Tree gewissermaßen im Reisegepäck deutscher Auswanderer und ist seit 1830 nachge-wiesen.
1891 wurde erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus, dem Amtssitz des Präsidenten der USA, in Washington aufgestellt.
Mit zunehmendem Eisenbahnverkehr im 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum in ganz Deutschland bekannt. Anders als die evangelischen Gemeinden sperrte sich die katholische Kirche zunächst gegen die Bäume. Sie sah in den Krippen ein genügend aussagekräftiges Symbol für das Weihnachtsgeschehen, aber es gibt heute keine katholische Kirche mehr, in der nicht wenigstens ein Baum steht.

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Spuren von winzigen Zehen
von Josef Guggenmos

Was ist da im Schnee zu sehen?
Spuren von winzigen Zehen.
Eine kleine Maus –
hier kam sie heraus!

Verschwunden ist sie, husch,
in jenem Loch vorm Haselbusch.
Zwischen den Tritten
fein – ein Strich.

Was kann’s sein?
Da zog sie das Schwänzelein
hinter sich drein.
Spuren...

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Was die Maus träumt
von Rosario Valderrama

Es war ein bitterkalter Heiligabend in einer kleinen Stadt im kalten Norden Mexicos. Eine kleine braune Maus saß zitternd im Schnee. »Wo soll ich heut Nacht bloß schlafen? Ich werde erfrieren« piepste sie zähneklappernd. da sah sie eine Kirche. Die große schwere Holztür stand einen Spaltbreit offen, und ein Lichtstrahl fiel nach draußen auf den Schnee. Die Maus spähte hinein – niemand war da.
Auf dem Boden war eine Krippe aufgebaut. Wie schön, dachte die Maus, und ging näher heran. Bestimmt hat keiner was dagegen, wenn ich hier übernachte. Sie betrachtete die starren Tonfiguren. Maria und Joseph sahen liebevoll zum Baby, das im Heu lag, und um die drei herum standen die Stalltiere.
Die Maus dachte: ‚Das arme Baby friert bestimmt. Es hat ja fast nichts an. Wenn ich neben ihm schlafe, können wir uns gegenseitig wärmen.‘ Und sie kuschelte sich an das Christkind und schlief ein. Im Traum hörte sie Stimmen.
»Armes Ding« sagte jemand leise. »Bestimmt ist sie müde und friert«.
»Wir müssen sie mit Heu zudecken« sagte eine Männerstimme. Die Maus lächelte im Schlaf, als sie fühlte, wie jemand sie vorsichtig zudeckte und eine kleine Hand ihr über den Kopf streichelte. Als der Priester am nächsten Weihnachtstag die Kirche betrat und die Krippe sah, staunte er nicht schlecht. Er beugte sich nach unten, um besser sehen zu können. Maus
»Na so was!« flüsterte er. »Da liegt eine Maus beim Jesuskind und schläft! Und was für ein merkwürdigen weißen Fleck sie auf dem Kopf hat! Wie mag der da hingekommen sein? Hm, das ist bestimmt eine ganz besondere Maus.«

Gerade in diesem Moment wachte die Maus auf. »Keine Angst…« sagte der Priester freundlich, »Ich tu dir nichts. Von nun an kannst du hier in der Kirche wohnen.«
Die Maus war so glücklich! Sie sah den Priester an und dann das Christkind. Und da bemerkte sie, daß es ihr einen Moment lang zulächelte. Seit diesem Tag lebte die Maus in der Kirche. Und auch ihre Kinder und Enkelkinder lebten dort, und alle hatten sie einen weißen Fleck auf dem Kopf.

22. Dezember 2018 | aktualisiert im Dez 2018 | 1.950 Betrachter

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