einen Tag zurück Heute ist der 03. Dezember einen Tag vor

»Meine Großmutter hat mir so lange eingeredet, das Christkind
sei ein Engel mit langem weißen Haar, bis ich mir ganz sicher war,
daß es einmal an meinem Fenster vorbeigeflogen ist.«
 Rainhard Fendrich

Das Geschenk
frei erzählt nach O’Henry, Das Geschenk der Weisen

Ein Dollar und 87 Cents: Das war ihr ganzer Besitz am Heiligen Abend. Wie sollte sie davon ein Geschenk für ihren Mann kaufen?

Sie legte sich aufs Sofa und weinte. Dann stand sie auf und tröstete ihr verweintes Gesicht mit der Puderquaste. Und da vor dem Spiegel kam ihr die Idee: Es gab in der Familie zwei Dinge, die ihr ganzer Stolz waren: seine goldene Uhr und ihr wunderschönes, langes, wallendes Haar. „Ich verkaufe meine Haare“, sagte sie sich, dann habe ich Geld, um ihm ein Weihnachtsgeschenk kaufen zu können.

Gesagt, getan. Sie fand ein Geschäft, das das Haar aufkaufte. Zwanzig Dollar bekam sie für ihre Haare. In den Restbestand brannte sie sich später zu Hause ein paar Löckchen. Für das so erworbene Geld kaufte sie ihm eine ganz wertvolle Uhrkette. Endlich sollte er seine Uhr auch öffentlich zeigen können. Bisher versteckte er sie immer verschämt wegen des schäbigen Uhrbandes.

Dann wird es Spätnachmittag. Er kommt nach Hause. Als er seine Frau mit ihren kurzen Haaren sieht, erbleicht er. Sie fällt ihm um den Hals: Sie wachsen schon wieder nach. Und so sind sie doch auch ganz schön!

Aber sie deutet sein Erbleichen falsch. Nicht weil er sie so nicht leiden mochte, erbleichte er, sondern wegen des Weihnachtsgeschenkes, das er für sie gekauft hat: Es sind sie vielen kleinen Kämme und Spangen, vor denen sie schon so oft geträumt hat, als sie noch im Schaufenster des Friseurs lagen. Sie passten so gut zu ihren schönen langen Haaren. Und nun sind sie kurz. Die Haare!

Noch einmal tröstet sie ihren Mann: „Sie wachsen ganz schnell wieder nach!“ Und dann erzählt sie ihm, warum ihre Haare kurz sind: „Ich habe meine Haare verkauft, um dir ein Weihnachtsgeschenk machen zu können.“ Und sie reicht ihm das Päckchen. Er öffnet es, sieht die wertvolle Uhrkette – und muss lächeln! Er sagt: Wir wollen unsere Weihnachtsgeschenke noch für einige Zeit aufbewahren. Sie sind zu schön, als dass wir sie jetzt gebrauchen könnten! Und dann erzählt er ihr, dass er seine goldene Uhr versetzt hat, um ihr das erträumte Geschenk zu machen.

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Vom Schenken
Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Dass dein Geschenk
Du selber bist.
laugh often, live simply, cherish life

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Ein ganz normaler Wunschzettel

Der stark beschäftigte Direktor fragte seine Sekretärin: ‚Noch etwas zu erledigen?‘ Die Sekretärin lächelte: ‚Da ist noch der Wunschzettel ihrer Tochter. Sie scheinen vergessen zu haben daß Weihnachten vor der Tür steht!‘
‚Oh wie gut daß wenigstens Sie daran gedacht haben.‘ Der geplagte Direktor zuckte hilflos mit den Schultern: ‚Ich fürchte meine kleines Mädchen wird sehr ärgerlich auf mich sein und es hat auch allen Grund dazu. In den letzten Wochen war es wie verhext. Ich konnte mich kaum meiner Familie widmen. Wenn ich von den Besprechungen und anderen Terminen nach Hause komme schläft meine Tochter bereits. Nun soll sie wenigstens zu Weihnachten etwas Hübsches bekommen. Aber ich habe leider keine Zeit. Könnten Sie das nicht für mich erledigen? Auf das Geld soll es mir bestimmt nicht ankommen. Meine Tochter hat einfach einen Anspruch auf ein hübsches Geschenk. Kind mit StiftIch verlasse mich da ganz auf Sie.‘
Die Sekretärin schaute ihren Chef schweigend an. Dann sagte sie mit einem feinen Lächeln: ‚Wie Sie wissen Herr Direktor übernehme ich auch Aufträge dieser Art gern. In diesem Fall kann ich Sie aber wirklich nicht vertreten!‘
‚Warum denn nicht? Was kann sich ein Mädchen von sieben Jahren schon wünschen was heutzutage nicht zu erfüllen wäre?! – Na geben Sie den Wisch schon her. Muß ich das halt auch noch selber machen!‘
Die Sekretärin reichte ihrem Chef wortlos den Wunschzettel seiner Tochter und er las:

Lieber Vater!
Zum Weihnachtsfest wünsche ich mir daß Du im neuen Jahr täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit für mich hast. Sonst nichts.
Deine Tochter Ruth

03. Dezember 2018 | aktualisiert im Dez 2018 | 2.407 Betrachter

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