Einen Tag zurück Heute ist der 05. Dezember einen Tag vor

»Weihnachten offenbart die Temperaturen
im Umgang der Menschen untereinander.«
 Karl Lehmann

Schon als ich klein war, hing bei meinen Eltern in der Weihnachtszeit immer solch ein Stern und auch später, nachdem ich selbst ausgezogen war und eine eigene Familie hatte, gab es nur ein einziges Jahr ohne Stern für mich. Es gehört einfach in die Adventszeit, die Schachtel mit den einzelnen Zacken hervorzukramen und diese zum Stern zusammenzubauen. 25 Jahre ist das derzeitige Exemplar hier schon im Dienst.

Foto: Nancy Bönsch, aboutpixel.de – Danke 🙂

Benannt sind die Sterne nach einem kleinen Ort in der Oberlausitz – Herrnhut, den Nachfahren der Evangelischen Brüderunität Mähren im Jahr 1722 gegründet haben. Wir wissen sogar den Tag: Es war der 17. Juni. Viele Eltern gingen hinaus, die Welt zu missionieren – und die Kinder kamen in Internate. Dort entstanden die ersten Herrnhuter Sterne.
Der „Unitäts-Knabenanstalt“ in Niesky fällt die Ehre der ersten Sterne-Erscheinung zu: 1821 feierte man ein Fest zum fünzigsten Jahrestag der Anstalt. Im Hof schwebte ein beleuchteter Stern – wenn auch noch nicht der korrekte, denn er hatte 110 Zacken. Er hing auch nicht zur Adventszeit, denn die Jubiläumsfeier fand vom 4. bis 6. Januar statt.

Später wurde der Stern auch in den Internaten der Herrnhuter Unität in Niesky, Neuwied, Königsfeld und Kleinwelka gebastelt und zum ersten Advent aufgehängt. Von den Internaten kam der Stern in die Familien, von dort in die Welt: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts begannen manufakturmäßige Herstellung und Vertrieb der Herrnhuter Sterne, ab den 20er Jahren begann mit der Sterngesellschaft mbH in Herrnhut die industrielle Herstellung.
In der DDR führte der volkseigene Betrieb (VEB) „Stern“ die Produktion fort, wenn auch unter den Bedingungen des Sozialismus mit staatlich festgelegten Rahmenbedingungen. 1968, also immer noch mitten in der DDR, gab’s einen Wechsel: 'Montage' des Herrnhuter SternsVon da an wurden die Sterne in einem Betrieb hergestellt, der eigentlich Elektroanlagenzubehör herstellte (und das in einem Gebäude, das mal als Gaswerk gebaut wurde).

www.herrnhuter-sterne.de

Im Oktober 2010 hat die Herrnhuter Sterne Manufaktur ihr neues Besucherzentrum am Firmensitz in Herrnhut (Oberlausitz) eröffnet. Kernstück ist ein Ausstellungs- und Präsen-tationsraum, der in Form eines von innen begehbaren Sternes gestaltet ist. Dort werden den Gästen die Geschichte und die Entstehung des Herrnhuter Sterns vermittelt sowie Informationen zu Herrnhut und der Brüder-Unität gegeben. Zusätzlich beherbergt das Besucherzentrum noch eine Schauwerkstatt, Beratungs- und Verkaufsservice sowie ein Café. Damit wird die Manufaktur den steigenden Besucherzahlen gerecht; allein 2009 kamen mehr als 18 000 Besucher in das Unternehmen.

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Lied im Advent
Matthias Claudius

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

apfelherz.jpg
Foto: Karin von Apfelherz

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Die Döblinger Weihnachtsgans
vermutlich nach dem Märchen „Die Weihnachtsgans Auguste“ von Friedrich Wolf

Im allgemeinen pflege ich nicht die Vergangenheit aufzuwärmen, doch als ich jetzt in den Schaufenstern die Weihnachtsgänse liegen sah, fiel mir ein Erlebnis ein, das zu erzählen lohnt, obgleich es schon viele Jahre zurückliegt.

In einem Vorort von Wien lebten in der hungrigen Zeit nach dem Krieg zwei nette, alte Damen. Damals war es noch schwer, sich für Weihnachten einen wirklichen Festbraten zu verschaffen. Und nun hatte die eine der Damen die Möglichkeit, auf dem Land – gegen allerlei Textilien – eine wohl noch magere, aber springlebendige Gans einzuhandeln. In einem Korb verpackt, brachte Fräulein Agathe das Tier nach Hause. Und sofort begannen Agathe und ihre Schwester Emma das Tier zu füttern und zu pflegen.

