einen Tag zurück Heute ist der 15. Dezember einen Tag vor

»Der moderne Mensch kann mit Advent und Weihnachten nichts mehr anfangen.
Er hat aber noch keinen vergleichbaren Ersatz gefunden.«
 Gudrun Kropp

Warum 'Kekse' heute Kekse heißen

Ein Keks (von engl. „cake“ = Kuchen), schweizerisch Güezi [‚gy@tsi], Guetsli [‚gu@tslI] oder Gutzi [‚gutsi], manchmal auch Bisquit [‚biskwi] oder [-kxwi], schwäbisch Gutsle, ist ein kleines Gebäck. Typisch für Kekse ist, dass sie, im Gegensatz zu Kuchen und Torten, nie als Einzelobjekt hergestellt werden und, im Gegensatz zu Konfekt, meist nur einfache Zutaten benötigen. Dies sind Mehl, Zucker, Fett, Aromastoffe, Salz und häufig Eier.

Als um 1885 die ersten Kekse aus Großbritannien importiert wurden, verwendete man in Deutschland noch den englischen Begriff ”cake“, ”Gebäck“. Unsicherheiten bei der Aussprache des Wortes (besonders bei deutscher Lesart des Wortes mit kurzem ”a“) veranlassten eine Bielefelder ”Cakes- und Biscuit-Fabrik“, einen Wettbewerb für die beste deutsche Bezeichnung auszuschreiben. Als ersten Preis setzte sie 1 000 Goldmark aus.
Unter den Einsendungen waren Vorschläge wie Jungfernkuss, Damenkleister, Kosemich, Ohnmachtshappen und Unschuldsbrötchen. Die Preisrichter, zwei Professoren und drei Schriftsteller, entschieden sich für Knusperchen. Das Wort setzte sich jedoch nicht durch.
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1911 benannte sich eine ”Cakes-Fabrik“ in ”Keksfabrik“ um. Andere folgten dem Beispiel. Bereits 1915 hieß es im Duden, eng an die englische Sprache angelehnt: der/das Kek (Einzahl), die Keks (Mehrzahl).
Bald setzte sich auch für ein einzelnes Plätzchen die Bezeichnung ”Keks“ durch.

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Weihnachten bei den Großeltern
von Jakob Löwenberg (1856-1929)

Heut abend, als wir zu euch gingen,
da war in der Luft ein leises Klingen,
da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,
als ob man in einem Tannenwald wär,
da huschte vorüber und ging nicht aus
ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.

Der Mond kam über die Dächer gesprungen:
„Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?
Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?“
und lachte uns an mit vollem Schein.
Da lachten wir wieder: „Du alter Klöner,
heut abend ist alles anders und schöner.

Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,
da wirst du ein blaues Wunder sehn.“
Da sprang er leuchtend uns voran,
bei diesem Hause hielt er an.
Wir gingen hinein mit froher Begier,
und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.
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Der Weihnachtsteller
mit freundlicher Genehmigung © Barbara Pronnet

Als ich zusammen mit meinen gleichaussehenden Kollegen in den bunten Weihnachtsteller gelegt wurde, war mir schnell klar, jetzt heißt es warten und reifen bis zum Fest. Ich roch herrlich nach Butter und Rum und meine Zuckerglasur stand mir besonders gut.
„He“, rief eine dicke Marzipankartoffel neben mir, „mach dich nicht so breit.“ „Du musst reden,“ beschwerte sich eine herrlich aussehende Kokosmakrone rechts von mir, „ du machst dich doch breit wie ein fetter Christstollen.“ Sie lächelte mir freundlich zu und ich strahlte zurück. Was wäre wohl, träumte ich, wenn wir unsere Zutaten zusammenmischten? Es käme bestimmt etwas besonders Süßes heraus.
Ich sah mich um. Ein bisschen eng war’s schon auf diesem bunten Teller, aber die Farbenpracht und der Geruch waren einmalig. Ich freute mich schon auf den großen Tag. Wenn eine kleine Kinderhand nach mir greift und mich genussvoll verschlingt. Das ist eben für uns Plätzchen die Krönung. Meine nette Kokosmakrone neben mir war eingeschlafen. Ihr zarter Duft machte mich ganz schwindelig.
„Bist du neu hier?“ Ich äugte nach links oben, von wo diese tiefe Stimme kam und schaute auf den wohl bestgelungensten Gewürzlebkuchen aller Zeiten. Er trotzte nur so vor Korinthen, Rosinen und Schokostückchen.
„Ja, ich bin noch ganz warm“, sagte ich. „Du siehst sehr appetitlich aus, so rund und saftig“, lobte er mich. „Danke, aber nichts gegen dich. Du bist fantastisch.“ Der Lebkuchen räkelte sich richtig unter meinem Kompliment.
„Stimmt, ich bin wirklich gut gelungen. Die Hausherrin probierte ein neues Rezept. Sie hat sich sehr viel Mühl gegeben.“
„Ach Papperlapapp“ schimpfte die dicke Marzipankartoffel auf ein Neues. „Ihr mit eurem Geschwätz. Spätestens bis zum 2. Weihnachtsfeiertag werdet ihr einfach in volle Bäuche gestopft und keiner wird sich mehr an euer Aussehen erinnern oder an euren Geruch. Ihr seid eingebildete Narren.“
„Vielleicht hast du Recht“, pflichtete ich ihr bei, „aber unsere Aufgabe ist es nun mal gut auszusehen und zu schmecken.“
„Wenn du so weiter meckerst“, lachte ein Butterplätzchen schräg oben von uns, „wird dich keiner mehr vernaschen, weil du nämlich bis dahin sauer geworden bist.“
Wir lachten alle schallend und die Marzipankartoffel wurde ganz dunkelbraun vor Wurt. Mein süße Kokosmakrone war aufgewacht und hatte uns eine Weile wortlos kerze.gifzugehört.
„Versteht ihr denn den Sinn dieses Festes überhaupt nicht? Es geht doch nicht darum, wer am besten gelungen ist, die schönste Farbe hat und am leckersten schmeckt. Oder wer den besten Platz im runden Teller hat. Wichtig ist nur, dass wir alle, wie wir hier liegen, Freude bereiten und dazu beitragen, dass es ein gelungenes Fest wird. Und wenn wir uns bis dahin alle vertragen, werden sich unsere Aromen vermischen und wir alle werden unvergesslich schmecken.“
Es wurde still im buntgemischten Weihnachtsteller. Die Marzipankartoffel rutschte noch ein bisschen weiter nach unten, aber sie sagte nichts mehr. Die Anderen nickten zustimmend. Ich schaute stolz auf meine kleine Makrone, denn was sie gerade sagte, war das beste Rezept, was je geschrieben wurde.

15. Dezember 2017 | aktualisiert im Dez 2018 | 2.078 Betrachter

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