Vor 50 Jahren gabs eine Liveschaltung vom Mond

Zum 24. Kalendertürchen

Apollo 8 startete am 21. Dezember 1968 vom Kennedy Space Center in Florida und war der zweite bemannte Raumflug des amerikanischen Apollo-Programms und der erste bemannte Flug zum Mond und damit zu einem anderen Himmelskörper. Auf 40.000 Kilometer pro Stunde beschleunigt, sollte eine Rakete die Raumfähre „Apollo 8“ mit den Astronauten Frank Borman, Jim Lovell und William Anders zum Mond bringen.

Apollo-8-Crew

Von links: Borman, Anders und Lovell

31 Stunden und elf Minuten nach dem Abheben, am 22. Dezember 1968, absolvierte die Besatzung von Apollo 8 aus einer Entfernung von 221.940 Kilometern zur Erde ihre erste von sechs geplanten Live-Fernsehübertragungen. Versuche, die Erde zu zeigen, scheiterten an der Telelinse der Fernsehkamera, die sich nicht montieren ließ. Mit der Weitwinkellinse aufgenommen, erschien die Erde nur als heller Lichtfleck auf den Bildschirmen. Die Liveschaltung dauerte 15 Minuten.
Drei Tage nach dem Start, am 24. Dezember 1968, wurde die Mondumlaubahn ereicht. Landen konnte die Kapsel zwar nicht, doch erstmals würden Menschen um den Mond kreisen – und das gleich zehn Mal. Am 24. Dezember 1968 um 4:49:02 Uhr (EST) (Bordzeit: 68 Stunden, 58 Minuten, zwei Sekunden) verschwand Apollo 8 hinter dem Mond und der Funkkontakt brach ab.

Während sich das Raumschiff zum dritten Mal auf der Rückseite des Mondes befand, manövrierte Kommandant Borman das Raumschiff und blickte aus den Fenstern. Dort erkannte er über dem Horizont des Mondes einen blauen und weißen Bogen, der schnell größer wurde. An Heiligabend des Jahres 1968 entstehen Bilder, die Geschichte schreiben: Aufnahmen des ersten „Erdaufgangs“, den Menschen je gesehen haben.

Das erste Foto des Erdaufgangs über dem
Mondhorizont, aufgenommen von Frank Borman

erdaufgang2

Das berühmte Farbbild, aufgenommen von
Bill Anders kurze Zeit nach dem ersten Foto

Später dann hörte man am Heiligabend aus dem All die folgenden Worte:

Hier ist Apollo 8 mit einer Live-Übertragung vom Mond. Wir haben die Kamera umgeschaltet. Zuerst haben wir ihnen ein Bild der Erde gezeigt, wie wir es die letzten 16 Stunden gesehen haben. Jetzt schalten wir um, so dass wir ihnen den Mond zeigen können, über den wir in einer Höhe von 60 Meilen seit 16 Stunden fliegen. Bill Anders, Jim Lovell und ich haben den heiligen Abend hier oben damit verbracht, Experimente durchzuführen, Fotos zu machen und das Raumschiff mit den Triebwerken in Position zu halten. Wir werden jetzt weiter unseren Kurs fortsetzen wie schon den ganzen Tag und Sie mitnehmen zu einem Sonnenuntergang auf dem Mond.

Bibelstunde mit Blick auf den Mond

zur besten Sendezeit in den USA – hören die Menschen die Botschaft über diesen wunderschönen Planeten: Astronaut Bill Anders die ersten Zeilen der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel vor:

“Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr. Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das LIcht von der Finsternis”

Astronaut Jim Lovell fuhrt fort:

“Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.”

Als Dritter zitierte dann US-Astronaut Frank Borman aus der Schöpfungsgeschichte:

“Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es. Das Trockene nannte Gott Land und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.”

Letztlich verabschiedete sich Apollo 8 noch artig mit folgenden Worten:

„Wir, die Crew der ‚Apollo 8‘ beenden diese Botschaft mit einem ‚Gute Nacht‘, viel Glück und frohe Weihnachten. Gott segne euch alle – euch alle auf der guten, alten Erde.“

Man geht davon aus, daß rund 1 Milliarde Menschen diese historische Übertragung mit den Zitaten aus dem Buch Genesis über die Erschaffung der Welt vom Mond zur Erde im Fernsehen und an Radiogeräten verfolgten.
Nach der Eskalation des Vietnamkriegs, der Ermordung Martin Luther Kings und Robert F. Kennedys, den Studenten- und Rassenunruhen war der erfolgreiche Flug von Apollo 8 ein positiver Abschluss des Jahres 1968 für Amerika. Dies wird deutlich in einem Glückwunschtelegramm, das Kommandant Borman nach Abschluss des Fluges erhielt: “Thank you Apollo 8. You saved 1968.

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