Die beiden Damen wohnten in einem Mietshaus im zweiten Stock und niemand im Hause wusste, dass in einem der Wohnräume der Schwestern ein Federvieh hauste, das verwöhnt, gefüttert und großgezogen wurde. Agathe und Emma beschlossen feierlich, keinem einzigen Menschen jeweils davon zu sagen, aus zweierlei Gründen: Erstens gab es Neider, das sind Leute, die sich keine Gans leisten können; zweitens wollten die beiden Damen nicht um die Welt mit irgendeinem der nahen oder weiteren Verwandten die später möglicherweise nudelfett gewordene und dann gebratene Gans teilen.

Deshalb empfingen die beiden Damen auch 6 Wochen lang, bis zum 24. Dezember keinen einzigen Besuch. Sie lebten nur für die Gans. Und so kam der Morgen des 23. Dezember heran. Es war ein strahlender Wintertag. Die ahnungslose Gans stolzierte nichtsahnend und vergnügt von der Küche aus ihrem Körbchen in das Schafzimmer der beiden Schwestern und begrüsste sie zärtlich schnatternd. Die beiden Damen vermieden es, sich anzusehen. Nicht, weil sie böse aufeinander waren, sondern nur, weil eben keine von ihnen die Gans schlachten wollte. „Du musst es tun“, sagte Agathe, sprach’s, stieg aus dem Bett, zog sich rasend rasch an, nahm die Einkaufstasche, überhörte den stürmischen Protest und verließ in geradezu hässlicher Eile die Wohnung. Was sollte Emma tun? Sie murrte vor sich hin, dachte darüber nach, ob sie vielleicht einen Nachbarn bitten sollte, der Gans den Garaus zu machen, aber dann hätte man einen großen Teil von dem gebratenen Vogel abgeben müssen. Also schritt Emma zur Tat, nicht ohne dabei wild zu schluchzen.

Als Agathe nach geraumer Zeit wiederkehrte, lag die Gans auf dem Küchentisch, ihr langer Hals hing wehmütig pendelnd herunter. Blut war keines zu sehen, aber dafür alsbald zwei liebe alte Damen, die sich heulend umschlungen hielten. „Wie… wie….“, schluchzte Agathe, „hast du es gemacht?“ „Mit … mit…Veronai“, wimmerte Emma. „Ich habe ihr einige deiner Schlaftabletten auf einmal gegeben, jetzt ist sie …“, schluchzend, “ huhh… rupfen musst Du sie … huh huh huh…“, so ging das Weinen und Schluchzen fort. Aber weder Emma noch Agathe konnten sich dazu entschließen.

In der Küche stand das leere Körbchen, keine Gans mehr, kein schnatterndes „Guten Morgen“, und so saßen die beiden eng umschlungen auf dem Sofa und schluchzten trostlos. Endlich raffte sich Agathe auf und begann, den noch warmen Vogel zu rupfen. Federchen um Federchen schwebte in einen Papiersack, den die unentwegt weinende Emma hielt. Und dann sagte Agathe: „Du, Emma, nimmst die Gans aus“ und verschwand blitzartig im Wohnzimmer, warf sich auf das Sofa und verbarg ihr Gesicht in den Händen.Bild: Tante Käffchen, Pixelio Emma eilte der Schwester nach und erklärte, es einfach nicht tun zu können. Und dann beschloss man, nachdem es mittlerweile spät abend geworden war, das Ausnehmen der Gans auf den nächsten Tag zu verschieben. Am zeitigen Morgen wurden Agathe und Emma geweckt. Mit einem Ruck setzten sich die beiden Damen gleichzeitig im Bett auf und stierten mit aufgerissenen Augen und offenen Mündern auf die offene Küchentür. Herein spazierte, zärtlich schnatternd wie früher, wenn auch zitternd und frierend, die gerupfte Gans. Bitte, es ist wirklich wahr und kommt noch besser!

Als ich am Weihnachtsabend zu den beiden Damen kam, um ihnen noch rasch zwei kleine Päckchen zu bringen, kam mir ein vergnügt schnatterndes Tier entgegen, das ich nur wegen des Kopfes als Gans ansprechen konnte, denn das ganze Vieh steckte in einem liebevoll gestrickten Pullover, den die beiden Damen hastig für ihren Liebling gefertigt hatten.
Ich habe diese Geschichte, gleich nachdem sie passierte, im Rundfunk erzählt. Wahre Scharen pilgerten damals hinaus nach dem Vorort, um die Pullovergans zu sehen. Sie lebte noch weitere sieben Jahre und starb dann eines natürlichen Todes.

05. Dezember 2018 | aktualisiert im Dez 2018 | 2.793 Betrachter

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