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Advent, Advent, EIN Lichtlein brennt

Montag, Dezember 3rd, 2018

Lagebericht aus Stenkelfeld

Vielleicht hast du schon mal von Stenkelfeld gehört?
Eine kleine Gemeinde, die im Norden zu finden ist… aber es gibt sie auf keiner Landkarte. Stenkelfeld existiert nur virtuell – um so schöner sind aber die Geschichten, die man von dort zu hören bekommt. WinterszeneGerade in der Vorweihnachtszeit ist dort jede Menge Trubel und gestern nun nahmen die Stenkelfelder Bürger ihre Weihnachtsbeleuchtungen in Betrieb.

Sonntag, 1. Advent – 10.00 Uhr:
In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg läßt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert drei Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.

10 Uhr 14:
Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des 10-armigen dänischen Kerzenset zu je 15 Watt im Küchenfenster.
Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19 Uhr 03:
Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommeßgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.

20 Uhr 17:
Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluß einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten, durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens, ans Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20 Uhr 56:
Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laseresemble Metropolis, das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40m Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem häßlichen Geräusch zerbröckelt.

21 Uhr 30:
Im Trubel einer Joul-Club-Feier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21 Uhr 50:
Der 85-jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs „Varta Volkssturm“ den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22 Uhr 12:
Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg. Zuvor war eine Boing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sidney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmeyer gelandet.

22 Uhr 37:
Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die Experten in Houston sind ratlos.

22 Uhr 50:
Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage, der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23 Uhr 06:
In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23 Uhr 12 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23 Uhr 12 und 14 Sekunden:
In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verwirrte Menschen, Menschen wie Du und ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

2018 – und schon wieder ist ein Jahr an mir vorbeigerauscht.

Freitag, November 30th, 2018
Advent am Küchenfenster

Advent am Küchenfenster

Im letzten Jahr hatte ich gehofft, die Turbulenzen im Alltag würden abnehmen, statt dessen wurden sie heftiger…

Die Renovierungsarbeiten im kleinen alten Haus liegen weitgehend auf Eis, denn das kann warten. Das Leben wartet nicht. Ich bin eingespannter denn je, seit ich meine Mutter aus dem Pflegeheim nehmen musste. Dann kam in der größten Sommerhitze zu Allem noch ein Schlaganfall und alles wurde noch schwieriger.

Ich pendele jetzt zwischen Bett, Büro, Mutter und dem halbrenovierten Haus mit verwildertem Garten, 60 Kilometer jeden Tag. Viel Landstraße, so ist immerhin die Fahrerei entspannt.Wochentage haben oft 14 Stunden…

Auf dieser Seite wird es aus diesem Grund keine nennenswerten Veränderungen geben. Es ist einfach nicht möglich, irgendwo Zeit freizuschaufeln. Alles bleibt einfach so, wie es ist.

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Uns gehört nur die Stunde.
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.
Theodor Fontane

Euch alle erwartet hier das ewig gleiche Ritual, nicht mehr und hoffentlich (so es meine Zeit erlaubt) nicht weniger:

Wer gleich um Mitternacht nach dem neuen Fensterchen gucken kommt, der erwischt mich mit Sicherheit manchmal bei den letzten Aktualisierungen. Wiederholungstäter hier kennen das ja schon, voreilig gucken und mogeln ist nicht. Die Kalenderfenster lassen sich erst öffnen, wenn das Datum passt. Blogeinträge gibt es obendrauf, altbekannt oder aktuell.

Die Zeit vergeht, immer schneller werden ihre eiligen, kleinen Schritte.
Wie goldene Stäubchen im roten Strahl der Sonne,
so flimmern in der Zeit die Menschen auf und verschwinden wieder.
Maxim Gorkij, (1868 – 1936)